Würselen - Verwaltung muss in Sachen Ankerstraße „nachsitzen“

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Verwaltung muss in Sachen Ankerstraße „nachsitzen“

Von: ehg
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Würselen. Die Verdichtung der Wohnbebauung in drei Bereichen der Innenstadt stand auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Für den Bereich Ankerstraße sollte die Offenlage des von der Verwaltung entwickelten Bebauungsplanes beschlossen werden, nachdem alle, so Fachbereichsleiter Manfred Schmitz-Gehrmann, auf der Bürgerversammlung im November 2012 von Anwohnern angemeldete Bedenken eingearbeitet worden seien.

Dem konnten weder die betroffenen Anwohner, die sich vor Einstieg in die Tagesordnung von der Empore verhement zu Wort gemeldeten hatten, beipflichten, noch der Ausschuss bei dessen späterer Beratung. Der vorgelegte Plan wurde zur Überarbeitung an die Verwaltung zurück verwiesen.

„Es soll das planerisch umgesetzt werden, was wir auf der Bürgerversammlung mit den Bürgern verabredet haben“, meldete sich SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Mix zu Wort. „Was wir vereinbart haben, ist in dem vorgelegten Plan ‚massiv‘ verändert worden.“

Ihm schloss sich CDU-Sprecher Balthasar Tirtey an: „Was hier vorgelegt worden ist, entspricht nicht dem Kompromiss, der nach hartem Ringen mit dem Bürger erarbeitet worden ist.“ Dass der Baukörper dem gegenüber vergrößert worden sei, griff er als ein Beispiel heraus. Auch bei dem gefundenen Kompromiss sei die Dichte der Bebauung noch zu groß, mahnte UWG-Fraktionsvorsitzender Theo Scherberich an. Die für die UWG akzeptablen Abgrenzungen definierte Martina Dubois im Einzeln. Sie postulierte unter anderem zur Ankerstraße hin eine dreigeschossige Bebauung mit einer Traufhöhe von neun Metern und einer Firsthöhe von 13 Metern.

Vernünftige Straßenansicht

Der gefundene Kompromiss sei zu Ungunsten der Anwohner verändert worden, konstatierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dr. Renate Knauf. Sie appellierte, auch die Größe der Wohnungen festzuschreiben, damit es in Zukunft keine Veränderungen geben könne. „Wir müssen uns daran halten, was in der Bürgerversammlung abgesprochen ist“, verwarf auch FDP-Sprecher Markus Carduck den vorliegenden Entwurf.

„Wir werden eine vernünftige Straßenansicht bekommen“, beugte sich Planer Schmitz-Gehrmann dem einstimmigen Votum des Ausschusses. Er betonte in Bezug auf die 1,5 ausgewiesenen Stellplätze pro Wohnung, dass das viel sei. Gesetzlich vorgeschrieben sei ein Platz.

Auf dem Gelände an der Nordstraße soll der Bebauungsplan 215 aufgestellt werden, um den Bau eines Wohnheimes für Menschen mit Behinderung und Wohnbebauung möglich zu machen. Da ein über die Nordstraße erschlossenes rund 4200 Quadratmeter großes Wiesengelände bebaut werden soll, muss auch der Flächennutzungsplan geändert werden. Auf dem Gelände soll südlich ein dreigeschossiges Wohnheim der Caritas Lebenswelten (CLW) entstehen. Nördlich soll das Gelände für eine zweizeilige Wohnbebauung in ähnlicher Höhe genutzt werden. Durch den Neubau soll das Wohnheim von bisher Mauerfeldchen verlegt und die Wohnsituation der Bewohner verbessert werden. In ihm werden 24 Männer und Frauen mit geistigem Handicap in drei Wohngruppen stationär betreut. Während alle übrigen Fraktionen die Initiative der CLW begrüßten, lehnte UWG-Fraktionsvorsitzender Theo Scherberich eine weitere Wohnbebauung an dieser Stelle kategorisch ab. Der Bündnisgrüne Dr. Ansgar Klein hatte Bauchschmerzen, da eine Grünfläche aufgegeben werden müsse. Abzuwarten, was die einstimmig beschlossene Beteiligung der Bürger bringe, riet FDP-Fraktionssprecher Markus Carduck. Um Rechtssicherheit zu erlangen, verzichtete der Ausschuss auf ein beschleunigtes Verfahren, wie von Fachbereichsleiter Schmitz-Gehrmann angeraten. Bis zur Bürgerversammlung wollten die CLW eine ausgereifte Konzeption für das Projekt entwickeln.

Schließlich wurde noch einstimmig beschlossen, im Bereich Drischer Straße, Ringstraße und Sebastianusstraße durch das Aufstellen eines B-Planes grünes Licht für eine Bebauung zu geben. Dazu Schmitz-Gehrmann: „Da offenbar weiterhin großer Bedarf an Wohnungsbau-Grundstücken besteht, soll der Bebauungsplan Nr. 207 nun wieder aufgegriffen werden.“ Der neue B-Plan verfolge die Ziele des alten Planes 5 A, in dieser integrierten Lage qualifizierten Wohnungsbau zu entwickeln. Das rund 20.000 Quadratmeter große Areal umfasst den „Blockinnenbereich“ zwischen der Drischer Straße, der Ringstraße und der Sebastianusstraße.

Er besteht aus einer großen Weidefläche, auf der derzeit Rotwild grast. Der östliche Bereich ist überwiegend durch Gehölzstrukturen aus Einzelbäumen geprägt. Zudem befinden sich auf der Weide einzelne schützenswerte Baumsolitäre oder Heckenrudimente und einige zum Teil bereits abgängige alte Obstbäume. Südlicht der Diskothek gibt es eine versiegelte Fläche, die derzeit als Stellplatzanlage für deren Mitarbeiter genutzt wird. Innerhalb des neuen Wohngebietes mit rund 70 Wohneinheiten dient eine ringförmig angelegte Wohnstraße der Erschließung. Auch bei dieser Bebauung eine Konzeption mit den Bürgern zu entwickeln, dafür plädierte SPD-Sprecher Stefan Mix.

UWG-Chef Scherberich bedauerte, dass über die nach altem Gesetz für die Diskothek ausgewiesenen 17 Parkplätze hinaus nicht mehr ausgewiesen werden könnten. Die erhaltenswerten Bäume in private Hand zu geben, regte er an.

Schweren Herzens „verabschiedete“ sich der Grüne Dr. Renate Knauf „von einer ökologisch wertvollen Fläche“. Wir dürfen keine seltene Tierarten vertreiben“, forderte sie, bevor die Bagger anrollen, ein ökologisches Gutachten erstellen zu lassen. Auch CDU- und FDP-Fraktion stehen dem Vorhaben positiv gegenüber.

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