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Würselener Förderschule vor dem Aus

Von: Georg Pinzek
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Die Albert-Schweitzer-Förderschule hat keine Zukunft: Diskutiert wird die Schließung schon zum kommenden Schuljahr. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Gar keine Frage: Die Albert-Schweitzer-Schule in Broichweiden leistet seit Jahren eine enorm wertvolle Arbeit für Kinder, die beim Lernen, bei der emotionalen und sozialen Entwicklung oder bei der Sprache dringend Förderung brauchen. Für die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien ist das ein Segen.

„Unsere Schule ist ein Haus – nicht nur architektonisch gesehen. Bei uns besteht es aus Leben und Erleben, aus Lernen und Lehren, aus Bewegung und Gestaltung, aus Miteinander und Füreinander, aus Träumen und Hoffnungen und aus vielen, vielen Wünschen“, heißt es einleitend im Schulprogramm. Doch die Zukunft dieses Schulhauses sieht gar nicht gut aus.

Auslaufende Schließung möglich

Der Bildungsausschuss berät am Dienstag, 18. November, 17.30 Uhr, im Rathaus über die Auflösung und Schließung der Albert-Schweitzer-Schule schon zu den nächsten Sommerferien. Die Verwaltung unterbreitet als Beschlussvorschlag: „Der Bildungsausschuss empfiehlt dem Rat, die Schule mit Ablauf des Schuljahres 2014/15 zu schließen und beauftragt die Verwaltung in Benehmen mit dem Schulleiter die Übergänge der Schülerinnen und Schüler in wohnortnächsten Förderschulen oder allgemeinen Schulen zu begleiten.“

Zwar kann die Albert-Schweitzer-Schule die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschülerzahl nicht mehr vorweisen, doch verlangt das Schulgesetz nicht die umgehende Schließung der Schule. Sie könnte wohl auch auslaufend geschlossen werden. Den betroffenen Albert-Schweitzer-Schülern bliebe der kurzfristige Wechsel zu benachbarten Schulen mit eventuell auch weiteren Schulwegen erspart. Für die klamme Stadtkasse bedeutet das jedoch eine stärkere finanzielle Belastung.

Die Verwaltung liefert Hintergründe zur geplanten Schließung: Die Bundesrepublik habe 2009 die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert und damit das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderung in einem inklusiven Bildungssystem festgeschrieben. 2013 habe der Landtag das „1. Gesetz zur Umsetzung der Vereinten-Nationen-Behindertenrechtskonventionen“ beschlossen. Damit sei das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung zum gesetzlichen Regelfall erklärt worden.

Eltern hätten aber weiterhin das Recht zu wählen, ob ihr Kind an einer allgemeinen oder einer Förderschule beschult werden soll. In der Regel sollten künftig sonderpädagogische Förderung in der allgemeinen Schule stattfinden, auch wenn weiterhin Förderschulen als Orte der sonderpädagogischen Förderung bestehen bleiben sollten.

Hohe Investitionen nötig

Die Schulaufsicht benennt in Abstimmung mit dem Schulträger mindestens eine allgemeine Schule, die für das gemeinsame Lernen personell und sächlich ausgestattet ist. Allerdings seien Mindestgrößen für die Förderschulen festgelegt worden. So bräuchten selbst Förderschulen im Verbund als Schulen mit mehreren Förderschwerpunkten mindestens 144 Schülerinnen und Schüler. Im begründeten Fall könne mit Genehmigung der oberen Schulaufsichtsbehörde eine Förderschule als Teilstandort in zumutbarer Entfernung geführt werden. In diesem Fall sei am Teilstandort mindestens die Hälfte der genannten Schülerzahl, also 72 erforderlich.

Die Albert-Schweizer-Schule besuchen zum Stand 15. Oktober aber nur noch 64 Schülerinnen und Schüler. Im Schuljahr 2009/10 waren es noch 91 Schüler.Die Verwaltung stellt fest: „Damit lässt die Mindestgrößenverordnung die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern zum Schuljahr 2015/2016 nicht mehr zu. Die Albert-Schweitzer-Schule kann mit Ende des Schuljahres 2014/2015 oder auslaufend geschlossen werden.“

Für den Fall der Schließung nach Ablauf des laufenden Schuljahres bestehe eine Aufnahmeverpflichtung der Wohnort nächstgelegenen Förderschulen in Alsdorf oder Herzogenrath. Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse könnten, wenn dies seitens der Eltern gewünscht ist, in allgemeinen Schulen beschult werden.

Auf dringend erforderliche Investitionen in das Schulgebäude könnten bei einer Schließung verzichtet werden. Auch die Betriebskosten für das Gebäude sowie die Personalkosten der Schulsekretärin und des Hausmeisters würden ab Schuljahresende entfallen.

In der Förderschule am Helleter Feldchen in Broichweiden wurde im Sommer 2013 die Elektroinstallation, die aus den 60er Jahren stammte, samt Stromverteiler für 116.000 Euro erneuert – aus Sicherheitsgründen. Ein Ingenieur-Büro hatte einen Bedarf für die Komplettsanierung des Gebäudes seinerzeit mit über 400 000 Euro berechnet.

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