Zu Weihnachten bringt er die Geschenke

Von: Elisa Zander
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Erst wird sortiert: In seinem Wagen findet sich Peter Schiffer fast blind zurecht. Er weiß, wo er welche Sendung verstaut hat. Auch während seiner Tour durch die Bezirke sortiert er zwischendurch immer wieder neu. Foto: Elisa Zander

Würselen/Alsdorf. Ja, er ist es. Der offizielle Helfer vom Weihnachtsmann. Der Button auf seiner Uniform weist eindeutig darauf hin. „Eigentlich sind wir ja selbst die Weihnachtsmänner“, sagt Peter Schiffer und lacht. Der 40-Jährige ist einer der Paketzusteller der Deutschen Post – und in der Weihnachtszeit hat er besonders viel zu tun.

Schon im Oktober geht es los. Dann zieht es an mit der Zahl der Pakete. Bis zu den Weihnachtstagen steigt sie weiter. Acht Millionen Päckchen und Pakete liefern die Boten dann deutschlandweit aus – täglich. Insgesamt hat die Zahl der Zustellungen zugenommen und ist dem florierenden Onlinehandel geschuldet.

Peter Schiffer soll an diesem Tag 225 Pakete zustellen. Seine Schicht beginnt um 6.30 Uhr. In der neuen Zustellbasis in der Würselener Palmestraße, im Gewerbegebiet Aachener Kreuz gelegen, sortiert er die auf Rollcontainern aus Köln angelieferten Sendungen in seinen Lieferwagen. „Es sieht vielleicht ein bisschen chaotisch aus, aber ich finde mich zurecht“, sagt er und nimmt ein weiteres Päckchen, um es in eines der Seitenfächer zu legen. Geordnet nach Straßen in Broichweiden und Alsdorf-Mariadorf. Immer wieder kramt er neu, sortiert nach Größen und Gewicht – leichte Sendungen kommen oben ins Regal, schwere Pakete stehen unten. Listen werden gegengezeichnet und abgegeben. Drei Stunden später kann Peter Schiffer seinen Wagen von der Laderampe trennen. Ein letzter Check im Fahrerraum und los geht seine Tour. 38 Kilometer hat er vor sich.

Neue Zustellbasis

20 Zusteller arbeiten derzeit an der Palmestraße. Hinzu kommen 30 Aushilfen, um das erhöhte Aufkommen im Weihnachtsgeschäft auffangen zu können. Ursprünglich hatte die Zustellbasis in Würselen erst 2014 eröffnet werden sollen. Doch eben wegen der vielen Pakete entschied sich das Unternehmen, vorzeitig die Halle zu nutzen. Noch ist sie ohne die technische Anlage, die künftig 3000 Pakete stündlich sortiert. Bis dahin müssen die Paketboten per Hand sortieren.

Peter Schiffer fährt los. Routiniert lenkt er seinen Wagen auf die Adolf-Lengersdorf-Straße in Richtung Broichweiden. Über die Eschweiler Straße gelangt er zur Nassauer Straße. Das erste Paket wird abgeliefert. Er parkt den Wagen, nimmt sich die Sendung und steigt schwungvoll aus. Ein Hund bellt, als Peter Schiffer klingelt. Er wird mit Namen begrüßt. Der Hund wird still. Man kennt sich hier. Schließlich ist der Zusteller seit fast 20 Jahren im gleichen Bezirk unterwegs. Er kennt jede Straße, die Baustellen, Ausweichwege. Und er kennt Familienverhältnisse, weiß, zu welcher Uhrzeit er die Anwohner antrifft oder welcher Nachbar das Paket annimmt. „Wenn das Auto nicht da ist, weiß ich, die sind nicht zuhause, da brauche ich theoretisch gar nicht klingeln.“

Zurück zum Auto, ein neues Paket für die Bewohner einige Häuser weiter. Niemand öffnet. Ein Nachbar ist so freundlich und nimmt die Sendung entgegen. Schnell noch einen Benachrichtigungszettel für den Empfänger angefertigt und mit dem Auto geht es einige Straßen weiter.

Selten gibt es Fälle, in denen Nachbarn es ablehnen, ein Paket stellvertretend anzunehmen. „Aber es gibt Leute, die bestellen nur und im Flur des Nachbarn stapeln sich dann die Kisten“, erzählt Peter Schiffer, „weil sie die Empfänger dann nicht direkt abholen.“

Pilotprojekt Paketkästen

Für solche wäre die Neuerung interessant, die von der Post derzeit in einigen deutschen Städten als Pilotprojekt getestet wird. Paketkästen, die beispielsweise in Vorgärten platziert werden und als Lieferort angegeben werden. Auch im Bezug auf den wachsenden Markt der Lebensmittelbestellung im Onlinebereich wäre das zu überlegen, der sich stetig weiterentwickelt und in einigen Städten regelmäßig von Kunden genutzt wird. Für die Aachener Region konnte Dieter Schneider, Leiter der Niederlassung Brief Köln-West, jedoch „noch kein grünes Licht“ für diesen Service geben.

In allen Onlinebereichen boomt der Markt. Der Zustellbezirk von Peter Schiffer ist in den vergangenen Jahren überarbeitet worden. Mit dem stetig steigenden Sendungsvolumen musste das Gebiet angepasst werden. Heute teilen sich drei festangestellte Fahrer die Tour, die Schiffer vor vier Jahren noch allein bewältigte.

Dienstleistungsfachkraft hat er gelernt. Ein Ausbildungsberuf, den es heute schon gar nicht mehr gibt. Briefe hat er ausgetragen, Pakete ausgeliefert. „Eigentlich kann man mich überall einsetzen.“ Aber Pakete stellt er am liebsten zu. „Bei Briefen klagen die Anwohner, dass ich ihnen nur Rechnungen bringe. Bei Paketen freuen sie sich.“

Der Kontakt zu den Kunden ist ihm wichtig. Das strahlt Peter Schiffer aus. Er ist gerne unterwegs, grüßt auf dem Weg Autofahrer und Fußgänger.

Kommt das Paket rechtzeitig?

In einem Wohngebiet parkt er auf dem Seitenstreifen. „Hier ist es schön ruhig“, sagt Schiffer und erzählt von der Anspannung der Kunden, wenn sie vor Weihnachten auf eine Zustellung warten. Manche kommen aus dem Haus, wenn sie das Post-Auto sehen und fragen, ob denn auch eine Sendung für sie dabei ist. „Viele haben vergessen, rechtzeitig zu bestellen und sorgen sich dann, ob das Geschenk noch pünktlich zum Fest da ist.“ Auch darum schieben die Zusteller am Sonntag vor Weihnachten eine Zusatzschicht.

Plötzlich hält ein Auto. „Peter, hast du was für mich“, ruft ihm der Fahrer entgegen. „Ja, warte“, sagt der und steigt schnell in seinen Wagen, um zwei Pakete herauszunehmen. „So geht das hier manchmal.“ Peter Schiffer lacht und der Autofahrer fährt weiter. Schnell, freundlich, unkompliziert.

Peter Schiffer macht sich weiter auf den Weg. Es warten noch einige Päckchen und Pakete in seinem Wagen, die als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum liegen sollen. Und als Weihnachtsmann-Helfer sollte man sich nicht verspäten.

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