Würselen - Zurück in Merzbrück: Die „Hell Hawks“ heben nochmal ab

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Zurück in Merzbrück: Die „Hell Hawks“ heben nochmal ab

Von: mabie
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Michael Pohl nahm Archie Maltby gerne mit auf eine etwas ausgiebigere Platzrunde. Foto: Markus Bienwald
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Auch Veteran Ralph King genoss den Ausflug mit dem ehemaligen Navy-Trainingsflugzeug. Foto: Markus Bienwald
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Das Präsent: Ein Banner der früher hier stationierten 365. Kampfgruppe „The Hell Hawks“ wird künftig einen guten Platz im Hangar finden. Foto: Markus Bienwald

Würselen. „Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie es hier damals ausgesehen hat.“ Es ist ja auch schon eine ganze Weile her, dass Archie Maltby auf dem Flugplatz war. Der heute 90-Jährige war als 20-Jähriger als Soldat auf Merzbrück stationiert. In einer Zeit, die Krieg zum Thema hatte – und in der die Welt ganz anders aussah.

Während Archie in amerikanischem Englisch von der Vergangenheit spricht, machen sich auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück ein paar moderne einmotorige Maschinen warm für ihren Rundflug. Das war vor 70 Jahren noch ganz anders: Damals war Merzbrück der erste Flugplatz auf deutschem Gebiet, der von den Amerikanern nicht nur erobert, sondern als Basis intensiv genutzt wurde.

Und so kam Archie Maltby nach dort, der damals wie Ralph King zu den „Hell Hawks“ gehörte: einer Gruppe junger amerikanischer Flieger, die sich beim Kampf gegen Hitlerdeutschland von England aus bis nach Deutschland vorarbeitete.

„Da war viel zerstört“

Ganz genau erinnern können sich die beiden Piloten daran, wie sie auf der damaligen Graspiste auf sogenannten PSP-Platten landeten, die als Betongitter für eine Start- und Landebahn sorgten. Auch daran, wie Aachen aus der Luft aussah. „Da war viel zerstört“, so Ralph King bei seinem Besuch in Merzbrück.

Die beiden Veteranen sind nicht alleine nach Merzbrück gekommen. Eine 32-köpfige Reisegruppe, die aus Veteranen, aber auch Angehörigen und Interessierten besteht, besucht fast 70 Jahre nach den historischen Ereignissen noch einmal die damalige Route. Über England, Frankreich, Belgien und die Niederlande geht es dabei auch nach Merzbrück, wo die damals jungen GIs stationiert waren.

Ständig in Gefahr

„Heute sieht hier natürlich alles ganz anders“, sagt Michael Pohl, der mit der „Flugplatz Aachen Merzbrück GmbH“ die beiden Veteranen und ihre Begleiter zu der Stippvisite eingeladen hatte. Es wird viel Fliegerenglisch gesprochen und erzählt von damaligen Maschinen, von den Zuständen und der steten Gefahr im Krieg, nicht mehr aus dem Einsatz zurückzukommen.

Aber es werden auch Fakten auf den Tisch gelegt. So ist die Startbahn heute umgerechnete 1500 Fuß lang. „Das hätte damals nicht gereicht“, meint Archie lächelnd, „wir hatten für unsere P47 Thunderbolt eine Bahn von 5000 Fuß Länge nötig.“

Während Michael Pohl noch mit der linken Hand langsam durch die Luft fährt, um zu beschreiben, wie sehr sich der Horizont seit damals auch durch den Bau der Autobahn und der gesamten Peripherie verändert hat, holt der andere Teil der Reisegruppe schon eine Überraschung aus dem Gepäck. Zusammengerollt wartet da nämlich ein Banner, das an die Tätigkeit der 365. Kampfgruppe, den „Hell Hawks“, erinnert.

Das soll im Hangar einen tollen Platz finden. Michael Pohl versteht sich wie die übrigen Merzbrücker Flugfans auf Anhieb prächtig mit dem Besuch aus den USA. Und die beiden Veteranen dürfen sogar noch einmal aufsteigen. Michael Pohl, Jürgen Kraus und Ingo Cremer haben dazu eigens ihre immer auf Hochglanz polierten historischen T6-Trainingsjagdflugzeuge aus dem Hangar geholt. 600 PS stark.

Fast wie Spielzeug

Während sich Wolken am Himmel sammeln, machen sich die Propellermaschinen hör- und spürbar bereit, um ihre Piloten und die beiden 90-Jährigen auf einen gut halbstündigen Rundflug zu entführen. Im Vergleich zu den alten Maschinen sehen die modernen weißen Flieger fast wie Spielzeug aus. In einer eindrucksvollen Dreierformation geht es mit den deutschen und amerikanischen Crewmitgliedern in den wolkenverhangenen Himmel.

Und nicht nur beim Überflug über den Platz, der von jedem Anwesenden beinahe körperlich gespürt werden kann, verwandelt sich diese Wolkenpracht in etwas, das die Amerikaner „Cloud Nine“ nennen. Dieser auf Deutsch „siebte Himmel“ hat für Archie noch immer eine ganz eigene Faszination.

„Es ist einfach schön, sich mit diesen alten Schätzchen nochmal in die Luft zu erheben“, meint auch Ralph King. Auch wenn der Weg ins Cockpit vor 70 Jahren für die jungen Männer körperlich einfacher gewesen ist, bleibt in den gegerbten Gesichtern der Männer das Strahlen erhalten.

„Im Frieden ist das aber alles noch viel schöner“, schließt Ralph King und steigt aus dem Cockpit. „Schließlich muss niemand mehr sterben, oder Angst haben, nicht zurückzukommen, weil jemand ihm nach dem Leben trachtet.“

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