Düsseldorf - 104-Jährigen totgespritzt: Angeklagte verschwindet vor Urteil

104-Jährigen totgespritzt: Angeklagte verschwindet vor Urteil

Von: dpa
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Kurz vor dem geplanten Urteil im Prozess um den Tod eines 104-Jährigen ist eine der beiden angeklagten Altenpflegerinnen verschwunden. Ihr Arbeitgeber habe die Frau als vermisst gemeldet, sagte der Vorsitzende Richter Drees am 14.02.2018. Das Gericht beschloss daraufhin, den Prozess in Abwesenheit der 51-Jährigen fortzusetzen. Foto: Frank Christiansen/dpa

Düsseldorf. Für die Tötung eines 104-Jährigen mit einer Überdosis Schmerzmittel ist eine 51-jährige Altenpflegerin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Düsseldorf sprach die Frau und ihre 35-jährige Kollegin wegen fahrlässiger Tötung schuldig. Im Fall der 35-Jährigen beließ es das Gericht bei einer Verwarnung und setzte die Geldstrafe gegen die Frau von ebenfalls 6000 Euro unter Vorbehalt.

Mit der Strafe blieb das Gericht deutlich unter der vom Staatsanwalt beantragten Bewährungsstrafe von jeweils eineinhalb Jahren Haft für beide Frauen. Sie waren zunächst sogar wegen Mordes angeklagt worden.

Die 51-Jährige wurde am Mittwoch in Abwesenheit verurteilt: Sie blieb der Verhandlung fern, ihr Arbeitgeber hat sie bereits als vermisst gemeldet. Polizisten drangen in ihre Wohnung ein, fanden die 51-Jährige aber nicht.

Das Gericht beschloss, den Prozess in Abwesenheit der Frau fortzusetzen. Der Staatsanwalt beantragte eine Bewährungsstrafe von jeweils eineinhalb Jahren Haft für beide Frauen. Es habe sich nicht - wie zunächst angeklagt - um Mord, sondern um fahrlässige Tötung gehandelt, sagte Staatsanwalt Matthias Ridder am Mittwoch am Düsseldorfer Landgericht. Die Pflegerinnen sollen dem Patienten versehentlich eine Überdosis Schmerzmittel gespritzt haben.

Eine Pflegerin habe der anderen die falsche Dosis genannt und diese habe sie ohne Nachkontrolle verabreicht. Ridder räumte ein, dass der 104-Jährige nur einen Tag zuvor einen Suizidversuch unternommen und nach Auskunft seines Arztes bereits im Sterben gelegen habe. Sein Leben sei möglicherweise nur um Stunden oder Tage verkürzt worden. Der Anklagevertreter sprach sich gegen ein Berufsverbot für die Frauen aus.

„Meiner Mandantin ist ein Fehler unterlaufen”, sagte der Verteidiger der verschwundenen 51-jährigen Angeklagten. Eine Geldstrafe sei zur Bestrafung dieses Fehlers aber ausreichend. Es seien fünf Ampullen des Medikaments für fünf Tage geliefert worden und die Verordnung des Arztes sei nicht klar gewesen. Die von ihm gewählte Dosierung werde normalerweise gar nicht gespritzt, sondern im Tropf verabreicht.

Der Verteidiger der 35-jährigen Pflegerin forderte einen Freispruch. Seine Mandantin sei von der Richtigkeit der Dosis ausgegangen und der Hochbetagte habe zunächst auch friedlich geschlafen. Weil die 51 und 35 Jahre alten Pflegerinnen keinen Notarzt gerufen haben sollen, als sie ihren Fehler bemerkten, hatte die Staatsanwaltschaft dies in der ursprünglichen Anklage als Mord durch Unterlassen gewertet.

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