Wenn die Seele plötzlich streikt

Von: Anja Klingbeil
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Immer mehr Menschen leiden an
Immer mehr Menschen leiden an psychischen Erkankungen: Der SkF berät jetzt auch Betroffene in Baesweiler. Foto: imago/Geisser

Baesweiler. Und plötzlich sind die Panikattacken da. Die Angst raubt Karin Tunger den Schlaf. Wovor sie sich fürchtet, kann die 58-Jährige nicht genau sagen. In ihrer Stimme hört man die Unsicherheit. Als ihre Seele vor sechs Jahren krank wird, lebt Karin Tungers Sohn noch bei ihr. Er nimmt Drogen, ist abhängig.

Seine Mutter kann damit nicht umgehen, weiß sich nicht zu helfen. Doch es dauert einige Zeit, bis sie sich dazu entschließt, um Hilfe zu bitten. Erst als die Angstzustände und Panik-attaken immer schlimmer werden, vertraut sie sich anderen an.

Menschen, die ihr zuhören, findet Karin Tunger beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Alsdorf. Und weil es immer mehr Menschen wie die 58-Jährige gibt, die alleine ihr Leben nicht mehr bewältigen, hat der SkF nun auch ein Büro in Baesweiler eröffnet. Das hat Pfarrer Ferdi Bruckes am Freitag eingesegnet. Auch Bürgermeister Dr. Willi Linkens lobt das neue Hilfsangebot.

Vor Ort beraten die Sozialarbeiterinnen Dorothee Alscher und Sevgi Ergamalioglu. Das fängt mit ganz praktischer Hilfe an. Denn oftmals sind es die alltäglichen Dinge, die den Betroffenen nicht mehr gelingen. Das Aufstehen am Morgen und die Planung des Tages kann zu einer unüberwindbaren Hürde werden, ebenso der Gang zu Behörden oder der Umgang mit Geld.

Zwei- bis dreimal in der Woche besuchen die Mitarbeiterinnen des SkF ihre Klienten. Diese leben entweder in der eigenen Wohnung oder in einer sechs Wohngemeinschaft mit anderen Betroffenen. In einer solchen lebt seit sechs Jahren auch Karin Tunger: „Für mich gab es nur die Entscheidung, entweder du nimmst dir das Leben oder du änderst was. Ohne die tolle Umgebung in der WG wäre ich kaputt gegangen.”

Über 80 Menschen betreut der SkF in der ganzen Städteregion Aachen. Mit Sevgi Ergamalioglu gibt es in Baesweiler eine Betreuerin, die selbst türkischer Herkunft ist und einen Migrationshintergrund hat. „So kann ich die türkischen Klienten, die wir neben den anderen vorwiegend deutschsprachigen haben, besser verstehen und intensiver mit ihnen zusammenarbeiten”, sagt Ergamalioglu.

Sie weiß, dass es in Ländern wie etwa der Türkei solche Hilfsangebote gar nicht gibt. Psychische Erkrankungen sind dort zwar kein Tabuthema, aber eine Krankheit, die viele einfach gar nicht kennen. Um so wichtiger ist es, Ansprechpartner für verschiedene Nationalitäten zu haben und den jeweiligen kulturellen Hintergrund zu kennen. Karin Tunger ist mittlerweile soweit, dass sie gemeinsam mit einer langjährigen Freundin in eine eigene Wohnung ziehen möchte.

Dorothee Alscher hilft ihr bei der Wohnungssuche. Auch später wird die Sozialarbeiterin sie betreuen, sie für ein paar Stunden in der Woche besuchen. „Auf diese Gespräche möchte ich nicht verzichten”, sagt Karin Tunger.

Der SkF unterstützt seit mehr als 20 Jahren

Seit mehr als 20 Jahren unterstützt der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Alsdorf Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung. Das Team besteht aus anerkannten Fachkräften, die sich regelmäßig weiterbilden. Ansprechpartner in Baesweiler sind Dorothee Alscher (l.) und Sevgi Ergamalioglu (M.). Karin Tunger (r.) nutzt das Hilfsangebot bereits.

Das neue SkF-Büro in Baesweiler befindet sich an der Kückstraße 16. Feste Öffnungszeiten und Sprechstunden gibt es nicht. Termine können unter ? 02401/8049494 oder per E-Mail bw-b@skf-alsdorf.de vereinbart werden.

Das Alsdorfer Büro, Rathausstraße 36, ist unter der Telefonnummer 02404/678033 oder bw@skf.alsdorf.de zu erreichen, das Herzogenrather, Geilenkirchener Straße 29, unter der Telefonnummer 02406/6688416, bw-h@skf-alsdorf.de.

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