Herzogenrath - Wahlforum: Klares Bekenntnis zur Stärkung der Zentren

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Wahlforum: Klares Bekenntnis zur Stärkung der Zentren

Von: Jule Klieser
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Mehr Leben in die City holen, etwa hier in die Kleikstraße: In Forderungen wie diesen sind sich die Politiker einig. Stadt, Einzelhandel und Investoren sollen zusammenarbeiten. Foto: Jule Klieser

Herzogenrath. „Damit eine Stadt Zukunft hat, müssen sich alle in ihr wohlfühlen, muss jeder zu seinem Recht kommen“, skizzierte unsere Redakteurin Beatrix Oprée und fragte bei den Politikern auf dem Wahlpodium des Stadtmarketings und unserer Zeitung ab, was sie für Zielgruppen wie Junge und Alte, Geschäftsleute, Investoren tun wollen.

Keine Zukunft ohne Jugend, die aber braucht mehr als Kindergartenplätze und Schulen ... „Unsere jungen Menschen haben an Freizeitangeboten außer dem Freibad nichts. Man muss versuchen, für die Jugend etwas zu schaffen, die Disco ist da ein Beispiel. So bindet man die Jugend an Herzogenrath“, sagte Dr. Manfred Fleckenstein, SPD. Die Disco-Forderung aber ist nichts Neues. Warum gibt es immer noch keine? Weil sich keiner gekümmert habe, sagt Fleckenstein. „Wir haben einen Antrag gestellt, er ist abgelehnt worden“, sagt Toni Ameis (Linke).

„Bei Kindern und Jugendlichen gibt es viele Wünsche und Ideen, und nur wenig wird erfüllt. Wir möchten einen Mehrgenerationenspielplatz entwickeln und versuchen, die Generationen zusammen zu bringen“, sagte Dieter Gronowski (CDU). 2400 Jugendliche habe man in Herzogenrath befragt, unter anderem der Ausbau des Personennahverkehrs und ein Treffpunkt in der Stadtmitte seien die Hauptwünsche gewesen, berichtete FDP-Fraktionsvorsitzender Björn Bock. Und was folgt daraus? „Ich kann noch nicht sagen, wo der Jugendtreff etabliert werden könnte.“ Die Jugendlichen sollten den Politikern noch weitere Tipps geben.

„Große Probleme löst man nicht, indem man in jedem Stadtteil eine Disco baut“, befand Kai Baumann (Piraten). Besser sei es, das Vorhandene, beispielsweise das Freibad, zu erhalten und für sichere Mobilität, etwa durch Nachtbusse für die Jugend zu sorgen. „Es kommt immer das Argument, es ist kein Geld da. Es müsste aber für die Jugend locker gemacht werden“, forderte Toni Ameis.

Älteren Menschen ein lebenswertes Umfeld schaffen, möchten alle. Stichworte waren hier vor allem „barrierefrei“ und „Nahversorgung“ (Gronowski). Mehr Kultur für den Geschmack Älterer wünschte sich Fleckenstein, von der Belebung städtischer Plätze sprach Bock, von der Selbstbestimmtheit der Senioren Baumann. Einen Senioren-Fahrdienst am Bahnhof sähe Ameis gern.

Und was kann die Politik für den Einzelhandel tun? Wie steht sie zu den Befürchtungen der Geschäftsleute in Mitte, durch Einzelhandels-Pläne auf dem Straßer Debetz-Gelände ausgehungert zu werden? „Die drei Zentren, die wir haben, sind das A und O. Sie sind identitätsstiftend für den Stadtteil, für die Aufenthaltsqualität“, sagte Dr. Bernd Fasel (Grüne). Das Debetz-Gelände sei ein Beispiel, wo Weichen falsch gestellt werden könnten. „Zentrenrelevante Warenangebote dürfen nicht dort angesiedelt werden“, plädierte er und bekam Applaus dafür. Der Forderung schlossen sich alle anderen weitgehend an, Tenor: Die Zentren müssen gestärkt werden.

Leerstehende Geschäfte finden alle Kandidaten „katastrophal“. Oprée nannte Zahlen: Seit 2011 habe die Zahl der Leerstände in Kohlscheid kontinuierlich zugenommen, 17 seien es dieses Jahr, in Herzogenrath insgesamt finden sich 47 leere Ladenlokale in der Rodastadt, denen aber auch zehn Neueröffnungen seit Jahresbeginn gegenüber stehen. Wie kann das Klima für Investoren verbessert werden? „Viele verschiedene Kräfte müssen ineinander greifen“, schlägt Fasel vor. Die Politik könne für günstige Rahmenbedingungen sorgen, etwa im Straßenverkehr. Immobilienbesitzer seien jedoch auf Rendite angewiesen, und auch die Konsumenten müssten sagen „wir fahren nicht nach Aachen“.

„Große Gebäude zu vermarkten, kann nicht Aufgabe der Politik sein“, sagte Ameis im Zusammenhang mit Debetz. Die Frage „wie Kunden in die Zentren locken?“ blieb im Raum. „Personen ansprechen, die investieren können“, schlägt Bock vor. Infrage käme beispielsweise eine Drogeriekette für Merkstein. Dazu solle eine aktive Person benannt werden, die „auch penetrant dran bleibt“. Dies könne ein Einzelhandelsmanager, aber auch der Bürgermeister sein.

Den Bürgermeister wollte auch Fleckenstein auf den Plan rufen, als es um den Marbaise-Parkplatz am Bahnhof ging: „Dieser Parkplatz soll endlich gestaltet und bebaut werden, dann wird sich vieles von selbst erledigen. Der, dem das Grundstück gehört, bewegt sich nicht, der Bürgermeister muss da mal klare Worte sprechen.“

Investoren sind gefragt: „Warum geht es in Alsdorf und Baesweiler?“, wollte Fleckstein provozierend wissen. Die Rahmenbedingungen seien noch nicht so, dass sich innovative Unternehmen ansiedeln wollten, stellte Baumann fest. Er sieht ein Studentenwohnheim als Möglichkeit, um die geeignete Klientel anzusiedeln. „Mittel und Wege finden, die Leute zu begeistern“, möchte Dieter Gronowski, sieht jedoch auch den Trend, dass Menschen zunehmend im Internet einkaufen. Und wieder das Image der drei Stadtteile: Unter anderem das Historische wie Bergbau und Pferdezucht hervorheben, möchte Fleckenstein. Das Entree von Aachen aus verbessern, schwebt Ameis vor. Vielfalt, Multikulti, Kultur, Freizeit fördern, will Fasel. Die Burg als Kulturzentrum weiterbringen, möchte Baumann.

„Offenbar trägt keine Partei die politische Verantwortung. Es war immer der Bürgermeister schuld, das finde ich seltsam“, merkte im Anschluss ein Zuhörer an. Wie es denn um die Finanzen und den Radschnellweg stehe? Fasel verwies auf das Haushaltssicherungskonzept, das „absolut auf Kante genäht“ sei. Alles darüber hinaus sei nur mit Steuererhöhungen möglich, „die wir nicht wollen“.

Der Radschnellweg steht bei Grünen, FDP und Piraten oben auf der Liste. „Wir wären blöd, wenn wir diese Förder-Gelegenheit nicht nutzen“, sagte Fasel. Die CDU will geprüft wissen, Ameis zuerst bisherige Radwege sanieren. Fleckenstein wehrte sich gegen Ausgaben wie das Machbarkeits-Gutachten, das alleine bereits viel Geld koste...

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