Herzogenrath - Wacher Dialog: Iftar-Essen in Merksteiner Moschee

Wacher Dialog: Iftar-Essen in Merksteiner Moschee

Von: Beatrix Oprée
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Aus Überzeugung mit Kopftuch:
Aus Überzeugung mit Kopftuch: Die Schwestern Seren (l.) und Selcan Basogul engagieren sich schon seit vielen Jahren in diversen Organisationen und Initiativen im Sinne der Integration.

Herzogenrath. „Mut, Offenheit, Vertrauen und der Dialog zwischen verlässlichen Partnern” ist Fehmi Tarasi, Vorsitzender des Integrationsrats, ein Herzensanliegen.

„Ich bin froh, dass es so gut miteinander funktioniert”, bestätigt Bobby van den Berg, der Straßer Pfarrer, der 2001 zusammen mit Tarasi und der islamischen Gemeinde den Dialog begann: „Christen und Muslime müssen miteinander sprechen.” Die Hoffnung, dass auch die ganze Herzogenrather Bevölkerung offen ist für den Dialog, äußert Christoph von den Driesch, der Bürgermeister, „froh und dankbar”, dass alle Ratsfraktionen es längst als selbstverständlich ansehen, der Einladung der DITIB-Gemeinde in Merkstein zu folgen.

Neben vielen Vertretern aus Rat und Stadtverwaltung sind auch die Vize-Bürgermeisterinnen Marie-Theres Sobczyk und Anne Fink gekommen. Zu dritt ist zudem die Polizei vertreten - um das gute Verhältnis zur muslimischen Gemeinde herauszustellen, wie Wachleiter Hans-Josef Flecken betont: „Gott sei Dank haben wir in Herzogenrath auch wenig Probleme mit denen, die auf der anderen Seite stehen.” Den neuen Imam Mehmet Fatih Günes freut das Miteinander: Sein Haus sei stets offen, erklärt er, auch außerhalb des Ramadan.

Freiwillige Entscheidung

Derweil herrscht emsiges Treiben im Saal der Moschee am Boscheler Berg: Die Frauen der Gemeinde haben ihre Kochkünste walten lassen und fahren ein großartiges Buffet auf mit allerlei türkischen Spezialitäten- von Manti, den türkischen Ravioli, über Pilav bis zu Fleischgerichten und Salaten, gekrönt von unwiderstehlichem, in Sirup getränktem süßen Gebäck. Doch bevor man zugreifen darf, muss erst die Sonne untergehen. An diesem Abend ist das genau um 20.49 Uhr. Dann ruft der Imam zum Gebet auf - und alle im Saal dürfen sich die Köstlichkeiten auf der Zunge zergehen lassen.

Wie wenig der 30 Tage dauernde Ramadan trotz der strengen Regeln als Last empfunden wird, schildert die 21 Jahre junge Selcan Basogul, Studentin der Islamwissenschaften und Afrikanistik in Köln. Die Fastenzeit, so bilanziert die gebürtige Merksteinerin, ist eine Aufgabe, vor der alle Muslime gleich sind. Es gibt keine Ausnahme, denn wer aus den vorgeschriebenen Gründen (u.a. Krankheit, Schwangerschaft, Stillzeit, Mens-truation) im Fastenmonat nicht teilnehmen kann, muss die Auszeit nachholen. Aber dennoch: Niemand wird zum Fasten gezwungen, es ist immer eine freiwillige Entscheidung für den Glauben, die aber durch die wachsende Selbstdisziplin auch zu Reichtum und Lebendigkeit des spirituellen Lebens der Gemeinschaft beitrage. Und, so erläutert Basogul: „Bei leerem Magen sind Herz und Verstand klar. Bei vollem Bauch ist das Herz empfindungslos ...”

Offener Unmut über das Sarrazin-Buch

Als „erschreckend” stufte Bürgermeister Christoph von den Driesch in seiner Ansprache beim Iftar-Essen die Tatsache ein, dass zum Ramadan vor einem Jahr just das Sarrazin-Buch die Diskussion um den Islam und die Muslime in Deutschland entbrannt hatte. Und dass diese Diskussion immer noch nicht beendet sei.

Froh stimmte ihn, „dass wir diese Diskussion in Herzogenrath in dieser Art nicht führen müssen.”

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