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Kunstprojekt „Engel der Nationen“ wird zur eindringlichen Mahnung

Von: ehg
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Die Symbole der Religionen bilden einen Friedensengel: Auch Kindergartenkinder gestalteten das Fest der Nationen in der Würselener Innenstadt mit. Foto: Wolfgang Sevenich
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Wunschzettel für eine friedvolle Welt: Die Menschen müssen zusammenrücken, so wie bei der Auftaktveranstaltung im Würselener Rathaus.

Würselen. Das von den Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten unter der Schirmhaft von Bürgermeister Arno Nelles im Juni ins Rollen gebrachte Kunstprojekt „Engel der Nationen“ zur Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs ist in einen Festtag der Kulturen gemündet.

Überschattet wurde die Aktion jedoch von den hinterhältigen Terror-Attacken am Tag zuvor in Paris, die Nelles aufs Schärfste verurteilte und für deren Opfer er beim Auftakt im Sitzungssaal des Rathauses eine Schweigeminute einlegte. Bei all dem Pessimismus, der derzeit in der Welt herrsche, freute er sich, zahlreiche junge Menschen, „Hoffnungsträger der Zukunft“, begrüßen zu können. „Wir müssen Chancen suchen und nicht die Bedrohungen“, mahnte er zum Schulterschluss aller gesellschaftlichen Gruppen unterschiedlichster Kulturen. Eine glückliche Zukunft wünschte er allen Menschen „dieser einen Welt“.

80 Städte bereits eingebunden

Wie die Künstler darlegten, übersetze der „Engel der Kulturen“ den von verschiedenen Gruppen und Religionsgemeinschaften geführten Dialog in ein klares Bild und rege zum gesellschaftlichen Handeln an. Der Mittelpunkt der rollbaren Metallskulptur zeigt die Gestalt eines Engels. Ein „Band des Friedens“ sollen die damit verbundenen Projekte knüpfen. Bereits über 80 Städte wurden eingebunden, von Istanbul bis Hamburg, von Brüssel bis Sarajewo. Bürgermeister Nelles dankte dem Künstler-Ehepaar dafür, dass die 1,50 Meter große Skulptur an diesem traurigen Festtag symbolträchtig von Station zu Station durch die Stadt Würselen gerollt wurde.

Es habe in den vergangenen Jahrzehnten weltweit viele spaltende Ereignisse gegeben, erklärte Carmen Dietrich den Beweggrund für ihr großartiges Projekt. Dass das Misstrauen allen Zugewanderten gegenüber wachse, sei in der globalisierten Welt ein Desaster.

Bei der Entwicklung eines Zeichens hätten sie sich auf die Symbole der den europäischen Kulturraum prägenden Weltreligionen – Judentum, Christentum und Islam – konzentriert. Den Davidstern, das Kreuz und den Halbmond setzten sie zeichnerisch in Beziehung. Erst nach Tagen hätten sie – so erklärte die Künstlerin – entdeckt, „dass diese Formation die Gestalt eines Engels oder auch einer Friedenstaube visualisiert“. Einfach und verständlich werde so deutlich, „dass die Angehörigen der verschiedenen Kulturen sich gegenseitig ergänzen und bereichern und nur in Frieden eine positive Zukunft für alle gestalten können. Eine Zukunft, in der wir uns gemeinsam für eine gerechte und auch für spätere Generationen noch lebbare Welt einsetzen.“

Am Ort der in Dresden verlegten Intarsie seien sie Menschen begegnet, die ungehemmt ihre Wut auf die Flüchtlingspolitik zum Ausdruck gebracht hätten. „Dennoch überwiegen auch hier die Menschen, die den Flüchtlingen mit Empathie und Fürsorge begegnen. Sie sind nur nicht so laut!“ Sich auf eine neue Realität einzustellen, deren Herausforderungen nur gemeinsam bewältigt werden können, appellierte die Künstlerin. Im Gedenken dieser Verantwortung brachten Carmen Dietrich und Gregor Merten, unterstützt von Jürgen Hohlfeld vom Arbeitskreis Asyl und Pfarrerin Dorlis Alders, das Engelrad auch in Würselen ins Rollen. Dieses Rad hat keine Nabe, es ist ohne Achse, die Mitte bildet eine geistige Haltung, den Willen zu Frieden und Erhalt der Schöpfung in der einen Welt. Carmen Dietrich: „Wir sind es, die sich in Bewegung setzen müssen, um Mauern der Vorurteile in Brücken des Dialogs und des gegenseitigen Verständnisses umzubauen.“

Und farbenprächtig gestaltet wurde die Auftaktveranstaltung. Jiddische Musik intonierte das „Lucitones“-Quartett. Der Mittelstufenchor des Heilig-Geist-Gymnasiums stimmte unter Leitung von Martin Busch, begleitet von Torsten Krause, besinnliche Folkmusik an. Kinder des Städtischen Familienzentrums „Lebensspielraum“ begeisterten mit einem Lied in vielen Muttersprachen. Ihre Darbietung rund um den Globus mit Wunschzetteln für eine friedlichere Welt war ein multikulturelles Erlebnis über die Grenzen hinweg.

Dann setzte sich die rollende Skulptur von Station zu Station – zwölf an der Zahl – durch die Innenstadt in Bewegung. An jeder Station wurde der Demonstrationszug nicht nur herzlich aufgenommen. Es gab dort auch Beiträge zum Festtag der Nationen. Immer wieder neu thematisiert wurden dabei die schrecklichen Ereignisse in Paris. Nachdem die rollende Skulptur in der Kunstakademie und am Städtischen Gymnasium eingekehrt war, ging es zur Martin-Luther-Kirche. Längere Wegstrecken brauchte es zur Moschee in Schweilbach und zurück zum Asyltreff an der Kaiserstraße, wo der HGG-Oberstufenchor zwei Lieder zu Gehör brachte.

Bodenintarsie verlegt

Es folgten die ehemalige Synagoge auf dem Lindenplatz, die DRK-Kindertagesstätte Im Winkel, die Einrichtung „offen begegnen“ im Alten Bahnhof und das Euregio-Kolleg. Nach St. Sebastian und der Stadtbücherei wurde der Morlaixplatz erreicht, wo eine Bodenintarsie, unter schwierigen Bedingungen am 5. November in Dresden entstanden, als Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fundamentalismus verlegt wurde. Hergestellt wurde auch eine weitere Intarsie, die in der nächsten Projektstadt eingelassen wird.

Einen letzten Höhepunkt erreichte der Festtag im Forum des Euregio-Kollegs. Unter anderem rezitierte Aaron Ostwald, Schüler des Städtischen Gymnasiums, selbst verfasste Gedichte.

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