Wo aus Bibliothekaren Journalisten werden

Von: Stefan Schaum
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Viel Platz für Themenvielfalt: Bei ihrer Schülerzeitung setzen die Realschüler nicht bloß äußerlich auf Großformat. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Modern ist anders. Wenn das Schülerzeitungsteam an der Ofdener Realschule loslegt, spielen Computer und Grafikprogramme bei der Gestaltung keine Rolle. Stattdessen werden Texte und Bilder mit Teppichmesser, Lineal und Schere in Form gebracht und auf Seiten geklebt.

Zeitungsarbeit aus einer ganz anderen Zeit. Die erledigen 15 Teenager von heute, die voll in der Sache aufgehen. „Zeitungmachen”, sagt der 16-jährige Chefredakteur Max Schlösser, „ist wirklich super!”

Damit hat er nicht gerechnet. Als die Jugendlichen zu Beginn des Schuljahres in der Bibliotheks-AG gestartet sind, ging es zunächst nämlich bloß darum, die gut 3000 Bücher der Schulbücherei zu verwalten. Sie zu katalogisieren, zu verleihen, zu sortieren. Pflichtübungen im Wahlpflichtfach. Die Lust auf Zeitung kam erst später. Als AG-Betreuer Roland Preuschoff von seiner Zeit als Redakteur bei einer Tageszeitung erzählte, war das Interesse geweckt. Und wie! So dauerte es nicht lange, bis Bibliothekare zu Journalisten wurden.

Die erste Ausgabe wurde binnen weniger Wochen aus dem Boden gestampft. Gefüllt mit wichtigen Themen, die auch unsere Tageszeitung beschäftigen. Den möglichen Neubau der maroden Realschule und des Gymnasiums im Anna-Park etwa. Dazu haben die Schüler mit Schulleitern, Elternvertretern und Politikern gesprochen. Auch den neuen Schulkiosk haben die Jugendlichen beleuchtet, die Sprachförderung, die Hausaufgabenbetreuung. Ins Bild gesetzt mit einer Digitalkamera, die der Förderverein der Schule gesponsert hat.

Das Ganze haben sie im DIN-A3-Format verpackt, das der schuleigene Kopierer preiswert hergibt. Unter dem Namen „10 nach Eins”. „Der war schnell gefunden”, sagt Pia Jungen, stellvertretende Chefredakteurin in der Runde der 15- bis 17-Jährigen, „um die Zeit ist bei uns nämlich die Schule aus.” Dann beginnt nicht selten eine Extraschicht der Redakteure, die während der AG-Stunden längst nicht genug Zeit finden, die nächste Ausgabe zu planen und zur Druckreife zu bringen.

„Die hatten schon richtig Terminstress und mussten sich sputen, als eine Zeitung pünktlich zum Tag der offenen Tür fertig werden musste”, sagt Preuschoff. Doch hält er sich selbst dann gern im Hintergrund. Die Zeitung soll schließlich Schülersache bleiben. Und dieses Medium ist der ans körperlose Internet gewöhnten Jugend schon richtig ans Herz gewachsen. „Es ist doch schön, so etwas in Händen halten zu können”, sagt Max Schlösser. Vor allem samstags greift er selbst gern zur Zeitung und nimmt sich dafür gern ein halbes Stündchen Zeit. Neuerdings vor allem deshalb, um zu schauen, wie die Kollegen ihre Aufgabe denn so machen.

Unterhaltung kommt im Blatt der Schüler nicht zu kurz - von der Besprechung aktueller Kinofilme über Musikcharts bis hin zu einer launigen Adaption der berühmten „Bravo”-Rubrik „Dr. Sommer”. Den haben die Realschüler einfach mal zum „Dr. Winter” gemacht. „Bei uns sind aber die Fragen alle garantiert echt”, betont Pia Jungen. Wenn Mitschüler Liebeskummer oder Stress mit den Eltern haben, können sie sich per Redaktionsbriefkasten an das Team wenden. „Wir versuchen dann, ihnen Mut zu machen. Manchmal fragen wir vorher einen Beratungslehrer und holen und Tipps.”

Dass ihre Mühen viele Leser finden, freut die Macher. Gut 200 Exemplare pro Zeitung gehen weg. „Vor allem die Unterstufenschüler kaufen sie sehr gern und blättern darin”, sagt Pia Jungen. Mit den Einnahmen wollen sich die Zehntklässler zum Ende des Schuljahres - wenn sie die Schule verlassen werden - einen Traum erfüllen: eine Ausgabe in Farbe drucken zu lassen. Und dafür werden sie dann wohl doch noch den Computer anwerfen müssen.
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