Verkaufsoffene Sonntage: Wenn der Rubel erst richtig rollt

Von: Robert Flader
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Manchmal will der Kunde eben sieben Tage lang König sein: Auch für Einzelhändler wie Ralf Schmitz (l.) und sein Mode-Geschäft sind verkaufsoffene Sonntage längst nicht mehr wegzudenken.

Nordkreis. Für manch einen ist der Sonntag schlicht und einfach heilig. Gleichbedeutend mit Familie, Freizeit und Entspannung. Für Menschen wie Ralf Schmitz ist der Sonntag in gewisser Weiße auch ein heiliger Tag. Und zwar genau vier Mal im Jahr. Dann, wenn der Rubel erst richtig rollt, wenn die Geschäfte ihre Türen öffnen.

„Auf verkaufsoffene Sonntage können wir nicht verzichten”, stellt Schmitz, Inhaber eines Modegeschäfts in Baesweiler, klar. „An einem guten Sonntag bringt der Verkauf einen ganzen Wochenumsatz ein.”

Mit seiner Meinung steht der 46-Jährige nicht alleine da. Zahlreiche Händler aus dem Nordkreis sehen in den vier gesetzlich festgeschriebenen Sonntagen im Jahr, an denen sie ihre Geschäfte öffnen dürfen, mehr als nur eine Zusatzeinnahmequelle. „Die meisten Einzelhändler stehen voll dahinter”, erklärt Ingo Klein, Geschäftsführer des Stadtmarketings Herzogenrath. „Auch als Stadt kann man sich bei dieser Gelegenheit wunderbar präsentieren.”

Stadtfeste als bunter Rahmen

In Herzogenrath, Würselen, Alsdorf und Baesweiler sind die verkaufsoffenen Sonntage traditionell mit bunten Stadtfesten verbunden. „Das zieht zusätzlich Leute an”, sagt Elke Graf, seit dieser Woche Geschäftsführerin der Aldsorfer Aktionsgemeinschaft. „Die gesamte Geschäftswelt hat an diesen Tagen die Chance, sich einem breiten Publikum zu zeigen.”

Auch die Politik befürwortet die offenen Sonntage, schließlich genehmigt sie diese (in der Regel) auch. „Im Vergleich zu anderen Städten brauchen wir solche zusätzlichen Aktivitäten”, sagt der Würselener Bürgermeister Arno Nelles (SPD). „Von vielen Besuchern profitiert dann wiederum das gastronomische Gewerbe.” Das Ergebnis des Aachener Stadtrates, insgesamt 17 verkaufsoffene Sonntage für 2010 abzulehnen, stößt in den Nachbargemeinden auf Unverständnis.

„Diese Entwicklung gibt einem zu denken, ist aber für uns kein Thema”, erklärt Christoph von den Driesch (CDU). Der Herzogenrather Bürgermeister will sich auch weiterhin an die gesetzlich vorgegebenen vier Sonntage halten. „Das hat sich in den letzten Jahren für die ganze Stadt bewährt.”

Ralf Schmitz erzählt davon, dass an Sonntagen „fast immer die gleichen Leute ins Geschäft kommen”. Und dass sie sich dann mehr Zeit nehmen würden, dass Einkaufen an Sonntagen einfach anders sei. „Entspannter”, wie Schmitz es ausdrückt. Ist der Kunde sonntags erst Recht der König? „Das kann man sagen.”

Natürlich sei auch die Wirtschaftskrise am Einzelhandel nicht spurlos vorbeigehen. „In der heutigen Zeit ist es gefährlich, auf diese Option zu verzichten”, sagt er mit Blick auf zahlreiche verkaufsoffene Sonntage in Belgien und den Niederlanden. „Es wäre ein riesiger Imageverlust.” Genau der sei auf Dauer nicht auszugleichen, sagt Manfred Wirtz: „Vor allem entlang der Kaiserstraße sind die Geschäfte sonst nie so voll”, sagt der Vorsitzende der Würselener Arbeitsgemeinschaft für Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie. „Es geht letztendlich auch um Arbeitsplätze.” Günter Diederen vom Gewerbeverband Baesweiler sieht es ähnlich: „Dieser Tag ist für manche Händler fast schon von existenzieller Bedeutung.”

Existenz. Das ist es, worum es letztlich auch Ralf Schmitz und seinen drei Mitarbeitern geht. „Machen wir uns nichts vor”, sagt er. „Das überragende Konsumverhalten aus den 70er und 80er Jahren ist vorbei. Heute leben wir vom Wochenendgeschäft.” Deshalb sei jeder offene Sonntag für Einzelhändler wie ihn auch „ein willkommenes Geschenk”. Oder, anders ausgedrückt: heilig.
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