Alsdorf/Vaals - Wardener kocht für Hollands Radprofis

Wardener kocht für Hollands Radprofis

Von: Stefan Schaum
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Andenken an die Zeit mit dem T
Andenken an die Zeit mit dem Team: Diese Sportlerinnen hat Sebastian Krause eine Woche lang bekocht.

Alsdorf/Vaals. Eigentlich ist Sebastian Kraus als Koch in der edlen Vier-Sterne-Gastronomie eher für die kleinen aber feinen Gaumenfreuden zuständig. Diesmal jedoch mussten seine Portionen vor allem eins sein: richtig groß!

Zwar hat der Alsdorfer bei einem außergewöhnlichen gastronomischen Gastspiel in Spanien nur für 14 Frauen kochen müssen, „doch die haben teilweise reingehauen wie 60 Mann”. Kein Wunder, schließlich haben die Damen täglich hart am körperlichen Limit trainiert. Der 23-Jährige hat nämlich die niederländische Damen-Profi-Radmannschaft des Teams „Dolmans Boels” beim Höhentraining auf einem Berg bei Pego verpflegt.

Spontan abgehoben

Dort ist er gelandet, weil sein Arbeitgeber einer der Sponsoren der Sportlerinnen ist. Sebastian hat die Chance gleich ergriffen, beruflich auch mal eine ganz andere Seite kennenzulernen. „Donnerstags kam der Anruf, freitags bin ich schon abgeflogen”, sagt der Alsdorfer mit dem ungewöhnlich starken niederländischen Akzent. Den hat er zwar erst seit ein paar Jahren hat, doch mittlerweile kommt es häufiger vor, dass er mitten in einem deutschen Satz stockt und nach dem passenden Wort suchen muss. So sehr ist ihm das Niederländische schon zur Gewohnheit geworden.

2005 hat er im Hotel Kasteel Bloemendaal in Vaals seine Kochlehre begonnen, nachdem er in Deutschland vergeblich nach einer Ausbildung gesucht hatte. „Da kamen nur Absagen rein, war echt frustrierend.” Bei den niederländischen Nachbarn war es hingegen ein Klacks: da gab es bei zwei Bewerbungen prompt ein „Vielleicht” und eine Zusage.

Der Mann fürs Buffet

Nach der Lehrzeit blieb der Wardener in dem Betrieb und hat es dort bereits zum „Banquet-Chef” gebracht, dem zuständigen Mann für das Buffet. Als solchen wurmt es ihn beizeiten, wenn die Niederlande kulinarisch als „Fritteusen-Nation” abgestempelt werden. „Die Küche das Landes hat viele Einflüsse aus aller Welt aufgesogen”, verteidigt er die gastronomische Ehre, „da schwimmt nicht alles bloß im Fett!”

Mit Fett hatte übrigens auch sein jüngster Einsatz bei den sportlichen Damen nichts zu tun. Im Gegenteil. „Da durfte kein bisschen Butter ans Essen, Fett war komplett tabu.” Stattdessen musste er darauf achten, die trainierten Körper mit ordentlich Eiweiß und reichlich Vitaminen zu versorgen. Kein leichtes Unterfangen in einer für das Team angemieteten Finca, die insgesamt zwar ziemlich luxuriös geschnitten gewesen sei, „allerdings eine ganz kleine Küche hatte”. Also hat er ein paar Abstricht gemacht, was die Erlesenheit der Speisen betrifft.

Nach dem Motto: Hauptsache satt. Geschmeckt habe es den Damen dennoch. Klagen hat er jedenfalls nicht zu hören bekommen. „Die waren aber meistens ohnehin zu fertig, um noch groß zu meckern”, sagt er lachend. Bis zu fünf Stunden am Stück saßen die Frauen im Sattel, mitunter auch zwei Mal pro Tag, eine ganze Woche lang. „Ich durfte auch mal im Auto nebenher fahren und zusehen”, sagt Sebstian, „das war schon ein schönes Erlebnis.”

Überdies sei seine Rolle als kochender Hahn im Korb ganz nett gewesen. „Wenn ich das Essen auf den Tisch gestellt habe, wurde ich von den Fahrerinnen regelrecht angeschwärmt.” Wobei er gleich nachschiebt, dass ihm als Koch kaum mal Zeit für den Flirt bleibe. „Das Kochen ist schon ein harter Job, da bringt man es auf etliche Überstunden.” Zeit für sein ehemaliges Hobby, den Fußball, hat er schon lange nicht mehr. Und wenn er doch mal Freizeit genießt, dann tut er eines ganz bestimmt nicht: am Herd stehen. Überhaupt nimmt er es mit der feinen Küche privat nicht immer ganz so eng. Dann gönnt er sich auch mal das, was er den Radfahrerinnen nicht auftischen durfte: „Ein leckeres Schnitzel mit Pommes!”
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