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Virtuell genährt: Angst, Sehnsucht und Bedenken im „Aixpertentheater”

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
Virtueller Gedankenaustausch:
Virtueller Gedankenaustausch: Die E-Mail-Freundschaft zwischen Emmi (Astrid Kempen) und Leo (Christoph Friedrich) wird immer intensiver. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Eigentlich wollte sie nur ein Zeitschriften-Abonnement kündigen. Ein Tippfehler in der E-Mail-Adresse leitet das Schreiben von Emmi Rothner an Leo Leike. Innerhalb kürzester Zeit entsteht zwischen den beiden eine Brieffreundschaft.

Schnell geraten sie in gegenseitige Abhängigkeit, warten auf eine neue Nachricht des anderen. Aus den „freundlichen Grüßen” werden „liebe Grüße”, Komplimente wie: „Es ist überaus angenehm sich mit Ihnen zu unterhalten” werden ausgetauscht. Die Dialoge sind mal philosophisch-geistreich, mal schlagfertig, mal gefühlvoll-verliebt. Geständnisse wie von Emmi: „Ich will nur Ihre Haut riechen” oder Leo: „Es ist wahnsinnig schön mit Ihnen”, machen die E-Mails immer persönlicher.

Das „Aixpertentheater” bringt in seiner aktuellen Inszenierung „Gut gegen Nordwind” die gleichnamige Romanvorlage von Daniel Glattauer auf die Bühne. Unter der Regie von Georg Immelmann spielen Astrid Kempen in der Rolle der Emmi und Christoph Friedrich als Leo den schriftlichen Austausch unter Fremden, aus denen zeitweise Verliebte werden.

Mit „Gut gegen Nordwind” feierte Daniel Glattauer bundesweit einen großen Erfolg. Der Roman, der in Briefform daherkommt, beschreibt das Kennenlernen zweier Persönlichkeiten im Cyberspace. Langsam tastet man sich an den anderen heran. Der Dialog wird zum Schlagabtausch. Ein Partner zieht sich virtuell zurück, der andere schreibt hinterher, dann fliegen Nachrichten hin und her.

Wunsch zu einem Treffen ...

Leo hat eine kaputte Beziehung hinter sich und muss den Tod der Mutter verkraften, Emmi haucht ihm Worte des Trostes ein. Emmi hat eine Familie mit zwei Kindern und fühlt sich von den Schmeicheleien des neuen Freundes bestätigt. Der Wunsch zu einem Treffen keimt auf.

Die Meinungen über Glattauers Roman gehen auseinander. „Trivial” finden ihn die einen, „poetisch” die anderen. Das Aixper-tentheater liest bei seiner Interpretation von „Gut gegen Nordwind” zwischen den Zeilen. Einige Szenen sind kritisch betont, andere unterstreichen die Liebesillusion, in die sich Emmi und Leo zeitweise hineinsteigern, ohne sich real begegnet zu sein. Astrid Kempen und Christoph Friedrich transportieren die Stimmung der besonderen Beziehung zwischen den Charakteren gefühlvoll. Die Bühne ist zurückgenommen, der Fokus liegt deutlich auf dem Dialog.

Beide sitzen mit Laptops in getrennten Bereichen, sie auf dem Bett, er im Sessel. Es sind feine Nuancen, die Ausdrucksweise in den Dialogen und die Intensität, die diese Liebesgeschichte ausmachen. Dazwischen stehen Sehnsucht, Angst und Bedenken vor der ersten Begegnung. Eine gelungene Aufführung, die zwei Sichtweisen auf das Kennenlernen von Menschen im Internet beleuchtet und Raum für eigene Interpretation lässt.

Nächste Aufführung in St. Pius X.

Das „Aixpertentheater” spielt am Samstag, 17. März, 20 Uhr, erstmals in St. Pius X. in Würselen. Das Ensemble zeigt auch dort das Stück „Gut gegen Nordwind”.

Karten können zum Preis von zehn Euro, ermäßigt sieben Euro, auf der Homepage http://www.aixpertentheater.de/kontakt/karten.php reserviert werden.

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