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Werbering Kohlscheid vor Auflösung?

Von: Beatrix Oprée
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Noch mehr Leben für Kohlscheids City: Hinter den Bankgebäuden am Markt soll sich einiges tun. Unter anderem ein Lebensmittelmarkt, ein Discounter und ein Drogeriemarkt sollen hier hinziehen. Foto: Beatrix Oprée
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„Kämpfernaturen“: Christian Thies (l.) und Siegfried Müllenmeister wollen nicht aufgeben – im Sinne Kohlscheids und der Bürger.

Herzogenrath. Es ist wieder nicht gelungen: Zwar war die jüngste Versammlung des Werberings Kohlscheid im Haus Bindels „extrem gut besucht“, wie der bisherige Vorsitzende Christian Thies feststellt. Rund 50 Teilnehmer aus 34 Unternehmen waren gekommen. Doch ein neuer Vorsitzender für den Werbering Kohlscheid hat sich trotz intensiver Bemühungen nicht gefunden.

Thies selbst verweist auf „eigene Ziele, Pläne und Wünsche“, für die er sich etwas Zeit freischaufeln möchte, nach insgesamt 15 Jahren im Vorstand und rund zehn Jahren als Vorsitzender. „Außerdem wird es auf die Dauer langweilig, wenn immer nur einer in der Verantwortung ist, ungeachtet, wie gut man es gemacht hat“, wirbt er um Vielfalt der Ideen und deswegen einen neuen Mann respektive Frau an der Spitze. Den oder die er selbstverständlich gerne weiter unterstützen möchte, als Beiratsmitglied. Thies: „Es lohnt sich total, sich für einen Ort einzubringen. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben mir gezeigt, dass es für den Ort und die Bürger eine lohnenswerte Aufgabe ist.“ Und durchaus eine Win-Win-Situation, daraus macht er keinen Hehl. Vor fünf Jahren habe er erstmals angekündigt, sich zurückziehen zu wollen, viele Einzelgespräche seither geführt, Überzeugungsarbeit geleistet – offenbar vergeblich.

Auch Bürgermeister Christoph von den Driesch war bei der jüngsten Versammlung vor die Mitglieder getreten, hatte zusammen mit Architekt Michael Heins den Blick auf die ehrgeizigen ansiedlungs- und verkehrspolitischen Pläne im Stadtteil Kohlscheid gelenkt, die dem Zweck dienen sollen, Kunden ins Zentrum zu locken. „Das war als Motivationsschub gedacht“, sagt Christian Thies. Doch niemand fand sich bereit, an die Spitze zu treten. „Es war fast wie in der Schule“, bestätigt Vorstandsmitglied Siegfried Müllenmeister, der die Moderation des Abends übernommen hatte. „Jeder blickte nach unten.“ Auch bei seinen eindringlichen Fragen: „Wollt Ihr wirklich, dass es kein Stadtfest mehr gibt?“ „Dass es zu Weihnachten dunkel bleibt?“ „Dass alles bisher Erreichte kaputt geht?“

40 Jahre erfolgreiche Arbeit

Rund 70 Mitgliedsfirmen zählt der Werbering Kohlscheid, der im vergangenen Jahr mit einem fulminanten Fest sein 40-jähriges Bestehen feierte. Doch kaum ein Jahr später ist seine Weiterexistenz gefährdet. Denn ohne einen neuen Vorsitzenden kann die nichtsdestotrotz bereitstehende Vorstandstruppe nicht arbeiten. „Ich habe immer auf ein sehr gutes Team setzen können“, sagt Christian Thies. „Und das könnte natürlich auch der oder die neue Vorsitzende. 13 Leute machen den Vorstand aus.“ Woran also liegt es, dass sich niemand finden will? Am zu großen Aufwand? „Natürlich variiert die Zeit, die man investieren muss“, sagt Thies.

Durchschnittlich seien es aber nicht mehr als zwei Stunden in der Woche gewesen, „wenn die Aufgabenteilung stimmt“. Zeit, die sich auf alle Fälle lohne, verweist er auf das durch ihn und seine Vorgänger sowie das ganze Team Erreichte – „es ist schon gewaltig, was in den vergangenen Jahrzehnten auf die Beine gestellt worden ist“ – neben Stadtfest und Weihnachtsbeleuchtung etwa das Maiblütenfest und der Martinsmarkt sowie ein Fest in der Mitte des Jahres. Thies: „Offenbar aber wird der Respekt vor dem Posten zu hoch eingeschätzt. Dabei haben wir so viele fantastische Firmen in Kohlscheid.“

„Weitermacher“ finden

Doch Thies und Müllenmeister richten ihren Blick keineswegs nur auf das Erreichte, sondern wissen sehr genau um die Chancen, die die neuen Pläne für Kohlscheids Zentrum mit sich bringen. „Die nächsten 24 Monate sind entscheidend“, sagt Thies. „Es wäre widersinnig, den Werbering in einen solchen Prozess nicht einzubringen!“, appelliert er an jedes einzelne Unternehmen, die neuen Chancen auch wahrzunehmen.

„Wir sind Kämpfernaturen“, wollen Thies und Müllenmeister auch nach einem für die Spitze ergebnislosen Abend nicht aufstecken. Einen neunköpfigen Arbeitskreis hat Siegfried Müllenmeister nunmehr berufen, um zunächst das nächste Stadtfest auf die Beine zu bringen. Aber auch, um „Weitermacher“ zu finden, vielleicht auch ohne Vereinsstruktur. Oder aber die geordnete Abwicklung und Auflösung in den kommenden zwölf Monaten vorzubereiten – immer aber mit der Option, von dieser Notwendigkeit sofort abzusehen, falls doch noch jemand den Vorsitz übernehmen möchte…

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