BM Freisteller VIDEO

Vom Jet-Set in den Drogen-Knast: Andrea Mohr liest ihre Biographie

Von: Jule Klieser
Letzte Aktualisierung:
her_pixie_bu
Nahm kein Blatt vor den Mund: Andrea Mohr las in der Europaschule. Foto: Jule Klieser

Herzogenrath. „Ich war in der Hölle angekommen”, ist einer der ersten Sätze, mit denen Andrea Mohr ihre Lesung in der Europaschule beginnt. Quasi als Kontrastprogramm, denn als fetzige Einleitung der Buchpräsentation hat die 46-jährige Autorin Bilder aus besseren Tagen an die Wand werfen lassen.

Die Fotos von der schönen Frau in verführerischen Posen zeugten von dem einstigen aufregenden Leben in Glanz und Glamour, garniert durch mitreißende Rockmusik. Geld hatte Andrea Mohr immer genug, aus dem Drogenhandel, den sie „ziemlich intelligent” mit kolumbianischen Drogenbossen organisierte.

Die Geschichte der Andrea Mohr, die sie in ihrem Buch „Pixie” erzählt, beginnt mit ihrer Verhaftung in Melbourne 1999, nachdem ihr illegales Treiben aufgeflogen war. Für die im beschaulichen Neustadt an der Weinstraße in bürgerlichen Verhältnissen Aufgewachsene beginnt eine krasse Zeit: kalter Entzug und alle erdenklichen Scheußlichkeiten im Frauenknast „Deep Park” in Victoria. Fünf Jahre brachte sie dort zu, dann durfte sie nach Deutschland zurück, wurde von ihrer Familie wieder aufgenommen. Jetzt geht es ihr gut. Sie lebt als Schriftstellerin in ihrer Heimatstadt.

Ihre Zuhörer im Saal der Europaschule, Schüler der Oberstufe, lachen, als Mohr eine Lektion in Sachen englische Schimpfwörter loslässt. Überhaupt nimmt sie kein Blatt vor den Mund. In Rückblenden blitzen Szenen eines bewegten Lebens auf. 1989 war Mohr die „Blondie” in der Berliner Sex-Szene. „Ich hatte Freude am Nachtleben und am Geld. Beim Striptease-Tanz hatte ich beides in Hülle und Fülle.”

Eine ganz andere Entkleidung erlebte sie im Gefängnis: „Dass diese Wärterin einem anderen Wesen ins Arschloch schaut, wie erniedrigend für sie.” Mit dieser Art Selbstschutz hat sie den Knast überlebt, etliche andere Frauen aber begingen Selbstmord. Alle Insassinnen hätten behauptet, unschuldig zu sein, erzählt Mohr. Mit einigen hat sie Freundschaft geschlossen.

Von Mohrs Heroin-Abhängigkeit erfahren die Schüler wenig. Doch sie haben im Englisch-Unterricht das Buch gelesen, da es auch in englischer Sprache erschienen ist. Jetzt befragen sie die Frau auf der Bühne. Warum sie das Buch geschrieben habe? Warum es „Pixie” heißt? Wenn sie Kinder hätte, was würde sie ihnen zum Thema Drogen sagen? Ob es schwierig gewesen sei, wieder ins normale Leben in Deutschland zu finden?

Kein Zweifel: „Ich war schuldig”

„Ich lasse nie einen Zweifel daran, dass ich schuldig war. Schließlich war ich 36 Jahre alt, als ich verhaftet wurde, über das Risiko war gesprochen worden”, sagt Mohr. Zeigen, wie es im Gefängnis ist, möchte sie mit ihrem Buch. „Pixie” war ihr Spitzname im Knast. Was Drogen betrifft, setzt sie auf rückhaltlose Aufklärung: Jugendliche müssten Informationen über alle Substanzen und vor allem die verunreinigenden Zusatzstoffe bekommen.

Mohr fordert aber auch: „Die Drogenpolitik muss sich ändern.” Im Alter von 14 Jahren rauchte sie Haschisch, später kamen LSD und andere harte Drogen dazu. Das war für sie seinerzeit „der Ausdruck von Anti-Establishment. Ich wollte kein Spießer sein.” Mit dem Wissen von heute würde sie vieles nicht wieder tun, „aber damals war es für mich das Richtige, es war mein Weg.” Und: „Dir muss bewusst sein, was der hohe Preis ist, den ich bezahlt habe!”

Für ihren Schlusssatz bekam sie von den Schülern Applaus: „Man kann Dinge verändern, das ist ein sehr schönes Gefühl.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert