Baesweiler - Wie kam der Krieg nach Baesweiler?

Wie kam der Krieg nach Baesweiler?

Von: Stefan Schaum
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So sah es damals aus: Auch historische Fotos von Baesweiler anno 1944 präsentiert Günter Pesler in seinem ersten Buch. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Wer Geschichte beschreiben will, der muss in die Tiefe gehen. Also ist auch Günter Pesler hinabgestiegen. Zehn Meter, um genau zu sein. Hinein in den alten Bunker, den es heute noch unter dem Rathaus an der Mariastraße gibt. Dorthin, wo 1944 viele Menschen monatelang ausharren mussten.

Pesler hat es nur eine knappe Stunde lang ertragen. „Ich war richtig froh, wieder aus dieser dunklen Enge rauszukommen“, sagt der 46-Jährige. Das beklemmende Gefühl nahm er gerne mit. Denn es half ihm, die Schicksale der Menschen zu beschreiben – damals, am Ende des Schreckensregimes. „Als der Krieg nach Baesweiler kam“ heißt sein erstes Buch. Und das hätte es eigentlich gar nicht geben sollen.

„Die Erde, auf der man steht“

Zwar sei er schon immer geschichtsinteressiert gewesen („Speziell die deutsche Geschichte ab der Reichsgründung 1871 fasziniert mich“), doch lag sein Augenmerk eher auf dem großen Zeitgeschehen, nicht auf dem regionalen. Bis der Baesweiler Geschichtsverein neue Räume an der Alexanderstraße bezog, und zwar genau gegenüber von Günter Peslers Haus. „Ich bin dann mal zu denen rein und wir haben uns nett unterhalten.“ Dabei fiel ein Satz, der ihn nicht mehr losließ: „Man sollte die Erde kennen, auf der man steht.“

Den Rat hat er sich zu Herzen genommen und wurde nicht bloß Mitglied des Vereins, sondern fing regelrecht Feuer, als ihm ein Bericht eines anderen Mitglieds und Zeitzeugen des Kriegsgeschehens in die Hände fiel. „Die Erinnerungen von Günter Waschbüsch waren für mich der Impuls, weitere Schilderungen des Lebens vor Ort zu finden und sie miteinander zu verknüpfen. Ich wollte die Geschichte der Besatzungszeit ab August 1944 aus der Sicht von Baesweilern zu erzählen.“

Viele Gespräche waren die Folge. 15 Zeitzeugen hat der Polizist in seiner Freizeit interviewt. Hat in deren Tagebücher von damals hineinschauen dürfen und alte Fotos entdeckt. Stück für Stück hat er ein Bild zusammengesetzt, das viel zu groß wurde für den ursprünglichen Plan, „daraus einen Aufsatz von 20, 30 Seiten für die Schriftenreihe des Geschichtsvereins zu machen“.

Stattdessen wird es nun ein Buch von mehr als 400 Seiten sein. Chronologisch geordnet wird es sein, vom langsamen Näherrücken der Front bis zur Besetzung des damals knapp 6000 Einwohner zählenden Baesweilers durch die Amerikaner. Stets eingebettet in den historischen Kontext. „Ich habe Schilderungen und Fakten nebeneinander gestellt“, sagt Pesler. Auch, um der möglichen Kritik zu entgehen, „Graue Literatur“ zu schreiben. So nennen Historiker Bücher, die nur aus Schilderungen von Zeitzeugen bestehen und keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse beinhalten. „Ich habe mich um einen Mix bemüht“, sagt Pesler. In dem finden auch heitere Töne Platz. Wie die Anekdote von Günter-Otto Maus, der die Besatzung als 16-Jähriger erlebte. Damals besuchte er die Aachener Hindenburgschule (das heutige Couven-Gymnasium) und sprach Englisch. Pesler: „Also machten ihn die Amerikaner gleich mal zum Dolmetscher.“ Und damit der Junge umherfahren konnte, „durfte er sich selbst einen Führerschein ausstellen“. Wohlgemerkt: Ohne eine einzige Fahrstunde gehabt zu haben! „Erst 1947 fiel er mit dem selbst gemachten Lappen auf, als er in Aachen in eine Polizeikontrolle geriet.“ Folgen hatte das nicht, „er hat dann eine richtige Prüfung nachgeholt“.

Günter Pesler hofft, mit seinem Buch nicht nur Senioren erreichen zu können, „die sich an diese Zeit erinnern wollen“, sondern auch die Jugend. „Das Buch darf gern als Unterrichtsgegenstand an Schulen verwendet werden.“ In Baesweiler und andernorts.

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