Verkehrskampagne zeigt bei Schülern immense Wirkung

Von: Stefan Schaum
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Der Straßenrand als Ort der T
Der Straßenrand als Ort der Trauer und ein Bild, das abschrecken soll: Auch bei dem Unfall, der im Dezember bei Aachen-Brand fünf Menschenleben forderte, war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache. Foto: Stefan Schaum (6)/Michael Jaspers

Alsdorf. Das knallt voll rein, ganz direkt und ohne Warnung. Mitten in die Magengrube soll es hineinfahren, damit es auch wirklich in den Köpfen der Teenager ankommt. Es sind schreckliche Bilder, die die Zehnklässler am Donnerstagmorgen zu sehen bekommen.

Aufnahmen von blutenden, toten Körpern in völlig zerstörten Autos. Fotos von Kerzen und Kreuzen an den Straßenrändern der Region, in der die Jugendlichen selbst leben.

Zimperlich agiert niemand auf der Bühne in der Blumenrather Europahauptschule. Nicht die Polizisten, nicht die Feuerwehrmänner, nicht die Sanitäter. Sie schildern die Unfälle und das Sterben so, wie sie es immer wieder erleben müssen. Hart, realistisch, ungeschönt. Sie wollen schockieren. Um so vielleicht Leben retten zu können.

Das Leid der Helfer

„Es geht uns darum, eine größtmögliche Betroffenheit zu erreichen, damit die Schüler nachdenklich werden”, sagt Polizeihauptkomissar Hans-Dieter Wisniewski, der das NRW-Projekt „Crash-Kurs” für die Städteregion Aachen betreut. Man könnte auch sagen: Die Polizei ist es langsam leid, immer nur zu mahnen.

Jetzt fährt sie einen harten Konfrontationskurs. Den erleben am Donnerstag rund 300 Schüler, Zehntklässler der Europahauptschule und der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule, des Gymnasiums und der beiden Alsdorfer Realschulen. Während im Bühnenhintergrund Fotos von Unfällen zu sehen sind - etwa dem auf der Roermonder Straße in Kohlscheid, bei dem im vergangenen Jahr am Rosenmontag zwei Jugendliche ihr Leben verloren - schildern im Vordergrund die Helfer, wie sie diese Szenen erlebt haben. Etwa Bernd Hollands, seinerzeit Stadtbrandinspektor.

Um Gefühle geht es in seinen Worten: „Wir sind ja keine Rettungsroboter, wir sind Menschen. Wir sehen da Dinge, die auch wir manchmal kaum verarbeiten können.” Und so wie die Retter an einem Unfallort bewegt sind, sind es auch die Schüler in der Aula. Bevor es losgeht, plaudern sie munter miteinander. Auch während der ersten paar Minuten hört man hier und da ein Raunen oder Kichern. Und dann: gar nichts mehr. Nur Stille. Und als die Bilder noch drastischer werden und die Geschichten härter, hört man auch ein Schluchzen.

Erst nur vereinzelt, später halten viele Zuhörer Taschentücher in den Händen. Als am Ende eine Mutter auf einem Stuhl auf der Bühne Platz nimmt und mit bewegter Stimme über ihre Tochter spricht, die als 16-Jährige als Beifahrerin ihr Leben bei einem Unfall verlor und die auf einem Foto im Bühnenhintergrund als lachender Teenager zu sehen ist, halten es viele nicht mehr aus und verlassen unter Tränen den Raum.

Schon zuvor waren ein paar Schüler hinausgegangen, um dort mit dem Polizeiseelsorger Michael Lang zu sprechen. Er fängt die auf, die nicht klarkommen mit den Dingen, die sie da hören.

Aber hören sollen sie sie. Um zu begreifen, dass auch sie als Verkehrsteilnehmer gefordert sind, aufzupassen und nichts zu riskieren. Die Botschaft bringt Rettungsassistent Oliver Greven am Ende seines Vortrags auf den Punkt: „Passt auf, riskiert nicht euer Leben. Tut uns das nicht an. Tut Euch das nicht an!”

Mancher der Schüler verlässt nach dem Ende stumm den Raum, andere nutzen die Gelegenheit, noch mit den Helfern zu sprechen. Unbewegt, das ist deutlich in den Gesichtern zu sehen, ist hier niemand. Zielgruppe erreicht, könnte man sagen. „Es ist wirklich eine, die uns große Probleme macht”, sagt Hauptkommissar Hans-Dieter Wisniewski.

„Die 17- bis 25-Jährigen machen zwar nur acht Prozent der Autofahrer aus, verursachen aber an die 70 Prozent der Unfälle.” Meist unter Einfluss der „Killer”, wie es im Polizeijargon heißt: Alkohol, Drogen, hohes Tempo oder Handybedienen am Steuer.

Die Realität holt Vorträge wie diesen immer ein. Am Donnerstagabend fuhr ein 17-jähriger Rollerfahrer gegen 21 Uhr auf der Geilenkirchener Straße in Herzogenrath auf ein vor ihm fahrendes Auto. Er flüchtete nach dem Sturz mit seinem Beifahrer, wurde aber beobachtet und von der Polizei angehalten.

Ein „Killer” war auch hier im Spiel: Der Fahrer aus Übach-Palenberg und sein Sozius standen laut Polizei unter Alkoholeinfluss. Sie wurden nur leicht verletzt. Opfer sind sie dennoch. Der eigenen Leichtsinnigkeit.
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