Nordkreis - Zwischen Sektlaune und Katerstimmung

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Zwischen Sektlaune und Katerstimmung

Von: Stefan Klassen, Beatrix Oprée, Georg Pinzek und Karl Stüber
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Glückwünsche: Auch Städtere
Glückwünsche: Auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg gratulierte Wahlsiegerin Eva-Maria Voigt-Küppers. Ihr Kontrahent Hendrik Schmitz (r.) applaudiert. Foto: Ralf Roeger

Nordkreis. SPD-Funktionsträger und -Mitglieder zeichnen sich in Baesweiler gemeinhin durch eine beträchtliche Leidensfähigkeit aus: Heftige Wahlniederlagen besonders auf kommunaler Ebene gegen eine schier übermächtige CDU sind dort an der Tagesordnung.

Doch am vergangenen Landtagswahl-Sonntag war alles anders. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich das realisiert hatte. Das ist hervorragend”, jubelte nach einer „kurzen Nacht” die Baesweiler SPD-Fraktionschefin Gabi Bockmühl. Die Genossen durften realisieren, dass die SPD in der CDU-Hochburg mehr Wählerstimmen als die Christdemokraten auf sich vereinigen konnten. Für Bockmühl ist das ein Zeichen für eine grundsätzliche Trendwende: „Man sieht, dass unsere Richtung stimmt. Die Jusos sind neu und gut aufgestellt, und Partei und Fraktion setzen auf die richtigen lokalen Themen.” Schulkonsens, Euregiobahn, Sportplatz-Verkauf - „wir haben viel gearbeitet und einen langen Atem”. Für die Fraktionsvorsitzende hat die lokale Arbeit „einen gewaltigen Anteil” am SPD-Erfolg in Baesweiler.

Auch die Piraten profitierten in der Stadt des Löwen stark von der Schwäche der CDU, während sich Grüne und FDP recht stabil zeigten. Und die Linkspartei folgte dem landesweiten Trend: abwärts.

Schwacher Trost

So zufrieden wie er beim Direktstart seiner Partei vor zwei Jahren war, so enttäuscht ist Rodas Linke-Fraktionschef Toni Ameis seit Sonntag. Da ist es ein schwacher Trost, dass „wir in Herzogenrath das Beste von den schlechten Ergebnissen erreicht haben”. Eine Trendwende sieht Ameis aber keinesfalls, denn „unser Programm mit sozialen und Umweltthemen ist weiterhin notwendig”. Gründe für den Niedergang sieht er zum einen im personenbezogenen Wahlkampf der beiden Großen. Vom „Markenzeichen” der Linke, das Programm in den Vordergrund zu stellen, mag der dennoch nicht abrücken.

Ein längerer Wahlkampf hätte aber mehr Gelegenheit gegeben, die Positionen auch rüberzubringen. Und die Piraten hätten Wasser abgegraben. Weswegen Ameis die Linke beim Einsatz neuer Medien künftig gefordert sieht. Für die Bundestagswahl 2013 respektive Kommunalwahl 2014 ist er hoffnungsfroh: „Wir lassen den Kopf nicht hängen.”

Dass Reimund Billmann 2010 trotz eher knapper Differenz zur Kontrahentin nicht mehr in den Landtag einzog, Hendrik Schmitz mit schlechterem Ergebnis locker über die Liste gen Düsseldorf fährt, löst bei dem gestandenen CDU-Fraktionschef in Roda keinesfalls Harm aus: „Das liegt am Wahlsystem. 2005, als ich in den Landtag kam, hatte die CDU sechs Direktmandate mehr, als ihr zugestanden hätte. Nun ist es andersherum. Das wird sich auch wieder ändern. Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn Hendrik Schmitz das Direktmandat hätte.” Billmann mit Blick auf das schlechteste CDU-Ergebnis in NRW überhaupt: „Unser Spitzenkandidat war aus meiner Sicht untragbar.”

Bei der Wahl zum Landesvorsitz, habe der sich noch für NRW geäußert, bei der Kürung zum Spitzenkandidaten dazu aber keine Stellung mehr bezogen. Die Wahlen 2013 und 2014 möchte Billmann nicht in Zusammenhang mit Sonntag sehen. Vor allem bis zur Kommunalwahl, der in Roda noch die Bürgermeisterwahl vorangeht, sieht er genügend Zeit, sich aufzustellen. Und: „Für eine Region ist es immer am besten, wenn sie so viele Abgeordnete wie möglich hat.”

„Nichts beschönigen”

Am Tag nach der Wahl meldet der Ticker des Internetauftritts der Union in Würselen zwar noch „Gute Zukunft mit Norbert Röttgen und der CDU” mit Verweis auf den Wahlkampfabschluss, nun müssen die Christdemokraten aber feststellen, dass auch die Landtagswahl in der Düvelstadt für ihre Partei ein Debakel war. Dabei ist es nur wenig tröstlich, dass das Stadtergebnis sich nur geringfügig vom Landesergebnis unterscheidet. Bei den Zweitstimmen musste die CDU gar Verluste von 8,49 Prozent hinnehmen, bei den Erststimmen ein Minus von 5,58 Prozent.

