Nordkreis - Wild lebende Katzen kastrieren ist Tierschutz

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Wild lebende Katzen kastrieren ist Tierschutz

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Kastriert oder nicht kastriert? Kontrollen durch die Behörden gestalten sich eher schwierig – nicht nur, weil streunende Katzen ungerne Fremde an sich heranlassen. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen lassen wenig Spielraum. Foto: Colourbox

Nordkreis. Einen Vorstoß in Sachen Tierschutz hat Städteregionsrat Helmut Etschenberg angekündigt. Mit ins Visier nehmen möchte er ein Problem, das Tierschützer schon länger umtreibt: wild lebende Katzen, die sich unkontrolliert vermehren.

Auf Initiative der Städteregion hat das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz schon vor einiger Zeit unter anderem die Infobroschüre „Kastration ist Tierschutz“ herausgegeben. Innerhalb von zehn Jahren, so die eindrucksvolle Beispielrechnung, könnte aus einem Katzenpaar bei zwei Würfen im Jahr ein unüberschaubares Heer von über 80 Millionen Tieren erwachsen, wenn durchschnittlich nur drei Jungtiere pro Wurf überleben.

Die Kastration von Freigängerkatzen sei folglich dringend geboten, um durch Senkung des Infektionsdrucks die Zahl erkrankter Tiere ebenso zu minimieren wie Stress bei der Nahrungssuche und Verletzungen bei Revierkämpfen. Bedeutsam sei auch die mögliche Lärm- und Schmutzbelastung, ganz zu schweigen von auf Menschen übertragbaren Krankheiten. Auch der Umweltschutz spiele eine Rolle: Katzen erbeuten Vögel und andere Kleintiere, was im Übermaß das Ökosystem gefährde.

Um derartige Szenarien erst gar nicht entstehen zu lassen, möchte der Städteregionsrat „stärker von Amts wegen aktiv werden“, etwa per Kennzeichnungs- und Kastrationsverordnung für Katzen, die einheitlich in allen Kommunen der Städteregion gelten soll.

Die Stadt Alsdorf sieht die Städteregion diesbezüglich denn auch in der Pflicht, wie Erster Beigeordneter Ralf Kahlen erläutert: „Der Landesgesetzgeber hat die Zuständigkeit den Kreisen auferlegt.“ Alsdorf hat noch keine Kastrationspflicht für Katzen. Grundsätzlich hielte Kahlen eine solche Regelung zwar für sinnvoll, „aber bitte so koordiniert, dass die rechtlichen Grundlagen eindeutig sind.“ Bislang aber seien solche Verordnungen Papiertiger. Wo es keine Gefahrenlage gebe, könne man keinen zwingen, eine Katze kastrieren zu lassen, verweist Kahlen auch auf einen „dramatisch hohen“ Kontrollaufwand.

Ebenfalls noch keine Notwendigkeit für eine katzenspezifische Ergänzung der ordnungsbehördlichen Verordnung sieht man in Baesweiler, wie Ordnungsamtsleiter Pierre Froesch darlegt. „Bei uns gibt es keine Beschwerden über herumstreunende Katzen.“ Sollte die Städteregion eine gemeinsame Lösung anstreben, sei Baesweiler natürlich mit am Tisch, sagt Froesch.

In Würselen indes gilt seit Mitte 2011: Katzenhalter, die ihren Tieren Freilauf gewähren, müssen diese ab einem Alter von fünf Monaten von einem Tierarzt kastrieren und per Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen und registrieren lassen. Als Katzenhalter gilt auch, wer freilaufende Katzen regelmäßig füttert. Für die Zucht von Rassekatzen oder bei medizinischer Indikation können Ausnahmen beantragt werden.

Diese Vorschrift wurde in die ordnungsbehördliche Verordnung nicht ohne den Hinweis an die Politik aufgenommen, dass es bei der Durchsetzung Hindernisse gibt – vom Einfangen wilder Tiere bis zur Kontrolle von Katzenhaltern, die ohne Registrierungspflicht für Katzen im Grunde unmöglich sei.

Dies legt auch Manfred Sickert dar, beim Ordnungsamt der Stadt Herzogenrath unter anderem für die Umsetzung der dort ebenfalls vor Jahren eingeführten Kastrationspflicht zuständig. Er berichtet von bislang vereinzelten Meldungen über streunende Katzen, aufgrund derer der Außendienst tätig geworden und für weitere Maßnahmen Kontakt mit der Katzenhilfe aufgenommen worden sei. Mögliche Katzenhalter systematisch zu überprüfen, hielte er momentan indes für überzogen, da gelte es „zwischen Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit abzuwägen“. Ohnehin reicht der Arm des Gesetzes nur bis zur Haustür: „Keiner ist gezwungen, einen Kontrolleur reinzulassen, damit die Katze überprüft werden kann.“

Mit Blick auf massiven Aufwand und rechtliche Grenzen stellt die Katzenkastrationspflicht, wie sie zurzeit gilt, in erster Linie einen dringenden Appell dar: das Gebotene zu tun – im Sinne des Schutzes für Tier und Umwelt.

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