Nordkreis - Vergrämte Saatkrähen: Nester aus den Bäumen geholt?

Vergrämte Saatkrähen: Nester aus den Bäumen geholt?

Von: Karl Stüber
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Alles Gute kommt von oben? Nicht immer! Am St.-Brieuc-Platz in Alsdorf wird auf Schildern vor Vogelkot gewarnt, aber gleichzeitig auf die Schutzwürdigkeit von Saatkrähen hingewiesen. Foto: Stüber

Nordkreis. Das Ei will befruchtet, gelegt und ausgebrütet sein. Ein Nest muss her. Aber wo soll das sein? Derzeit stimmen die am Volkspark in Baesweiler gezielt vergrämten Saatkrähen per Flügelschlag und Landeanflug darüber ab, wo sie die nächste Brut aufziehen wollen.

Der Frühling ist ausgebrochen, und nicht nur die Bäume schlagen aus. Der Saatkrähen Daseinszweck, ihr Naturell zwingen sie dazu. Sie können nicht anders.

Haben die 109 zuletzt am Volkspark in Baesweiler registrierten Paare die ihnen von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen eingerichteten und zugewiesenen Quartiere in der Nähe des Strom-Umspannwerks zwischen Setterich und Siersdorf brav bezogen? Nein! Das haben Hans Raida und weitere Mitglieder des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Kreisverband Aachen Land, festgestellt. „Die Nester dort sind bislang nicht angenommen worden.

Die Saatkrähen lassen sich dort auch nicht sehen. Nur im Umfeld sind einige auf Felder bei der Nahrungssuche zu beobachten”, sagt Raida. Der Herzogenrather ist oft unterwegs, und die Umweltschützer sind gut untereinander vernetzt.

Innerhalb von zwei bis drei Tagen entsteht ein Nest, das sogar Stürmen widerstehen soll. Aber möglicherweise nicht übelwollender Menschenhand. So stellte der Nabu fest, dass am St.-Brieuc-Platz seit Anfang Februar ein seltsamer Nesterschwund in den Bäumen stattgefunden hat. Von 46 sank die Zahl auf nur noch 9 zu Weiberfastnacht. „Da müssen menschliche Helfer bei Nacht und Nebel unterwegs gewesen sein und mit Teleskopstangen die Nester heruntergestoßen haben”, mutmaßte Raida.

Der Alsdorfer Nabu-Mann Karl Gluth hält es ebenfalls für unrealistisch, dass die Nester auf natürlich Weise verschwanden, etwa durch Sturm. Ein solches Windereignis habe es im entsprechenden Zeitraum nicht gegeben.

Schlüssige Beweisführung fehlt

Auch der bei Krähen durchaus übliche gegenseitige Raub von Nistmaterial könne nicht als Erklärung dienen. Denn dann hätten im Umfeld neue Nester entstehen müssen. Letztlich hat Gluth von einer Strafanzeige abgesehen - wegen fehlender schlüssiger Beweisführung, wer denn nun hinter dem Nesterschwund steckt.

Klaus Mingers, lange Jahre beim Ordnungsamt der Stadt Alsdorf und nun im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig, erinnert daran, dass schon vor Jahren mal der Verdacht geäußert wurde, dass Nester gewaltsam und widerrechtlich am St.-Brieuc-Platz entfernt worden seien. Auch damals konnte das nicht bewiesen werden.

Unabhängig davon prangen - wie bereits berichtet - Schilder am St.-Brieuc-Platz, die auf die Krähen aufmerksam machen und deren Treiben gemäß Naturschutzgesetz als rechtens ausweisen. Nachdem die ABU-Fraktion mit ihrem Ansinnen gescheitert war, während der Brutzeit den Parkplatz dort aus der Bewirtschaftung (Gebührenerhebung) herauszunehmen, weil dies laut Verwaltung mit Blick auf das Haushaltssicherungskonzept nicht genehmigungsfähig ist, sind laut Mingers besagte Schilder zwecks Aufklärung der Nutzer aufgestellt worden.

Zurück zu den aus dem Baesweiler Volkspark vertriebenen Saatkrähen, die per Ausnahmegenehmigung am Volkspark weichen mussten, weil sie mit Blick auf einen nahen Kindergarten störten und sogar - wie berichtet - die Gesundheit zu gefährden drohten.

Ziehen die nach Alsdorf um? Bemerkenswertes tut sich derzeit am Alsdorfer St.-Brieuc-Platz trotz des mutmaßlichen Zerstörens von Nestern. Dort zählten die Nabu-Leute im letzten Jahr 78 Nester. Die damit verbundenen Nebenwirkungen wie Lärm und Kot ließen zuletzt die ABU-Fraktion bei der Unteren Landschaftsbehörde nachhaken, ob denn nicht auch die Saatkrähen-Kolonie im Zentrum von Alsdorf vertrieben werden könne - ebenfalls mit Blick auf eine Kindertagesstätte. Nein, lautete die Antwort. Die Verhältnisse in Baesweiler seien nicht mit Alsdorf zu vergleichen, hieß es.

Rege Bautätigkeit

Am vergangenen Samstag zählte Raida im Zentrum von Alsdorf schon wieder 66 Nester - und die Bautätigkeit dauert an, wie viele in der Luft kreisende Saatkrähen belegen. Da können noch etliche Nester hinzukommen. Ob vertriebene Baesweiler Krähen dabei sind, lässt sich leider nicht erkennen. Vögel tragen keine Hoheitsabzeichen wie Flieger, sondern allenfalls Ringe. Aber die wurden ihnen vor der Vergrämung nicht übergestreift. So darf spekuliert werden.

Noch unklar ist zudem, ob nicht zumindest ein Teil der Volkspark-Krähen innerhalb von Baesweiler zur Kolonie an der Wolfsgasse wechseln. Im letzten Jahr wurden dort 150 (!) Nester gezählt - nach 63 im Jahre 2009. Die Tendenz ist deutlich steigend.

Raida sagte, dass der Nabu mit drei Leuten dort in ein paar Tagen die Zahl der Nester erfassen will. Viel spreche dafür, dass die am Volkspark ausgebürgerten Saatkrähen sich auf vorhandene Kolonien verteilen - innerhalb von Baesweiler und eben in Alsdorf.

Und nebenbei bemerkt: Im Alsdorfer Burgpark sind fünf von vier entsprechenden Nestern mit Saatkrähen bestückt. Vielleicht kommen da ja auch noch weitere dazu...
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