Unterkünfte für Flüchtlinge sind ein Problem

Von: mas
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„Die Leute wollen unsere Sprache ja lernen“, bekräftigte Alfred Dubois vom Freundeskreis Jülicher Straße 24 gegenüber Professor Ulrich Deller. Foto: Sigi Malinowski

Würselen. An einer Ausweitung des Überwürfnisses ist niemand interessiert. Das betonten alle Beteiligten, die der Einladung von Würselens Bürgermeister Arno Nelles gefolgt waren. Der Ratschef hatte um das Gespräch am „runden Tisch“ gebeten. Thema ist der anstehende Umzug von Asylbewerbern aus der bisherigen Unterkunft mitten ins Stadtzentrum – und zwar in die obere Kaiserstraße.

Das Wohnen in der jetzigen Unterkunft, einer alten Schule an der Jülicher Straße Broichweiden ist, da sind sich alle Beteiligten einig, menschenunwürdig (wir berichteten mehrfach). In der oberen Kaiserstraße hatte die Stadt Wohnungen als geeignet ausgesucht, die interimsmäßig von den Asylbewerbern genutzt werden könnten. Das wiederum rief Anwohner und Geschäftsleute auf den Plan, die sich mit diesen Absichten seitens der Stadt überfahren und schlecht informiert fühlen. Eine heftige öffentliche Diskussion wurde zum Selbstläufer. Auch der Begriff Rassismus machte immer lauter die Runde.

Die Moderation des Gesprächsabends, Ort war das Alte Rathaus, hatte der Aachener Hochschullehrer Professor Dr. Ulrich Deller übernommen. Er leitete ein, die bisher breit gefassten Meinungen in einen Dialogprozess einbinden zu wollen: „Es ist völlig normal, unterschiedliche Interessen zu haben.“ Nur, so fragte der Moderator, wie können Lösungen aussehen? „Welche Ideen haben wir in Würselen, wie wir mit den Asylbewerbern gemeinsame Vorgehensweisen erarbeiten können?“

Bürgermeister Arno Nelles versicherte, die Stadt arbeite derzeit Konzepte aus: Darin ist, als Teil des Bereiches Singer-Gelände, auch die Attraktivitätssteigerung der oberen Kaiserstraße eingebunden. Denn, auch das ließ Nelles nicht außen vor, „die obere Kaiserstraße ist von der Frequentierung her momentan am schlechtesten bestellt“. Noch im Juni, das versprach der Bürgermeister, wolle sich die Stadt auch in dieser Hinsicht mit der „Arge“ (Arbeitsgemeinschaft Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie) austauschen.

„Arge“-Vorsitzender Manfred Wirtz unterstrich in der Gesprächsrunde nochmals: „Wir haben nichts gegen Asylbewerber. Wir wollen lediglich, dass die Häuser, in die die betroffenen Menschen hineinkommen nicht das Erscheinungsbild wie in Broichweiden haben. Andere Befürchtungen haben wir nicht“. Damit hatte Wirtz auch den „Nerv“ von weiteren Geschäftsleuten und Anwohnern getroffen. Ein weiterer dort ansässiger Geschäftsmann hakte ein: „Wir helfen gerne, doch wenn wir unsere Befürchtungen nennen, werden wir direkt über Leserbriefe an den Pranger gestellt“. Er vertritt die Auffassung, man „kann die Menschen nicht einfach in ein Haus stecken und die Tür zu machen. Für diese Menschen müssen auch Ansprechpartner da sein.“ Mehrfach wurde bemängelt, dass die Häuser seitens der Stadt nicht ausreichend betreut würden. Manfred Wirtz: „Die Häuser sollen wenigstens von außen ansehnlich sein.“

Jürgen Hohlfeld und auch Hans-Peter Clahsen – beide dem „Freundeskreis Jülicher Straße 24“ zugehörig – äußerten sich in Richtung Geschäftsleute, „sehr erfreut über Ihre Worte“ zu sein. „Uns geht es auch darum, die Eindrücke, die entstanden sind, abzubauen“, betonte Hohlfeld. Er appellierte an die Stadt: „Sorgen Sie dafür, dass die Asylbewerber nicht in irgend ein Ghetto abgeschoben werden.“ Ein weiterer Geschäftsmann geißelte den derzeitigen Zustand von Teilen des Singer-Geländes, der auf die Innenstadt negativ abfärbe: „Wenn ich das Gelände sehe, habe ich das Gefühl, wir befinden uns im Krieg. Und diesen Zustand laste ich der Politik an.“ Hier setzte Arno Nelles an, indem er darauf hinwies, dass in Zukunft etwas passieren werde. Die Stadt sei „noch nie so weit wie jetzt, was Verhandlungen mit einem Investor betrifft“. Dieser habe „erhebliche Summen“ investiert. Am Garten des Singer-Geländes festgemacht, ging ein Vorschlag aus der Versammlung hervor: „Dort könnten sich die Asylbewerber einbringen und die Pflege übernehmen.“

Schwerpunkte des Abends, als große Probleme verstanden, waren darüber hinaus mangelnde Sprachförderung und fehlende Arbeitserlaubnis, die mit dem Asylbewerbungsverfahren einhergehe. Einige Asylbewerber meldeten sich selbst oder über eine Dolmetscherin zu Wort und beklagten: „Wir würden uns gerne einbringen und etwas tun, aber wir dürfen nicht.“ Zudem wurde gefragt: „Wie sollen wir ein Haus verschönern, wenn wir keine Mittel haben?“ Offenbar sind auch die Angebote hinsichtlich von Sprachkursen nicht bekannt genug. Auch das wurde vor allem vom „Freundeskreis“ – unter anderem durch Alfred Dubois („Die Leute sind hoch motiviert, unsere Sprache zu lernen“) – angeprangert.

Detailvorschläge, was an und in den Häusern gemacht werden könnte, wurden dankend aufgenommen. Dazu zählt beispielsweise die „geordnete“ Anbringung von Satellitenschüsseln, ein vorhandenes Ladenlokal könnte durch Bestuhlung und Dekoration den Charakter eines Cafés erhalten, Klingeln sollten an den Türen angebracht werden. Vor allem aber müsse betreuendes Personal gestellt werden. Deller unterstrich: „Ich höre hier immer wieder heraus, es muss Menschen geben, die sich kümmern.“ In den betroffenen drei Häusern an der oberen Kaiserstraße werden etwa 25 Bewohner erwartet. Dass man sich finanziell nach der Decke strecken müsse und das Personal zu knapp sei, stellten Arno Nelles und Sozialamts-Leiter Herbert Zierden heraus.

„Völlig andere Stimmung“

Am Ende eines gut eineinhalb Stunden intensiv geführten Austausches stand allseits die Bereitschaft, auf dieser Basis weiter zu machen. Ulrich Deller fasste zusammen, „ich habe das Gefühl, wir sind auf einem guten Weg, diesen Dialog nach außen fortzusetzen.“ Er äußerte seinen Eindruck, „viele kluge Ideen entdeckt und eine völlig andere Stimmung ausgemacht zu haben“. Dem mochte Arno Nelles sich in seinem Schlusswort anschließen, „die Diskussion geht in die Richtung, die wir brauchen“.

Von einem Ausschluss der Presse, wie er am Morgen vor der Gesprächsrunde von besorgten Teilnehmern noch telefonisch gefordert worden war, war da längst nicht mehr die Rede ...

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