Wartungsfreier Teich? Nur in der Theorie

Von: Georg Pinzek
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Für die Fische im Teich des K
Für die Fische im Teich des Kalkhaldenparks überlebenswichtig: Eine Pumpe sorgt für die Sauerstoffzufuhr. Belastet wird das Wasser leider immer wieder durch Foto: Georg Pinzek

Würselen. Hund, Katze - nicht Maus, sondern Fisch: Mit tierischen Problemen musste sich unlängst die Politik im Würselener Rathaus auseinandersetzten. So eben auch mit Fischen, die dort sind, wo sie eigentlich nicht hingehören: Am Fuße der kleinen Kalkhalde an der Elchenrather Straße wurde im Rahmen der Euregionale 2008 eine Teichanlage angelegt.

Dabei wurde sie nicht als Fischteich konzipiert, die Wassertiefe reicht dafür nicht aus.

Außerdem wurde auf eine aufwändige Wassertechnik verzichtet, weil die laut Planer nicht nötig sei. Ein Austausch des Wassers wurde als ebenfalls nicht erforderlich angesehen, da durch den Einsatz von Wasserpflanzen aus der Familie der Characeen (Armleuchteralgen) der Nährstoffgehalt reguliert werden könnte. Lediglich in Intervallen von ein bis zwei Jahren wurde eine Gewässerpflege empfohlen, bei der neben Unrat auch Pflanzenteile mit dem Rechen entfernt werden sollten. Eine vollständige Entschlammung des Teiches sei in Zeiträumen von zehn Jahren notwendig.

Die Pflegekosten der Teichanlage, um die sich die Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen (KDW) kümmern muss, wurden daher als nicht nennenswert erachtet. Soweit die Theorie. In der Praxis wurde die Teichanlage allerdings einer Belastung ausgesetzt, die eben doch finanzielle Folgen haben sollte. Wie hoch steht noch nicht fest.

Das Terrain rund um die Teichanlage ist nicht nur ein besonders beliebter Treffpunkt von Discounter-Spirituosen-Konsumenten - auch Zeitgenossen, die eine diabolische Freude an Zerstörung und Verunstaltung des Parkausstattung haben, treiben dort immer wieder ihr Unwesen. Die Ordnungsdienste haben mit dem Protokollieren der Schäden alle Hände voll zu tun. Die Liste der Gegenstände, die aus der Teichanlage gefischt werden mussten, ist lang: Flaschen, Einkaufswagen, Rasenmäher, Absperrgitter, Motorroller ...

Außerdem wurde eine Vielzahl an Fischen von Unbekannten in den Teich eingesetzt. So mancher, dem die Pflege des Aquariums offenbar zu zeitaufwändig oder zu teuer wurde, siedelte also Nemos Verwandte kurzerhand in das Gewässer am Fuß der Kalkhalde um. Aber auch Wildfänge - zum Beispiel Spiegelkarpfen - wurden in den Teich geworfen.

Wasservögel sorgten nach Angaben der Stadtverwaltung ebenfalls für die Ausweitung des Wildbesatzes an Fischen. Im Laufe der Zeit hatte sich eine große Fischpopulation in dem kleinen Teich gebildet.

Der Sauerstoffgehalt des Wassers war aus mehreren Gründen schnell aufgebraucht: keine Frischwasserzufuhr, Ausscheidungen der Fische und Wasservögel, Fütterung der Fische durch Parkbesucher und eine monatelange Schnee- beziehungsweise Eisdecke, die zu einer verringerten Assimilation - Gasaustausch - bei den Wasserpflanzen führte. Ein Fischsterben war die Folge. Mitarbeiter der KDW beseitigten mehrmals Fischkadaver. Bei einer Aktion wurden Anfang des Jahres sogar 40 Kilogramm toter Fisch aus dem Teich geholt.

Im Rathaus häuften sich Bürgerbeschwerden, das wiederholte Fischsterben rief Tierschützer auf den Plan. Als Sofortmaßnahme wurde ein Teichlüfter eingebracht, der für Sauerstoff sorgt. Die Pumpe ist im Dauereinsatz, da dauerndes Abfischen und mit dem Tierschutz zu vereinbarendes Umsetzen der Fische kostspieliger sein dürfte. Bis zum Ende des Sommers will die KDW die Folgekosten für die Teichanlage ermittelt haben. Das Geld müsste aus der Stadtkasse dem städtischen Tochterunternehmen zur Verfügung stellt werden.

Zum Thema Katzen: Mehrheitlich hat sich der Stadtrat kürzlich dafür ausgesprochen den Paragraphen 6 der Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unter dem Stichwort Tiere im 4. Absatz wie folgt zu ändern: „Katzenhalter/innen, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen und registrieren zu lassen. Dies gilt nicht für weniger als fünf Monate alte Katzen. Als Katzenhalter/in im vorstehenden Sinne gilt auch, wer freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt ...” Die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen hatte der Tierschutzverein für Aachen und Umgebung beantragt, weil Tierheime überfüllt seien. Bei nicht Befolgen des neuen Erlasses kann ein Verwarngeld von 25 Euro fällig werden.

Nach Auffassung der Geschäftsstelle des Städte- und Gemeindebunds ist der Erlass aber nicht rechtmäßig - mangels abstrakter Gefahr. Darüber hatte die Verwaltung die Politik informiert. Kritiker befürchten zudem, dass mit der Verordnung nur ein neuer „Papiertiger” kreiert werde, da Kontrollen unrealistisch seien. SPD und einzelne Stadtverordnete der UWG lehnten die Änderung ab. Die Jamaika-Kooperation votierte für den Antrag der Tierschützer.

Zu den Hunden: Die müssen weiter draußen bleiben. Denn es bleibt dabei, das Mitführen der Vierbeiner bleibt auf den Friedhöfen in Würselen verboten. Die Bestimmung in der Friedhofssatzung ist aber wiederholt kritisiert worden. Aus den Reihen der Politik wurden daher Stimmen laut, dass bei älteren Menschen, die einen Hund - natürlich angeleint - mitführen, Nachsicht geübt werden sollte.
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