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Wenn der Volkszähler an der Tür klingelt

Von: Stefan Schaum
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Den Ausweis stets zur Hand: Als Interviewer werden Reinhold Bergstein und Jana Koch ab dem 9. Mai in Baesweiler unterwegs sein. Sie sind freiwillige Helfer beim Mikrozensus 2011. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Ein wenig Bammel hat sie schon vor der Aufgabe. Schließlich weiß Jana Koch ja nicht, was sie nach dem Klingeln an der Wohnungstür erwartet. Wird sie hereingelassen oder abgewiesen? Wird sie nette oder unfreundliche Worte hören? Muss sie am Ende gar Beschimpfungen ertragen? Letzteres könne durchaus passieren.

„Ich soll fremden Menschen schließlich einige Fragen stellen, die ganz schön persönlich sind”, sagt die 21-Jährige. Sie will es versuchen. Ab dem 9. Mai. Dann ist sie eine von 34 freiwilligen Helfern in Baesweiler, die dort die Haushaltsbefragungen zur Volkszählung 2011 begleiten.

Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, muss man sagen. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Aufwand so groß sein wird”, sagt die Auszubildende der Verwaltung.

Bei einem ersten Treffen Anfang April hatten die Helfer die Adressen für ihre jeweiligen Haushaltsbefragungen bekommen. Nur Straßen und Hausnummern. Wer dort wohnt, mussten sie anhand von Namenslisten selbst herausfinden. „Ich bin sogar schon einmal zu den Häusern hingegangen um zu schauen, ob die Namen auch auf den Klingelschildern stehen oder ob da noch andere wohnen”, sagt Reinhold Bergstein. Der 71-Jährige ist ebenfalls ein Freiwilliger. Dieser Tage steckt er Anschreiben und Termine in Kuverts, die er dann in die Briefkästen „seiner” Haushalte werfen wird.

Zunächst einmal sind seine Terminvorschläge verbindlich, per Zensusgesetz sind die zufällig ausgewählten Haushalte zur Auskunft verpflichtet. „Ich stehe zur angegebenen Zeit vor der Tür und werde klingeln.” Ist niemand da, gibt er einen zweiten Termin an. Öffnet auch dann niemand - oder wird er an der Tür abgewiesen - meldet er das der Zensusleitung in Aachen. Die muss dann darüber entscheiden, ob sie ein Zwangsgeld von bis zu 5000 Euro verhängt. Wer aus beruflichen Gründen nicht zuhause anzutreffen ist, kann die Fragen auch online beantworten.

Reinhold Bergstein rechnet damit, in viele Wohnungen hineingelassen zu werden. „Ich habe da so eine lockere Art”, sagt er. Schließlich war er mal Vollzugsbeamter und weiß daher, wie man in heiklen Situationen an der Wohnungstür auftritt. Dennoch: „Das hier ist auch für mich neu. Ich rechne schon damit, dass mancher skeptisch reagieren wird oder sich weigert, Fragen zu beantworten.”

Die gehen nämlich ans Eingemachte: Beruf, Bildung, Religion, Migrationshintergrund - darum geht es in maximal 48 Fragen. „Ich habe sie probehalber schon mal meinem Freund gestellt”, sagt Jana Koch. „Der war ziemlich überrascht, was er alles preisgeben sollte. Jedem anderen hätte er wohl ein paar blöde Kommentare gegeben.” Sie befürchtet zudem, „dass mancher mich nicht für voll nimmt, weil ich noch so jung bin”.

Vornehmlich nachmittags und an Samstagen will sie unterwegs sein in Sachen Mikrozensus. Denn obwohl die Kommunen die Volkszählung unterstützen sollen, wird sie als städtische Mitarbeiterin dafür nicht freigestellt. Sie erhält jedoch eine Aufwandsentschädigung: 7,50 Euro pro ausgefülltem Fragebogen. 24 Adressen hat sie bekommen. Teils wohnen dort mehrere Familien - und jeder in jedem Haushalt erhält einen Fragebogen. „Das ist für mich schon viel Geld”, sagt sie. Aber auch viel Arbeit. Bis zum 31. Juli muss sie fertig sein.

Reinhold Bergstein geht die Sache mit gemischten Gefühlen an. „Diese Aufgabe ist bestimmt sehr interessant. Aber ich bin ehrlich: Das ist auch ein riesiger Zeitaufwand, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Ich bin mir jetzt nicht mehr so sicher, ob es die richtige Entscheidung war, sich freiwillig zu melden.”

Fragebogen ist auch via Internet ausfüllbar

Bei einem Besuch der so genannten Interviewer gilt: Sie kommen niemals unangemeldet. Der Termin wird schriftlich angekündigt.

Der Fragebogen kann im Beisein der Helfer ausgefüllt werden oder später - und dann per Post zurückgesendet werden. Auch im Internet können die Bögen ausgefüllt werden. Für Kinder können die Eltern die Bögen ausfüllen.

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