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Werden die Kirchen im Dorf gelassen?

Von: Karl Stüber
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Wird letztlich nur die Tür de
Wird letztlich nur die Tür der Martin-Luther-Kirche im Zentrum geöffnet bleiben? Die Evangelische Kirchengemeinde Alsdorf befragt Mitglieder, wie ein zukunftsfähiges Konzept aussehen kann. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Erste Reaktionen auf den jetzt per Gemeindebrief verteilten Fragebogen sind verheißungsvoll. Wieso denn pro Familie nur ein Exemplar beigefügt war? Jedes einzelne Gemeindemitglied habe da ja wohl durchaus seine eigene individuelle Ansicht!

In der Beschwerde liegt das Gute: Die von der Evangelischen Gemeinde Alsdorf gestartete Umfrage-Aktion, wie denn angesichts wirtschaftlicher Zwänge, aber auch unter religiösen und sozialen Aspekten eine Kirche zukunftsfähig aussehen und geführt werden sollte, scheint auf Interesse zu stoßen. Die Basis will sich offenbar einbringen.

Möglichst bis Weihnachten sollten die gelben Bögen ausgefüllt im Gemeindebüro der Martin-Luther-Kirche, bei Pfarrerin Elisabeth Peltner in Ofden oder Pfarrer Ulrich Eichenberg in Busch abgegeben werden. Auch in den evangelischen Kindergärten in Alsdorf-Mitte und Ofden werden sie entgegengenommen. „Weitere Fragebögen werden in den Kirchen ausgelegt”, sagt Pfarrerin Peltner. Und außerdem könnten ja die verteilten Bögen notfalls kopiert und an Familienmitglieder weitergegeben werden, ergänzt Kurt Mank, der zum Arbeitskreis interessierter Gemeindemitglieder gehört, der diesen Fragebogen gemeinschaftlich entwickelt hat.

Gefragt sind unter anderem Ideen, wie der Anteil der Gemeindemitglieder, die auch am Gottesdienst und anderen Angeboten teilnehmen, erhöht werden kann. Welche Angebote der Kirche sind wichtig? Die Rede ist zum Beispiel von Beratung, Seelsorge, Kirchenmusik, Unterstützung von Hilfsprojekten, Kindergarten, Jugendgruppen, Glaubenskurse- und -vermittlung, Kreise für Erwachsene und Senioren. Was wird besonders geschätzt, was vermisst? Wie steht es um die Bereitschaft, ehrenamtlich mitzuarbeiten? Was ärgert, was sollte neu eingeführt werden? Insgesamt 16 Fragen sind es, die achte hat es in sich: „Würden Sie auch den Gottesdienst in einem anderen Ortsteil besuchen?” Anders ausgedrückt: Sind die Gemeindemitglieder bereit, in eine andere Kirche zu gehen als die ihnen vertraute? Derzeit verfügt die Evangelische Kirchengemeinde Alsdorf über drei Gotteshäuser bzw. Gemeindezentren: die Martin-Luther-Kirche in Mitte, die Immanuelkirche in Busch und die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden. Dazu kommen noch Kindergärten.

Sanierung der Gebäude notwendig

Klar ist aufgrund einer bereits vorliegenden umfassenden Gebäudestrukturanalyse, die das Aachener Architekturbüro „Medefindt Dollmann & Partner” erstellt hat, dass die „Solllebenserwartung” der jahrzehntealten Gebäude abgelaufen ist und eine umfassende energetische Sanierung unvermeidbar ist. Aber woher das Geld nehmen, wenn nicht stehlen? Die Alsdorfer Gemeinde ist laut Peltner auf rund 4000 Mitglieder zusammengeschrumpft. Entsprechend sind die Einnahmen aus der Kirchensteuer geschwunden. Andererseits sind die Betriebskosten der alten Gebäude extrem hoch. Die Gemeinde ist mittlerweile arm wie eine Kirchenmaus. Vielleicht auch, weil sie zu viel Geld ausgibt? Das engagierte wie kritische Gemeindemitglied Kurt Mank ist der Auffassung, dass die Schließung von Kirchen nur die letzte aller Optionen sein kann. „In dieser Gemeinde wird ein Großteil der Finanzen für soziale Zwecke ausgegeben und es ist fraglich, ob diese Ausgaben immer weiter in die Höhe geschraubt werden können”, sagt er.

„Erweiterter Finanzausschuss”

Um herauszufinden, welche Kosten die Gemeindeaktivitäten verursachen, müsse eine Zuordnung der Kosten zu allen Einrichtungen, Gebäuden und Gruppen der Gemeinde erstellt werden. Das wird Anfang nächsten Jahres geschehen, sagt Pfarrerin Peltner. In einem „erweiterten Finanzausschuss” soll alles genau untersucht werden. Die letzten gesicherten Wirtschaftsdaten stammen aus dem Jahre 2009. Das hat seine Gründe, sagt sie. So habe das generell eingeführte neue kirchliche Finanzsystem viel Arbeit gekostet, auch dem Kirchenamt im Aachen. „Wir haben viele Dinge in der Gemeinde, die uns über den Kopf gewachsen sind”, räumt die Pfarrerin ein. Wenn der Arbeitskreis im Januar den Rücklauf der Fragebögen auswertet, wird das Ergebnis in ein neues Leitbild der Evangelischen Kirche in Alsdorf einfließen und Grundlage einer Gemeindekonzeption bilden.

Wichtig sind hier auch Abstimmungsgespräche mit anderen Trägern sozialer Belange und natürlich mit der Stadt Alsdorf. „Es wurde bereits ein Gespräch mit Bürgermeister Alfred Sonders über die Möglichkeiten der Stadtentwicklung in Busch und Ofden geführt”, sagt Peltner.

Eine Kirche müsse ja nicht gleich abgerissen werden, sagt sie. Ein Gotteshaus könne umgewidmet und mit möglichst geringem Aufwand umgebaut werden, vielleicht zu einer Grabeskirche für Urnen - mit einem Sakralraum und einem kleinen Büro für den Pfarrer. Eine andere Idee lautet: Ein Beerdigungsunternehmen könnte dort nicht konfessionell gebundene Abschiedsfeiern für Angehörige organisieren. Aber, betonten Peltner und Mank gemeinsam, entschieden ist nichts. Es geht jetzt um eine Ideensammlung - und darum, das Machbare herauszufiltern.
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