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Weg von der Kohle und hin zur Sonne

Von: Karl Stüber
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Das „Gesicht“ in die strahlende Sonne halten: Etliche Solarmodule sollen an der Halde Maria-Hauptschacht in Alsdorf-Mariadorf aufgestellt werden. Foto: imago/imagebroker
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Die Natur hat Teile der Betonplatte mit Pflanzen überdeckt: Am Fuß der Berghalde Maria-Hauptschacht soll hier aber eine Freilandphotovoltaikanlage entstehen. Das Foto zeigt eine alte Laderampe. Foto: Karl Stüber

Alsdorf/Baesweiler. Das alte zweiflüglige Tor an der Eschweilerstraße hat schon bessere Zeiten gesehen. Recht neu daran sind hingegen Kette und das Vorhängeschloss. Allerdings kann diese Formation den Zugang zur Halde Maria-Hauptschacht nur Fahrzeugen verwehren, keineswegs Fußgängern, die sich auf dem Gelände zwischen Alsdorf-Ost und Mariadorf tummeln wollen.

Trampelfade an den Zaunrändern künden davon. Ohnehin ist ein weiterer Zugang von Westen her nur durch eine aussichtslos unwirksame Schranke „gesichert“. Und auf dem Areal am Fuße der Halde zeugen diverse Hinterlassenschaften von reichlich Besuch. Zerschlagene Kunststoffstühle liegen umher, ein Rad hat sein Auto verloren. Farbkleckse und Sprühspuren zieren seltsame Rampen, die auf einer großen betonierten Fläche stehen.

Hier wurde zuletzt die Bergehalde „ausgekohlt“. Bis zu 25 Prozent schwarzes Gold fanden sich anteilig im angehäuften Abraum und wurden zum Kraftwerk nach Siersdorf – nahe der Grube Emil Mayrisch – zum Verfeuern gebracht.

Firma aus Baesweiler investiert

Nun soll die brachliegende Fläche – es geht um rund einen Hektar –neu genutzt werden. „Ein privater Vorhabensträger“ – heißt es im besten Amtsdeutsch in einer Vorlage für den Landschaftsbeirat der Städteregion Aachen – hat dort Großes vor. Es handelt sich um die HSV Kälte-Klima-Lüftungs-Technik GmbH in Baesweiler. Die Fläche gehört dem Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV).

Es soll eine sogenannte Freilandphotovoltaikanlage entstehen – mit beachtlichem Ausmaß. Vorgesehen ist, 3100 Module auf Betonbalken aufzuschrauben, die auf der vorhandenen Betonplatte in Sand gebettet werden. Die Nennleistung dieses „Fängers“ von Sonnenenergie beträgt rund 745 kWp (siehe Infobox). Der so gewonnene Strom wird über eine rund 300 Meter entfernt gelegene Mittelspannungsstation ins Netz eingespeist. Zur Sicherung der empfindlichen Anlage sollen ein Zaun und Überwachungskameras dienen.

Die Stadt Alsdorf steht dem Projekt grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, zumal es sich um einen sogenannten Außenbereich handelt, wie Assessor Hans-Peter Hermanns sagt. Solaranlagen gehören hier zu den privilegierten Vorhaben.

Altlasten unter Betondecke

So wurde zwar die Verwaltung über die anstehende Investition informiert, ein Fachausschuss oder gar der Stadtrat werden sich hiermit nicht befassen müssen.

Allerdings weist Hermanns auf Umweltaspekte hin. So befinden sich unter der Betondecke Altlasten, dürfen also keine Bohrungen vorgenommen werden. So ist auch zu erklären, dass die Module auf zusätzliche Betonbalken aufgeschraubt werden.

Apropos Umweltfragen: Als Gremium war jetzt der Landschaftsbeirat der Städteregion mit dem Thema befasst. Der Zahn der Zeit hat nicht nur an der Betonplatte genagt, sondern „bedingt durch Laubfall der angrenzenden Waldstrukturen kleinflächig dünne, humose Schichten gebildet, auf denen sich mittlerweile krautartige Ruderalfluren entwickelt haben“.

Was in der Vorlage zur Sitzung des Landschaftsbeirates recht kryptisch klingt, lässt sich schlicht übersetzen: Da ist was gewachsen. Ist das erhaltenswert? Gibt es schützenswerte Tiere dort?

Hinzu kommen sogenannte „Pioniergehölze“, die sich in Rissen der Betonplatte festkrallen. Es geht um Birken, Weiden, Akazien, Sanddorn und Hundsrosen. „Eine Gebüschgruppe mit standorttypischen Gehölzen hat sich im Bereich der alten Laderampe/Schüttgutbox gebildet.“

Unter ganz bestimmten Auflagen erteilte der Beirat die für den Investor notwendige „landschaftsrechtliche Befreiung“. Demnach ist die Solaranlage mit Naturschutz und Landschaftspflege vereinbar. Zudem liegen „überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit“ vor.

Von EBV verpachtet

Die Auflagen: Mit Blick auf brütende Vögel dürfen Rodungsarbeiten nur von Oktober bis Februar erfolgen. Der geplante Zaun rund um die Anlage muss für Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger durchlässig sein. Spitzer Stacheldraht im unteren Bereich ist zu vermeiden. Außerdem muss der Zaun für Vögel gut sichtbar sein, auf dass diese sich nicht das Genick oder die Flügel brechen. Nur tagsüber darf gebaut werden, damit Fledermäuse und Eulen nicht gestört werden.

Heinz Josef Lentzen, Chef der Firma HSV in Baesweiler, wollte eigentlich eine Photovoltaikanlage auf einer alten Fläche des Bergbaus bei Noppenberg realisieren. Das war aber mit Blick auf den Naturschutz nicht möglich. So habe ihm der EBV als Ausgleich das Areal an der Halde Maria-Hauptschacht in Mariadorf angeboten, wie er auf Anfrage unserer Zeitung sagte. Ziel ist, die Anlage möglichst bald zu realisieren.

Thomas Hofmann (EBV) sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass das Grundstück im Besitz seines Unternehmens bleibe und per Pacht von der Baesweiler Firma für die Anlage genutzt werde.

<i><b>Kilowatt-Peak steht füroptimale Leistung</i>

kWp ist die Kilowatt-Spitzenleistung (Kilowatt-Peak). Der kWp-Wert beschreibt die optimale Leistung einer Solaranlage unter bestimmten ortsabhängigen Werten für die Temperatur der Module und die Sonneneinstrahlung, heißt es im Solaranlagen-Portal.

Eine 1 kWp-Anlage in Deutschland produziert rund 800 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. Dies entspricht etwa dem Fünftel des jährlichen Strombedarfs eines Vier-Personen-Haushalts.

Zum Vergleich: Die 42 000 Ende Juni 2012 ans Netz gegangenen Solarmodule der Nivelsteiner Sandwerke sollen rund 3000 Vier-Personen-Haushalte versorgen können.</i>

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