Würselen - Würselener Tafel hat eine neue Adresse

Würselener Tafel hat eine neue Adresse

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Die Ausgabetheke ist vorbereitet: Nun warten Liesel Steinbusch, Karin Pütz, Ursula Best und Ricarda Poqué (von rechts) auf die ersten Kunden in den Räumen der neuen Tafel. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. Die Wände sind gelb, die neuen Stühle rot und die Auslagen im Verkaufsraum gefüllt mit den Lebensmitteln, die in Supermärkten übrig geblieben waren. In neuen Räume ist die Würselener Tafel jetzt offiziell präsent.

250 Quadratmeter sind in der Aachener Straße 83-85 hergerichtet worden. Der Andrang am Eröffnungstag war groß. Wie erwartet, denn 750 Kundenausweise sind bereits ausgestellt und es werden immer mehr. „Ich werde nur noch bis August kommen dürfen. Dann verdiene ich so viel Geld, dass mir kein Zuschuss von der Tafel mehr gewährt wird“, sagt Olga. Die 28-Jährige erhält Bafög während sie eine schulische Ausbildung zur Erzieherin macht. „Aber das Geld reicht nicht, um zu leben“, sagt die gebürtige Ukrainerin, die seit September 2003 in Deutschland lebt. An der Kasse der Tafel zahlt sie 4,80 Euro für zwei große Einkaufskörbe voll Obst und anderen Lebensmitteln. Bei den Kartoffeln hatte sie Glück, zu den ersten Kunden zu gehören. „Wir hatten sehr viele faule Kartoffeln bekommen“, sagt Ursula Best, 2. Vorsitzende der Tafel. Also wurde aussortiert und am Ende blieben bloß sechs Beutel übrig. Viel zu wenig für die 96 Kunden an diesem Tag. Auch sonst herrscht Mangel: Nur ein knappes Kilo Schmand ist da und nicht viel Brot.

„Wir halten die Tafel für einen Notnagel für eine verfehlte Sozialpolitik. Deshalb wären wir froh, wenn sie bald überflüssig wäre“, sagt der Würselener Tafel-Vorsitzende Jürgen Hohlfeld.

Große Hilfsbereitschaft

Er habe sich über die große Hilfsbereitschaft der Würselener gefreut, als die Tafel umziehen musste. „Da hat uns ein ortsansässiger Glaser eine große Glasscheibe für einen Euro eingesetzt und bei der Rechnung die 19 Prozent Mehrwertsteuer nicht vergessen“, freut sich Hohlfeld über die Fairness des Unternehmers. Auch die junge Feuerwehr half beim Umzug und die Kommunale Dienstleistungsgesellschaft Würselen stellte Autos kostenlos für den Umzug zur Verfügung. „Das gegenseitige Helfen funktioniert in Würselen. Das ist wunderbar“, urteilt der Vorsitzende. Er ist überzeugt, „dass die Menschen, die bedürftig sind, bei der Tafel eine Umgebung finden, die ansprechend ist“.

So wird besonders die Cafeteria vor und während der Verkaufszeiten dienstags und freitags von 14 bis 17.30 Uhr zu einem sozialen Treffpunkt. „Unsere Cafeteria ist oft für unsere Kunden die einzige Möglichkeit, der sozialen Isolation zu entkommen“, weiß Hohlfeld. „Wenn erst Mal kein Geld da ist, kann man nicht mehr zu einem schnellen Kaffee in die Bäckerei, nicht mehr ins Kino, nicht mehr an sportlichen Events teilnehmen.“

Etwa zehn Prozent

Bei der Tafel kosten Lebensmittel etwa zehn Prozent des Warenwertes, den sie im Supermarkt kosten. Das können die Bedürftigen sich leisten. Olga ist immer gerne zur Tafel gekommen, „weil die ehrenamtlichen Mitarbeiter sehr nett sind. Sehr respektvoll“. Am Eröffnungstag gab es sogar Blumen. Fair gehandelte Rosen. Für ganz wenig Geld.

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