Alsdorf - Wohnwagen für rauchende Gäste

Wohnwagen für rauchende Gäste

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
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Trocken und warm: Gastwirt Irvan Karakavuz (r.) lädt seine Gäste ein, ihre Zigaretten im Wohnwagen, nur gut einen Meter vor der Kneipentür, zu rauchen. Foto: Holger Bubel
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„Erst brachten die Türken den Döner, dann den ersten deutschen Rauchwohnwagen“: Mit dieser Verheißung wirbt Irvan Karakavuz für sein Raucherdomizil vor der Kneipe.

Alsdorf. Werden zukünftig Gaststätten und Restaurants gleich mit einem Wohnwagen vor der Tür verpachtet? Hört sich abwegig an, ist aber gar nicht so völlig aus der Luft gegriffen, wie es zunächst scheint.

Zumindest könnte der Passant sich schon bald daran gewöhnen, dass solche eigentlich für den Campingurlaub gedachten Unterkünfte vis-à-vis gastronomischer Betriebe in vermehrter Zahl aufgestellt sind.

Vorreiter dieser Idee, die als Antwort auf das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz verstanden sein will, wäre dann Irvan Karakavuz. Der türkischstämmige Wirt hat nun im Sinne seiner Kundschaft gleich vor seiner Gaststätte „Zum Bügeleisen“ an der Broicher Straße in Alsdorf einen Wohnwagen aufgestellt, in dem Raucher ihrer Leidenschaft nachgehen können. „Jetzt im Sommer wäre das ja eigentlich auch vor der Tür gegangen. Aber es hat vermehrt Anwohnerbeschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben. Da musste ich was tun“, sagt der erfahrene Gastronom und einstige Betreiber der legendären Gaststätte „Groß Alsdorf“, die er 13 Jahre lang an der Bahnhofstraße betrieb.

Sitzgelegenheit und Aschenbecher

Das Rauchverbot hat ihn – wie die meisten Gastwirte nun auch erkennen müssen – schwer getroffen. „Umsatzeinbußen bis 50 Prozent“, beziffert er den ökonomischen Schaden durch das Nichtraucherschutzgesetz der rot-grünen Landesregierung für seine Kneipe. „Anfangs“, sagt Karakavuz, „haben wir alle die Absichten der Politiker für irre gehalten. Aber die haben das durchgezogen. Und jetzt stehen wir da.“

Die Raucher zum Qualmen überhaupt auf die Straße zu bewegen, das sei schon ein Kraftakt gewesen, sagt Karakavuz. Dass es dann nach dem einen oder anderen Bier auf dem engen Bürgersteig vor der Kneipe laut werden würde, war abzusehen. Und: „Wir haben bis morgens sieben, acht Uhr geöffnet. Da geht es schon mal hoch her“, räumt Irvan Karakavuz ein. „Die Polizei kam häufig, und das Ordnungsamt hat mich ins Rathaus zitiert und mir ordentlich die Leviten gelesen.“ Findigkeit war gefragt.

Mancher Wirt hat die logistischen Voraussetzungen, um hinter dem Haus einen Pavillon zu errichten, andere erweiterten ihr gastronomisches Angebot um eine mit Sonnenschirmen überdachte Terrasse zur Straße hin. Das alles geht an der engen Broicher Straße nicht. Dann kam Irvan Karakavuz die Idee mit dem Wohnwagen: „Darin ist es trocken und im Winter schön warm. Es gibt Sitzgelegenheiten und Aschenbecher.“ Die Getränke müssen die Raucher allerdings aus der Gaststätte den einen Meter Distanz zwischen Kneipentür und Wohnwagen mit rübernehmen. Denn der Ausschank im Campingmobil ist verboten.

Ohne Ausschank ist er jedoch ein privater Raum, bietet sozusagen eine geschlossene private Gesellschaft. Und einen Wohnwagen darf man einfach so auf einer als Parkscheiben pflichtigen und so auch ausgewiesenen Bucht abstellen? „Als Eigentümer und Anwohner darf ich das 14 Tage lang“, erklärt Irvan Karakavuz. Nach den zwei Wochen bockt er den einachsigen Wohnwagen ab, fährt ein Ründchen die Broicher Straße entlang und stellt dann das Raucherdomizil wieder auf.

Wenn die Idee einschlägt, könnte es schon bald Nachahmer geben – was den Wirt des „Bügeleisens“ freuen würde. „Dann heißt es nicht nur, dass die Türken den Döner nach Deutschland importiert haben, sondern auch den ersten deutschen Raucherwohnwagen“, lacht Irvan Karakavuz verschmitzt.

Auf Anfrage bestätigt Frank Dohms, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes Alsdorf, Kenntnis vom Raucherwohnwagen zu haben: „Wenn dieser angemeldet ist und dort kein Ausschank stattfindet, ist erstmal aus ordnungsamtlicher Sicht nichts dagegen einzuwenden.“ Erstmal – denn ob das auf Dauer gutgeht, da ist sich Frank Dohms nicht sicher. Wegen der Nutzung des öffentlichen Verkehrsraumes könnte der Campingwagen nämlich einer Sondernutzung unterliegen. „Eine ideale Lösung ist das nicht. Das könnte wieder Ärger geben“, befürchtet Dohms. „Wir werden das beobachten.“

Dohms weiß, wie schwer es die Gastronomen bei der Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes haben: „Mancher Wirt lässt seine Gäste im privaten Keller rauchen, oder in der Wohnung. Auch dort gilt aber: kein Ausschank.“

Eine weitere Beobachtung hat der Mann vom Ordnungsamt gemacht: Die Solidarität der Wirte untereinander scheint zu bröckeln, eine Art Denunzierungswelle überschwappt offensichtlich die Kneipenlandschaft: „Wir bekommen aus den Reihen der Gaststätteninhaber jetzt häufig Hinweise, dass einige Wirtskollegen dem Gesetz nicht folgen. Bislang haben sich diese Vorwürfe aber bei Kontrollen in keinem Fall bestätigt.“

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