Zeigefinger soll unten bleiben: Sucht-Aktionstage in Herzogenrath

Von: Elisa Zander
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Kampagnen-Material: Ein erhobe
Kampagnen-Material: Ein erhobener Zeigefinger ist hinderlich, um Betroffene zu erreichen. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Wenn Marion zur Flasche greift, dann flüchtet sie sich in eine andere Welt, weg von der Gewalt, die sie ständig durch ihren Freund erfährt. Damit David seinen Stress auf der Arbeit und in der Familie bewältigen kann, zieht er sich hin und wieder in das Gartenhaus zurück, um dort bei einem Joint den Kopf frei zu bekommen.

Zwei erdachte Situationen, zwei Schicksale, zwei Geschichten. „Sucht hat immer eine Geschichte”, betont Gabi Fischer, Mitarbeiterin der Fachstelle für Suchtvorbeugung in der Städteregion Aachen, und zitiert damit das Motto der Aktionstage in Herzogenrath, einer Gemeinschaftsinitiative gegen Sucht. Elf Tage lang finden derzeit in der Roda-Stadt Informationsveranstaltungen, Workshops, Vorträge und Thementage gleichermaßen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt.

Seit 1991 arbeitet das Land Nordrhein-Westfalen präventiv, um ursachenorientierter Sucht aktiv vorzubeugen. Bereits zum zweiten Mal nach 1997 finden die Aktionstage unter Gesamtleitung der Projektkoordination Suchtvorbeugung NRW/ginko Stiftung für Prävention in Herzogenrath statt. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für das Thema Suchtvorbeugung zu sensibilisieren. „Das ist keine Hexerei”, betont Gabi Fischer, „das kann jeder.”

Zum Auftakt hatten die Kooperationsakteure, das Jugendamt der Stadt Herzogenrath und die Fachstelle für Suchtvorbeugung in der Städteregion Aachen, Träger ist das diakonische Werk im Kirchenkreis Aachen, zu einem Thementag geladen: „Modern Times - Handwerkszeug für neue Herausforderungen in der Suchtvorbeugung” so der Titel, unter dem ein Fachvortrag und verschiedene Workshops gegliedert waren.

Darunter das Angebot von Sozialarbeiter Vitus Hug, Leiter Fachbereich Beratung Blaues Kreuz St. Gallen, Appenzell. Er informiert zu männerspezifischer Gruppenarbeit. „Bei Frauen liegt die Ursache für Sucht häufig in schweren Erlebnissen wie Gewalt oder Missbrauch, während Männer oft nur Alkohol trinken, um anzugeben oder sich stark zu fühlen”, erklärt der Experte. Dementsprechend unterschiedlich seien die Behandlungsansätze. „Männer sprechen weniger und ungern über sich. Sie wollen nicht in einem Stuhlkreis sitzen und Händchen halten”, verdeutlicht Vitus Hug zugespitzt und verweist auf das damit zusammenhängende Tabu-Thema.

Besonderes Augenmerk wird sowohl an diesem Tag als auch im gesamten Aktionszeitraum auf das Phänomen Medienabhängigkeit gelegt. „Wir können nicht mit dem erhobenen Zeigefinger arbeiten”, erklärt Gabi Fischer. Ein Ansatz, der sich auf alle Suchtspezifika anwenden lässt. „Abschreckung ist kein Instrument zur Suchtvorbeugung, das beeindruckt nur einen kurzen Zeitraum.” Vielmehr müssten Jugendliche in ihrer Kreativität gestärkt werden, damit sie nicht in eine Sucht fallen.

Damit die Akteure - allein aus Herzogenrath sind 31 Kooperationspartner an den Aktionstagen beteiligt - auch voneinander profitieren, wird Wert auf die Stärkung der kommunalen Vernetzung gelegt. Ideen besser umsetzen, Angebote ausweiten, Ressourcen nutzen und so suchtpräventive Programme effektiver umsetzen sollen die Resultate daraus sein.

Weitere Informationen zu Thementagen und Programm gibt es auf der Homepage der Stadt.
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