Wo ist Provinz, wo Metropole?

Von: Ilona Rütten-Sieben
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Freuen sich über die gute Resonanz der Ausstellung: (v.l.) Professor Bernd Mathieu, Städteregionsrat Helmut Etschenberg, Dr. Nina Mika-Helfmeier und Bürgermeister Alfred Sonders. Foto: Ilona Rütten-Sieben

Alsdorf. 1400 Kilometer durch alle zehn Gemeinden der Städteregion hat der renommierte Essener Künstler Andreas Weinand im Sommer 2008 zurückgelegt. Innerhalb von 18 Tagen hat er dort 113 Filme à zehn Aufnahmen belichtet.

Eine Auswahl dieser Bilder ist noch bis zum 7. Mai auf der Galerie der ersten Etage des Alsdorfer Rathauses unter dem Titel „Stadt-Land-Mensch - eine photographische Annäherung an die Städteregion” zu sehen. Schon bei der Eröffnung war das Interesse groß.

Neben Städteregionsrat Helmut Etschenberg und der Aachener Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer waren viele weitere Stadtoberhäupter der Einladung des Alsdorfer Bürgermeisters Alfred Sonders gefolgt. „Diese Ausstellung ist eine Chance, den technokratischen Begriff der Städteregion mit Leben zu erfüllen”, kennzeichnete Etschenberg die Präsentation als absolut gelungen.

Rund 50 Werke sind es, durch die Weinand einen bunten und vielfältigen Eindruck des Gemeindeverbunds präsentiert. Beschauliche Landschaften sind zu sehen, aber auch ein „Dorf Imbiss” mit europäischer Beflaggung oder etwa ein schneeweißer Hund, der an der Leine seines unsichtbaren Herrn aufmerksam aus dem Bild blickt. Zwei ältere Damen hat der Fotograf eingefangen, mit nachdenklichem Gesichtsausdruck auf einer Bank sitzend. Überwiegend sind es Portraits, die der Künstler auf großformatiges Fotopapier gebannt hat: ein Vater mit seinem Sohn etwa, eine elegant behütete Dame, Nachbarn beim Plausch durch ein geöffnetes Fenster, Menschen unterschiedlicher Nationalitäten.

„Weinands künstlerisch-dokumentarische Fotografie steht für eine persönliche Reflexion menschlicher Lebensweisen”, schilderte Alfred Sonders den Anspruch des Künstlers, Menschen und Orten offen zu begegnen, sich ohne Vorurteile auf sie einzulassen. Mit dem Projekt „Stadt-Land-Mensch” möchte das Kunst- und Kulturzentrum Monschau, das das Projekt unter Leitung von Dr. Nina Mika-Helfmeier ins Leben gerufen hatte, mit den Menschen in der Region in einen Dialog über die Bildung von Identität in der Städteregion treten. Ganz wesentlich, sagte Sonders, sei dabei auch die Frage, wer diese Identität formuliere.

Ist Aachen die Metropole der Städteregion und die anderen Kommunen im Verbund lediglich die Provinzen? Oder ist vielleicht sogar Alsdorf die Metropole und Aachen Provinz? Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur der Tageszeitungen, gab Impulse und Denkanstöße zum Thema Städteregion und regionale Identität. „Die Dominanz des Zentrums ist nicht immer zielführend - die Kirchturmpolitik der Provinz nicht das Ideale.” Der Gemeindeverband sei eine sich gegenseitig belebende Verbindung, die nicht nur aus Institutionen bestehe, sondern aus einer grandiosen Komposition von Menschen und Landschaften. „Die Städteregion ist das, was wir daraus machen -kreativer Unternehmensgeist oder gleichgültige Lethargie”, stellte Mathieu klar. Als wichtigen Aspekt hob er mit Blick auf den Titel der Ausstellung die Annäherung an die Städteregion hervor: Diese setze voraus, dass sich die Menschen auf sie einlassen würden.

Nina Mika-Helfmeier entdeckte gleich ihr Lieblingsbild bei den als Wanderausstellung konzipierten Fotografien wieder: ein ausgestopfter Fasan und ein Strauß Plastikröschen vor Gardinen in einem Fenster mit Alurahmen, garniert mit bunten, aus Tonpapier geschnittenen Tulpen. Über allem schwebt ein fröhliches Marienkäferpärchen. „Hier werden keine Hochglanzbilder gezeigt, sondern die Banalitäten des Alltags”, kommentierte sie.
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