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Würselener Volkstheater inszeniert „Fraulü op Strööef”

Von: Elisa Zander
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Bank überfallen - und nun? Die drei Frischlinge unter den Ganoven Jacqueline, Hedi und Lissi brauchen erst mal einen Masterplan. Foto: Elisa Zander

Würselen. Was macht man wohl mit zwei Millionen Euro? Man könnte einen Urlaub machen, teuren Schmuck kaufen, ein Haus bauen - oder man überlegt wie Lissi Habermiehl: Sich liften lassen, Schlankheitskuren durchführen und Callboys engagieren.

Doch sie kommt schnell selbst zu der Einsicht, dass diese Ideen wohl noch mit der Euphorie und dem Adrenalin des just vorausgegangenen Bankraubs in Verbindung stehen. A

ls Lissi Habermiehl (Hilde Römer) über Verwendungsmöglichkeiten sinniert, weiß sie noch nicht, dass ihr schön organisierter und gelungener Diebeszug mit Freundin Jacqueline (Nadine Schröder) und Hedi Konzen (Gisela Schröder) ein polterndes Nachspiel haben wird...

Es dauerte keine 20 Sekunden, und schon ging es rund auf der Bühne des Würselener Volkstheaters, das mit seinem Stück „Fraulü op Strööev” Premiere feierte. Umgeworfene Blumenvasen, durchgedrehte Fraulüü, die nicht wissen, wohin mit dem geklauten Geld und sich gegenüber den Männern im Haus rechtfertigen müssen, warum die Müllsäcke neurdings keinesfalls in die Tonne geworfen werden dürfen.

Zu allem Überfluss ist auch noch Komplizin Hediwährend in der Bank vergessen worden. Dabei wollten die drei Damen eigentlich nur die Geldsorgen der Familie in den Griff kriegen...

Vier Monate hat das Ensemble geprobt, kurz vor der Erstaufführung sogar täglich. „Wir wollten ja, dass alles glatt über die Bühne geht”, erzählt Gisela Schröder, Vorsitzende des Würselener Volkstheaters. Aufgeregt ist sie selbst kurz vor der Aufführung nicht - „aber ich komme auch nicht dazu”, lacht sie, da ständig neue Fragen auftauchen. Aber das sei normal, so unmittelbar vor einer Premiere.

Nicht abgegriffen

Mit dem diesjährigen Theaterstück ist dem Verein etwas gelungen, das nur wenige Laientheater schaffen, nämlich ein Stück zu finden, dass nicht abgegriffen ist und nicht die ewig gleichen Pointen bringt. „Wir wollten schon immer einen Krimi spielen”, erinnert sich Gisela Schröder. Doch ein entsprechendes Stück und dann auch noch in Mundart zu finden, sei beinahe unmöglich.

„Die meisten Stücke kommen aus dem südlichen Raum, spielen in Landhausidylle, und es geht in der Regel um Erbstreitereien”, erzählt die Laienschauspielerin. Umso erfreuter war das Ensemble, als sie auf die Vorlage zum aktuellen Stück stießen.

„Die Geschichte hat Pepp, ist neu und natürlich lustig”, verrät Schröder. Wochenlang wurde das Stück überarbeitet und in Mundart übersetzt, bevor es im Juli bei der Leseprobe den Spielern übergeben werden konnte.

„Das ist eine Menge Arbeit”, sagt Gisela Schröder, „denn wir haben hier im Platt spezielle Ausdrücke, die immer eingearbeitet werden müssen.” Etwa „dubbele oder vöilmols Merci” anstelle eines „Danke”.

Übrigens tauchte die dritte Räuberin im Bunde, Hedi, auch wieder auf - und beschwert sich, dass ihre Kumpaninnen mit dem Fluchtauto nicht auf sie gewartet hätten. Schließlich habe sie mal eben flott „wohin gemusst” und übers Zeitungslesen auf der Toilette eben die Zeit vergessen.

Gute zwei Stunden unterhielt das Ensemble die Zuschauer im ausverkauften Saal des Kulturzentrums Altes Rathaus. Da macht das Spielen dann auch besonders viel Spaß, wie Vorstandsmitglied Hans Schröder feststellt: „Man spielt ja nicht für sich allein, sondern für und mit dem Publikum.”

Und das war begeistert von der Geschichte, der künstlerischen Umsetzung durch die Schauspieler und auch von dem Bühnenbild. Sogar eine ganze Küchenzeile hatte der Theaterverein auf die kleine Bühne montiert. Die kam leihweise aus dem Möbellager der Caritas, mit der der Verein seit vielen Jahren eng und durch Spenden unterstützend zusammenarbeitet.

Ob die drei Damen indes die geklauten zwei Millionen Euro einem guten Zweck zukommen lassen, das kann noch bei diversen weiteren Aufführungen herausgefunden werden...
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