Würselener Tafel schlägt Alarm wegen wachsender Armut

Von: ehg
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Zumindest einmal am Tag satt essen: Für immer mehr Kinder in - auch wegen Armut - zerrütteten Familien ist dies nicht mehr selbstverständlich. Auch gesunde Nahrung kommt lange nicht überall auf den Tisch.

Würselen. Armut ist schon lange kein gesellschaftliches Randproblem mehr, erst recht mit Blick auf die weltweite Wirtschaftskrise. Auch in Würselen trifft sie Menschen aus unterschiedlichen Gründen, darunter immer mehr Kinder.

Davon wissen die Mitglieder der „Tafel” aus eigener Anschauung zu berichten. Da das Problem auf den Nägeln brennt und nicht weiter gewartet werden könne, bis die Politik die Initiative ergreife, hat die „Tafel” mit Vorsitzendem Jürgen Hohlfeld das Heft in die Hand genommen und alle Vereine, Organisationen und Institutionen, die mit dem Thema befasst sind, an einen Tisch geholt.

32 Ehren- und Hauptamtler aus 19 verschiedenen Organisationen kamen zum „Würselener Sozialgipfel”, um sich vier Stunden lang Gedanken darüber zu machen, wie die aktuellen Probleme gemeinsam effektiver bewältigt werden können. Hohlfeld war hocherfreut über das große Interesse.

Das Problem wurde unter verschiedenen Aspekten - etwa Armut älterer Menschen, Armut in der Familie oder Armut bei Migranten - in wechselnd besetzten Gruppen analysiert. Damit der Gipfel keine Eintagsfliege bleibt, wurde beschlossen, zweimal im Jahr am „Runden Tisch Armut” den Erfahrungsaustausch fortzuführen.

Gemäß dem Beispiel der Stadt Aachen ist eine Informationsbroschüre in Planung, die in Armut geratenen Menschen in der Stadt an die Hand gegeben werden kann, um ihnen die diversen Hilfemöglichkeiten aufzuzeigen. Hier sollen sich alle Vereine, Organisationen und Institutionen vorstellen, die mit Armut befasst sind.

Drei Ehrenamtler machten sich dafür stark, eine Ehrenamtsagentur ins Leben zu rufen. Menschen, besonders Rentnerinnen und Rentner, die ausreichend Zeit haben, sollen motiviert werden, sich zur Linderung von Armut einzubringen. Hohlfeld: „Wir suchen in der Tafel auch noch nach Helferinnen und Helfern, unter anderem zur Einrichtung eines Bringdienstes für ältere hilfsbedürftige Menschen.”

Kochkurse für Tafelkunden

Herangezogen werden sollen für diesen Dienst möglicherweise auch Schülerinnen und Schüler. Da sich in der Tafel als Problem herausgestellt habe, dass viele Kunden das angebotene Gemüse oder auch andere frische Nahrungsmittel nicht zubereiten können, werden ab September vier Kochkurse, jeweils am ersten Donnerstag im Monat, in der Küche der Realschule angeboten, unter Leitung von Christa Ross.

Konkrete Forderungen formulierte der Sozialgipfel an die Politik. Hohlfeld: „Da arme Menschen sozial isoliert sind, brauchen sie einen Ort der Begegnung.” Deshalb solle aus dem Bahnhof ein Bürgerhaus gemacht werden, wo sich Alt und Jung zu zivilen Preisen versammeln können. Alle sozialen Einrichtungen in der Stadt wünschten sich größere Aufmerksamkeit von Seiten der Kommunalpolitiker.

Sie fühlen sich - so hieß es - weitgehend mit ihren Problemen allein gelassen. Außerdem möchten sie sich in wechselnden Ausstellungen im Rathaus-Foyer und auf der Internetseite der Stadt präsentieren können. Schließlich gab es noch die Forderung nach ganztägiger Betreuung für sozial schwache Kinder, samt Zugang zu Freizeitmöglichkeiten.
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