„Wir müssen mobil denken und handeln“

Von: Karl Stüber
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Kraft aus Sonne und Wind schöpfen: Wenn sich bei der Organisation der Energiewende doch nur alles so hübsch arrangieren ließe, wie auf diesem Bild! Das Einrichten eines Übertragungsnetzes, das schwankende „Ströme“ auffängt, gehört zu den größten Herausforderungen. Foto: FEN/MK Fotolia
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Der Geschäftsführer der FEN GmbH Aachen: Dr. Christian Haag.

Alsdorf. „Wir müssen mobiler denken und handeln“, sagt Dr. Christian Haag. Dieser Satz passt gut in die uns immer stärker in Anspruch nehmende digitale Welt. Der Satz wird ebenso der sich rasch wandelnden Arbeitswelt gerecht. Ein Arbeitsleben lang „nur“ einem Arbeitgeber zu dienen, wird immer seltener. Ist Flexibilität die Lebensformel der Zukunft? Für die Energieerzeugung und -versorgung lautet die Antwort garantiert: Ja.

„Wir müssen mobiler denken und handeln“ ist eine Kernbotschaft von Dr. Christian Haag beim 12. Alsdorfer Stadtgespräch zum Thema „Zündende Ideen – leuchtende Beispiele. Die Energiewende vor Ort“, die unsere Zeitung in Kooperation mit der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing Alsdorf und der Energeticon gGmbH organisiert und das am Mittwoch, 5. November, stattfindet. Haag ist Hauptreferent.

Der Geschäftsführer der Flexible Elektrische Netze (FEN) GmbH und sein Team helfen dabei, die Kräfte von Forschung, Wirtschaft und auch Politik, die sich mit dem Thema Stromnetz beschäftigen, zu bündeln. Zudem gehe es neben der Bearbeitung von technischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Fragestellungen um die Bewertung der Akzeptanz neuer Technologien zur elektrischen Energieversorgung in der Bevölkerung.

Konsequent dezentral

Mit der rasch voranschreitenden Energiewende, die nicht nur die Abkehr von der Nutzung der Kernenergie, sondern auch das Zurückfahren der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen, vor allem aus (Braun-)Kohle bedeutet, sind der Ausbau und die konsequente und dezentrale Nutzung regenerativer Energien verbunden. Der Umwelt und den nachfolgenden Generationen zuliebe. Aber: Oft weht der Wind, scheint die Sonne und rauscht das Wasser nicht dem aktuellen Bedarf angemessen. Ort, Zeit und Ausmaß des Energiebedarfs und der Energieerzeugung wollen „gepuffert“ sein, betont Haag. Entsprechende Leitungen und Energie(zwischen)speicher müssen her.

So sollten die Verbraucher, aber auch große Energieerzeuger von dem vertikalen (von oben nach unten) Denken und Handeln in Sachen Energie Abschied nehmen. Leistungsstarke zentrale Kraftwerke, die – mehr oder weniger übers Land verteilt – über große und dann immer mehr kleiner werdende Trassen und Leitungen die Energie erzeugen und verteilen, werden der Energiewende nicht mehr gerecht. Immer mehr gewinnt die horizontale Ebene an Bedeutung. Gleichsam als „Seiteneinsteiger“ speisen immer mehr Solar-, Windkraftanlagen oder Blockheizkraftwerke ihre über den Eigenbedarf der Betreiber hinausgehende Energieerzeugung ins Stromnetz ein. Dafür ist das bestehende Stromnetz nicht hinreichend flexibel ausgelegt. Und: Je dezentraler die Energieerzeugung und -versorgung inklusive Speichern angelegt ist, desto geringer werden die Anforderungen an große das Land querende Stromtrassen.

Waschen mit Energie aus Akku

„Wenn ein Nachbar mit Solaranlage seinen Nachbarn ohne Solaranlage mit über Eigenbedarf erzeugter Energie versorgen will, muss er per Einspeisung via existierendem Netz oft Hunderte Kilometer Umweg in Kauf nehmen“, sagt Haag. Das muss doch nicht sein. Aus der Sicht des FEN-Geschäftsführers ist die Ergänzung des bestehenden Wechselstromnetzes durch Gleichstromleitungen die technische Lösung. Ohnehin würde in die Haushalte gelieferter Wechselstrom unter hohem Energieverlust (warme, ja heiße Ladeteile und -stationen) in Gleichstrom umgewandelt, um zum Beispiel Handys, Geräte der Unterhaltungselektronik, aber auch moderne Staubsauger zu versorgen. Warum nicht direkt Gleichstrom liefern? Zumal Netze mit „gleich fließendem“ Strom auch flexibler und sicherer sind, wie Haag betont.

Was kann der Einzelne zum Gelingen des großen Ganzen, der Energiewende beitragen? „Der Konsument muss zum Prosument werden“, lautet die Antwort von Haag. Heißt: Energie zu verbrauchen, reicht nicht mehr. Möglichst viele von uns müssen zugleich auch dezentraler Produzent von Energie werden und/oder (zumindest) Speicherkapazität für Energie zur Verfügung stellen, sagt Haag. Nur ein Beispiel: Das Elektroauto in der Garage, das mal nicht bewegt wird, kann mit der Energie seines Akkus auch mal die Waschmaschine im Haus „antreiben“. Eine wirklich „einleuchtende Idee“. „Wir müssen flexibler denken und handeln“, wenn die Energiewende gelingen soll, sagt Christian Haag mit Recht.

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