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Verständigung war ihr ein Herzensanliegen

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
annibu
Aufeinander zugehen, nicht voneinander weggehen”: Anni Bückens Grundsatz wird immer aktuell sein. Repro: Schaum

Herzogenrath. Sie hat das harmonische Miteinander der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen einfach gelebt. 1997 war sie dafür als erste „ausländerfreundliste Nachbarin” in der Stadt Herzogenrath geehrt worden: Anni Bücken ist jetzt im Alter von 96 Jahren gestorben.

„Sie war bis ins hohe Alter aktiv, hat ihr Lebtag viel Eigeninitiative gezeigt, wenn es um die Verständigung ging”, würdigt Stadtverordnete Anne Fink auch im Namen des Internationalen Arbeitskreises „Hand in Hand”. Die Arbeitsgemeinschaft war vor über 25 Jahren als AK gegen Fremdenfeindlichkeit gegründet worden, „damals war die Hochzeit der Asylbewerberverfahren. Und wir haben die Flüchtlingsfamilien betreut”, erläutert Fink, die sich selbst immer noch um vier afrikanische Familien kümmert. Bis heute ist der AK eng mit der evangelischen Flüchtlingshilfe verknüpft, die durch die Stadt und die evangelische Kirche finanziert wird. Und Anni Bücken, Mitgbegründerin des AK, hat sich hier sehr verdient gemacht. „Sie war bis ins hohe Alter aktiv, hat ihr Lebtag viel Eigeninitiative gezeigt, wenn es um Verständigung von Deutschen und Nichtdeutschen ging”, würdigt Fink. „Sie hat dabei auch keine Angst vor Rechtsradikalen gehabt.”

Sorgfältig hat die couragierte Mutter von zwei Söhnen ihr Leben dokumentiert. In ihrem Nachlass finden sich auch Dankesbriefe von Familien, die sie wie ihre eigene aufgenommen hatte. „Wir freuen uns mit Ihnen”, schrieben Familien aus der Türkei, Nepal, Afghanistan und dem Kosovo denn auch, als Anni Bücken im Alter von 83 Jahren für ihren Einsatz offiziell geehrt wurde.

„Heute möchte der Ausländerbeirat Danke sagen, Anerkennung zollen einer aufrichtigen Dame, die stets unerschrocken Freundschaft hält zu unseren ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern”, würdigte sie Ramazan Coskun, damals Vorsitzender des Ausländerbeirats. „Solidarität kennt keine Grenzen, keine Unterscheide zwischen den Menschen verschiedener Abstammung. Frau Bücken, Ihr solidarisches Leben, Ihr Tun, Ihre herausragende Hilfsbereitschaft sind Vorbild für Jüngere, für uns alle”, ergänzte er und: „Mit Ihrer Wahl zur ausländerfreundlichsten Nachbarin ist die Messlatte für weitere Ehrungen in der Zukunft reicht hoch gelegt.”

Eine große Überraschung sei die Auszeichnung für sie, entgegnete sie damals bescheiden - und dankte ihrerseits „für die Freude und die Ehre”: „Es war ein großer Tag für mich, den ich nie vergessen werde!”

Nazi-Schikanen miterlebt

Ihr Einsatz für das Miteinander der Menschen wurzelte in Erlebnissen unter der Nazidiktatur. 1930 hatte die junge Anni die Lehre in einem jüdischen Konfektionshaus begonnen, hautnah erlebte sie in den Folgejahren die schrecklichen Schikanen gegen die Juden mit.

Als ihrem Ehemann Leo während des Krieges beim EBV eine junge Polin als Zwangsarbeiterin zugeteilt wurde, nahmen die Bücken sie in die Familie auf. 44 Jahre später kam ein Brief aus Polen in Kohlscheid an, in dem jene Luisa Jadwiga um eine Bescheinigung für ihren Arbeitseinsatz in den Jahren 1943/44 bat. Der Kontakt war wieder geknüpft, die Freundschaft wurde aufgefrischt. Ebenso erinnerte sich ein amerikanischer Soldat an die Bückens während der Besatzung. Er meldete sich 1973 wieder, zweimal reiste das Ehepaar in die USA, ein drittes Mal, nach dem Tod ihres Mannes, Anni Bücken alleine. Sie lernte dazu im hohen Alter sogar noch Englisch, um sich besser verständigen zu können.

Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alter waren neben ihrem Einsatz für das Miteinander der Menschen ebenfalls ein Herzensanliegen von Anni Bücken. Auch in diesem Punkt wird sie als großes Vorbild weiterleben.
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