Aachen - 13 Jahre für versuchten Mord an 13 Menschen gefordert

13 Jahre für versuchten Mord an 13 Menschen gefordert

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ganz knapp sei das gewesen für das Leben der Bewohner des Hauses im Aachener Stadtteil Eilendorf. Knapp deshalb, weil nur rein zufällig das Gas-Luft-Gemisch im ehemaligen Waschküchenkeller des Gebäudes in der Nacht zum 1. März dieses Jahres nicht explodiert sei.

So beschrieb am Montag Staatsanwältin Claudia Schetter die möglichen Tatfolgen in ihrem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht. Sie forderte 13 Jahre Haft wegen 13-fachen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die 13 Menschen, die in dem Mietshaus schliefen, hätten einfach nur Glück gehabt, genauso die Einsatzgruppen der Berufs- und Freiwilligenfeuerwehr, die, die drohende Gefahr nicht ahnend, in den Keller gingen und gleichzeitig im Obergeschoss den Brand löschen mussten.

Der Angeklagte Yusuf K. (43), so Schetter, habe insgesamt zwei Mordmerkmale, das der Heimtücke und der Gemeingefährlichkeit, erfüllt. Ebenso sei er für die Brandstiftung im 2. Stock verantwortlich. Yusuf K. ist der in Köln lebende Vermieter der beiden nebeneinander an einer Straßenecke in dem Aachener Ortsteil liegenden Gebäude. Zu den Vorwürfen hat der Angeklagte bislang keine Aussage gemacht. So beklagte die Staatsanwältin, man wisse rein gar nichts über die Motivlage des mutmaßlichen Täters. Dass er es aber war, der den Brand legte und das Haus in die Luft sprengen wollte, das ist laut Staatsanwältin durch zahlreiche erdrückende Indizien belegt.

In die Gasleitung im Keller hatte man kleine Löcher gebohrt, aus denen das Gas strömte. „Am Kupferrohr war eine eindeutige DNA-Spur des Angeklagte”, stellte Schetter fest. Einen Toaster habe er zum tödlichen Zeitzünder umgebaut, auch hier fand man seine DNA, ebenso wie an der Schaltuhr, die den Toaster exakt um 3.46 Uhr einschaltete. Das Gerät war mit Tüchern einer Küchenrolle ausgepolstert und kokelte bereits vor sich hin, als die Feuerwehr in den Keller kam. Ein Luftzug oder ein Funke hätte laut Gutachten gereicht, um alles detonieren zu lassen, sagte Schetter.

Damit nicht genug. Bei einer Durchsuchung seines Pkw stießen die Kölner Polizisten auf die Quittung des verwendeten Toasters. Im Papierschredder seines Büros lag die Bedienungsanleitung der Zeitschaltuhr, auch ein Blatt einer Küchenrolle mit demselben Muster fand die Polizei.

Als besonders infam wertete Staatsanwältin Schetter den Versuch von Yusuf K., den Verdacht durch anonyme Briefe - unter anderem an diese Zeitung - auf jenen Mieter zu lenken, vor dessen Tür er selbst einen Müllsack angezündet habe. Ein weiterer Mieter erlitt eine schwere Rauchvergiftung. Das Urteil wird am 22. November erwartet.
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