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Zahn der Zeit nagt an Forensberger Brücke

Von: Beatrix Oprée
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Rund einen halben Meter dick: Der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda beschreibt, wie die Brückenplatte verankert ist. Foto: Beatrix Oprée
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Draufgelegt: Die alten Sockellager, auf denen die andere Brückenseite ruht, werden durch Spezialbeton- und Elastomerlager ersetzt.

Herzogenrath. Nicht nur jede Menge Bahnbrücken sind marode, auch an vielen überspannenden Bauwerken über die Bahn hinweg hat der Zahn der Zeit genagt. Neue Wege sind deswegen in den kommenden Monaten in Herzogenrath angesagt:

 Wer mit dem Pkw von Klinkheide oder Forensberg Richtung Aachen oder Herzogenrath steuern möchte, muss zurzeit einen Umweg in Kauf nehmen. Wie wichtig Nadelöhre wie die Forensberger Brücke sind, wird erst offenbar, wenn die Verbindung gekappt ist. Pkw- und Lkw-Verkehre – rund 4000 Fahrzeuge pro Tag – werden über die Honigmann-, Raiffeisen- und Mühlenstraße umgeleitet, morgendliche Staus sind da kaum zu vermeiden. Momentan dürfen nur Fußgänger und (abgestiegene) Radfahrer die 1960 errichtete Brücke passieren. Die Zufahrt zum Wohngebiet Maria-Montessori-Straße und den Sportanlagen Forensberg bleibt frei.

Routinemäßige Kontrollen

Bei routinemäßigen Kontrollen – dazu werden regelmäßig externe Sachverständige beauftragt – war aufgefallen, dass die Verankerungen der 36 stählernen Spannstäbe über den Bahnkörper hinweg Korrosionen aufwiesen, die nun entsprechend behandelt worden sind. Die 50 bis 57 Zentimeter dicke, 38 Meter lange und 15,5 Meter breite Brückenplatte ruht auf zwei links und rechts der Gleise errichteten Betonscheiben, ist zur Mühlenstraße hin verankert und liegt auf der Gegenseite auf sechs Lagersockeln. Diese Sockel werden ebenfalls erneuert, durch Spezialbeton- und Elastomerlager, wie Ragnar Migenda, Technischer Beigeordneter der Stadt Herzogenrath, erläutert. Die Brückenplatte wird dazu mittels Hydraulikstempel angehoben. Auch die Dehnungsfuge wird der aktuellen Technik angepasst.

Im Laufe der Zeit war Feuchtigkeit durch die Isolierung gesickert, die vor Jahrzehnten lediglich durch verschweißte Teerpappe angelegt worden war. Diese wird ersetzt durch hochelastische Polymerbitumen-Schweißbahnen mit Mehrkomponenten-Kunstharzabdichtungen. Die Arbeiten umfassen zudem neue Aufkantungen mit Geländern und Berührungsschutz-Vorrichtungen, damit niemand an die Oberleitungen der Bahn gelangen kann. Um das Regenwasser gezielt abfließen lassen zu können, werden zwei neue Straßeneinläufe eingebaut und die Regenrinne erneuert, die in den städtischen Kanal führt. Eine neue – geräuschdämmendere – Straßendecke rundet die Arbeiten ab.

Die Brücke war ursprünglich Eigentum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Durch Runterstufung der Forensberger Straße von einer Land- zur Kommunalstraße ging sie 1988 in die Zuständigkeit der Stadt Herzogenrath über. „Dem würde man heute wohl nicht mehr so ohne weiteres zustimmen“, schätzt Ragnar Migenda. „Brücken bedeuten immer viel Arbeit und Kosten. Damals war das aber aus der gesetzlichen Gesamtsituation heraus nicht anders möglich.“ Der Finanzbedarf für die Maßnahmen ist auf rund 700 000 Euro veranschlagt worden. Für eine komplette Sanierung reicht das nicht, nur die wesentlichen Mängel werden behoben. Rund 80 Jahre soll eine Brücke halten, demnach betrüge die Restlebenszeit in diesem Fall 28 Jahre. Migenda: „Ob wir die erreichen, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Dazu wären wesentlich umfangreichere Sanierungsmaßnahmen erforderlich.“ Unter anderem hätten die Spannstähle im einzelnen untersucht und gegebenenfalls saniert werden müssen. Auf alle Fälle aber werde die Sicherheit wieder hergestellt. Die Statik der Brücke wird künftig überwacht, unter anderem durch Sensoren, die mit der Zentrale einer Fachfirma vernetzt sind. Zudem nehmen Vermessungsingenieure das Bauwerk in regelmäßigen Abständen unter die Lupe. „Damit haben wir einen guten Kompromiss gefunden zwischen dem, was sanierungstechnisch erforderlich, technisch-handwerklich umsetzbar sowie wirtschaftlich darstellbar ist und gleichzeitig die nötige Sicherheit gewährleistet“, sagt Migenda.

Die Bauarbeiten hatten schon 2013 beginnen sollen, passten da aber nicht in den Zeitplan der Bahn AG. Ende August soll die Bahnüberführung wieder für den Autoverkehr freigegeben werden.

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