Schon bei der Kür der Landtagskandidaten mussten in den Reihen der Würselener CDU Niederlagen weggesteckt werden. Balthasar Tirtey unterlag bei der Wahl im Stadtverband der Herausforderin Gudrun Ritzen. Die Würselener Christdemokratin hatte wiederum das Nachsehen bei der Union: Der Baesweiler Hendrik Schmitz wurde ins Rennen geschickt - mit bekanntem Wahlausgang. Nichtsdestotrotz hat sich auch die Würselener CDU im Wahlkampf stark engagiert. Stadtverbandsvorsitzender Hans-Josef Bülles: „Beim Wahlergebnis will ich nichts beschönigen. Wir haben aber einen guten Wahlkampf für einen guten Kandidaten geführt - es hat nicht gereicht. Frau Voigt-Küppers gratuliere ich natürlich zum Erfolg. Sie wird sich weiter in Düsseldorf für Würselen einsetzen. Dazu kommt, dass wir durch den guten Listenplatz von Hendrik Schmitz einen weiteren Fürsprecher aus dem Nordkreis im Landtag haben. Das ist sehr gut.”

Am Montag wurde in der SPD-Fraktion, der bekanntlich auch Eva-Maria Voigt-Küppers angehört, das Abschneiden der Sozialdemokraten in Würselen freudestrahlend bilanziert. Stadtverbandsvorsitzender Andreas Dumke zufrieden: „Das war ein großer Tag für SPD in der Städteregion. Das ist ein großer Erfolg auch für Eva-Maria Voigt-Küppers. Die Wähler haben honoriert, dass sie eine Kandidatin ist, die das tut, was sie sagt, und sagt, was sie tut. Sie hat bereits viel für den Wahlkreis in Düsseldorf erreicht und zeigt auch hier vor Ort sehr viel Einsatz.” Besonders mit Blick auf die anstehenden Aufgaben bei der Konsolidierung der Stadtfinanzen zählt Dumke die Landtagsabgeordnete zu den starken Partnern im Dialog mit den Bürgern.

„Auf dem richtigem Weg”

„Wir haben mit einem Sieg gerechnet, aber nicht, dass es so viele Stimmen werden”, ist Alsdorfs SPD-Vorsitzender Hans Peter Themen hin und weg. „Außer in Bettendorf haben wir auch bei den Zweitstimmen alle Stimmbezirke gewonnen”, konstatiert er. Dazu beigetragen habe neben der überzeugend auftretenden Kandidatin Eva-Maria Voigt-Küppers die „positive Stimmungslage” in Alsdorf - erzeugt durch Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) und die entsprechende Ratsarbeit. „Das macht mich für die Kommunalwahl in zwei Jahren optimistisch. Wir sind auf dem richtigen Weg. Da mache ich mir keine Sorgen.”

Ganz anders wertet Thelen die Bundestagswahl 2013: „Das wird eine andere Art von Wahlkampf sein. Da wird es bei der SPD mehr um Themen als um Personen gehen.” Dagegen dürfte die CDU auf Bundeskanzlerin Angela Merkel setzen. Zudem geht Thelen davon aus, dass jetzt bei der Landtagswahl viele CDU-Wähler zu Hause geblieben sind. SPD und Piraten hätten im Lager der Nichtwähler gezogen. Der Alsdorfer SPD-Chef empfiehlt Martin Peters (Stolberg) dringend, wieder als Bundestagskandidat zur Verfügung zu stehen.

Alsdorfs CDU-Vorsitzender Peter Steingass zollt - ganz fairer Verlierer - der SPD seinen Respekt. „Wir haben Fehler gemacht, das müssen wir analysieren”, sagt er. Immerhin sei, wenngleich auch über die Liste, das Minimalziel, mit Hendrik Schmitz einen Landtagsabgeordneten zu stellen, erreicht worden. „In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wer was in Düsseldorf macht”, setzt Steingass auf Kooperation wie auch Wettbewerb mit der SPD-Landtagsabgeordneten Voigt-Küppers.

„Ich persönlich bin immer noch sicher, dass Hendrik Schmitz der bessere Kandidat gewesen ist”, zeigt sich Steingass überzeugt, dass Schmitz den direkten Vergleich in der politischen Arbeit gewinnen werde. Nicht gedacht hätte Steingass, dass CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen „beim Volk nicht so gut ankommt”. Selbst in Warden sei das so gewesen. Steingass kann sich vorstellen, dass Helmut Brandt (Alsdorf) wieder für den Bundestag kandidiert. Im Frühsommer stehe die Nominierung an.
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