Werner Weihrauchs drittes Buch ist eine Familiengeschichte

Von: Anja Klingbeil
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Seit vielen Jahren lebt Werner Weihrauch in der Broicher Siedlung: Vor kurzem ist sein drittes Buch erschienen. Foto: Anja Klingbeil

Nordkreis. Die Ruine der Synagoge in Oels/Schlesien und die mit Schlemmkreide beschmierten Schaufenster der jüdischen Geschäfte sind Werner Weihrauch noch gut in Erinnerung. In Schlesien wuchs der 81-Jährige auf. Seine Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, die gleichsam auch Zeugnis einer Zeit sind, die das dunkelste Kapitel der Deutschen Geschichte schrieb, hat Werner Weihrauch aufgeschrieben - auf Anregung seiner Tochter.

In seinen ersten beiden Büchern „Erzähl aus deiner Kindheit” und „Erzähl aus deiner Jugend” schildert der Autor ganz persönliche Erlebnisse aus seiner Vergangenheit. Lebendig, nachdenklich und humorvoll.

Seit vielen Jahren lebt Werner Weihrauch in der Broicher Siedlung. Vor kurzem ist sein drittes Buch „Eine jüdisch-christliche Liebe” erschienen. Dieses Mal ist es nicht die eigene Geschichte, die Werner Weihrauch erzählt. Und dennoch ist es eine wahre Begebenheit, auf der sie beruht.

Der Lebensweg zweier Freundinnen wird geschildert. Marlies und Waltraud treffen sich als Kinder, sind freunden sich an, verlieren sich aus den Augen, treffen sich wieder. „Marlies und Waltraud - selbst die Namen habe ich gelassen. Denn die beiden wollten, dass die Geschichte wirklich authentisch ist”, sagt Werner Weihrauch.

Es war 1949, als der Jude Icu nach Aachen übersiedelte und mit einem Freund eine Textilgroßhandlung gründete. Icu hatte das Konzentrationslager Auschwitz überlebt. „Doch auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es immer noch Vorurteile gegenüber jüdischen Mitbürgern”, sagt Werner Weihrauch.

Marlies und Icus Liebe wurde von vielen Seiten argwöhnisch betrachtet, nicht nur, weil er Jude und sie Katholikin war, sondern auch, weil er 20 Jahre älter war als sie. „Es gab fürchterliche Szenen in der Familie”, erzählt Werner Weihrauch. Doch Marlies und Icu haben dagegen gekämpft. „Sie haben immerhin 48 Jahre lang zusammengelebt”, sagt Weihrauch.

Er selbst hatte das Glück, auch Icu zwei Jahre vor seinem Tod kennenzulernen. „Der Leser sieht, wie das Buch entstanden ist. Geschildert wird auch die Beisetzung Icus auf dem alten jüdischen Friedhof in Aachen”, erklärt Werner Weihrauch.

Die Geschichte von Waltraud, Icu und Marlies hätte der Autor schon gerne sehr viel früher aufgeschrieben. Doch Marlies braucht eine Zeit, um über den Tod ihres Mannes hinweg zu kommen. „Irgendwann trafen wir uns und sie sagte: „So, jetzt kannst du das Buch schreiben. Es soll auch anderen helfen, einen Weg aus der Trauer zu finden.”

Die ersten Notizen machte sich Werner Weihrauch, weil kein Block zu Hand war, auf Servietten. Ein Jahr lang hat er geschrieben. In den ersten Kapiteln stellt er die Figuren vor, dann ihr Zusammentreffen. Werner Weihrauch spannt den zeitlichen Bogen von den frühen 1930er Jahren bis in die heutige Zeit. Macht dabei sogar einen Abstecher nach Israel, wo immer noch die Schwägerin von Marlies lebt.

„Es ist eine Familiengeschichte eingebunden in die Historie”, sagt Weihrauch. Eine Idee für ein weiteres Buch gibt es auch schon. Oder vielmehr sie ist zu ihm gekommen. Denn es dreht sich wieder um die Erlebnisse eines anderen. Die Geschichte geht also weiter...
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