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Vereine müssen weiße Weste der Betreuer prüfen

Von: Elisa Zander
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Auch wer ehrenamtlich im Kinder- und Jugendbereich arbeitet, muss künftig einen Einblick in sein Führungszeugnis gewähren. Vereine fürchten, dass so potenzielle Mitarbeiter abgeschreckt werden. Foto: Imago/Sämmer

Nordkreis. Es ist eine große Verantwortung, die jeder Einzelne trägt, der mit Kindern arbeitet. Das ist im Beruf nicht anders als in Vereinen. Jeder, der bei seiner Tätigkeit – im Sport, bei Ferien- und Freizeitangeboten sowie der Hausaufgabenbetreuung – mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, sollte stets ihr Wohl im Blick haben.

Viele öffentlich gewordene Misshandlungs- und Missbrauchsfälle in den vergangenen Monaten haben dazu geführt, dass auch der Gesetzgeber gehandelt hat. Festgehalten im Bundeskinderschutzgesetz mit Verweis auf das Strafgesetzbuch VIII heißt es – verkürzt dargestellt – dass alle, die ehren- oder nebenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen.

Davon erhofft sich der Bund, potenzielle Straftäter rechtzeitig ausfindig zu machen und von der Jugendarbeit auszuschließen.

Es ist eine Änderung, die eigentlich positiv aufgenommen werden sollte. Schließlich will niemand, dass ein verurteilter Sexualstraftäter die Betreuung von Kindern und Jugendlichen übernimmt. Das erweiterte Führungszeugnis bringt aber auch Arbeit für die Vereine mit sich: Alle Träger, die nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz anerkannt sind, müssen zum 1. Januar 2014 prüfen, welches Vereinsmitglied ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss.

„Jemand, der einmal im Jahr beim Sommerfest den Grill beaufsichtigt, braucht das erweitertes Führungszeugnis nicht“, erläutert Ralf Pauli, Jugendpfleger vom Jugendamt der Städteregion Aachen, das unter anderem für Baesweiler zuständig ist. Jemand, der als Turniermeister Kinder und Jugendliche zu Wettkämpfen begleitet oder Personen, die sich in den Umkleidekabinen der Kinder aufhalten, hingegen schon. Diese Auflage gilt für alle strafmündigen Ehrenamtlichen, sprich Menschen ab 14 Jahren.

Es ist viel bürokratischer Papierkram, der mit der Gesetzesänderung an die Jugendämter und dann an die Vereine weitergegeben wurde. „Ich weiß vom Aufwand für Vereine, die eh schon viel leisten und ich kann verstehen, dass sie besorgt sind, dass zusätzliche Arbeit auf sie zukommt“, sagt Pauli.

„Aber das erweiterte Führungszeugnis ist ein wichtiger Schritt und kann helfen, Kinder und auch den Verein zu schützen. Voll umfänglich ist das jedoch nicht, denn der Kinder- und Jugendschutz geht wesentlich weiter. Man muss aufmerksam sein und auch einschreiten. Auf einem Führungszeugnis darf man sich nicht ausruhen.“

Fehlende Transparenz

Die Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes, die Sicherung des Kindeswohls und die Verstärkung der Kontrolle, Kinder davor zu schützen, unsittlich berührt oder gar missbraucht zu werden – trotz der vielen Zustimmung bietet die Gesetzesänderung auch Zündstoff. Denn Einblick in das erweiterte, polizeiliche Führungszeugnis soll künftig der Vereinsvorsitzende nehmen.

Gerade in kleineren Orten kann das zum Problem werden, denn jede kleine oder auch größere (Jugend-)Sünde ist in den erweiterten Führungszeugnis vermerkt, worüber der Vorsitzende dann in Kenntnis gesetzt wäre – auch über Dinge, die den Verein nichts angehen. Eine Schwachstelle, die in Augen von Ralf Pauli nachgebessert werden sollte, etwa durch eine neutrale Instanz.

Qualitätsmerkmal für Vereine

Verpflichtend ist die Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses erst einmal für Vereine, die Mittel beim Jugendamt für diverse Maßnahmen beantragen. Doch Pauli betont: „Es ist ein Qualitätsmerkmal für die Arbeit des Vereins, Trägers und Verbands.“

Die Kosten für das Führungszeugnis müssen nicht von den Vereinen getragen werden: Bestätigt der Träger oder der Verband, dass jene Person das erweiterte Führungszeugnis für die Vorlage im Verein benötigt, werden die Kosten vom Bundesamt für Justiz übernommen. Beantragt wird das erweiterte, polizeiliche Führungszeugnis beim zuständigen Einwohnermeldeamt.

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