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Ulkig, lustvoll gespielt und einfach anrührend

Von: Stefan Schaum
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Applaus bitte: Wenn Götz Alsmann am Klavier sitzt, gibt es sogar Ovationen. Die gebühren auch dem Percussionisten Markus Paßlick und Michael Müller am Bass. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Den Kasper gibt er gern. Doch können all die Kapriolen am Klavier nicht darüber hinwegtäuschen: Hier wird leichtfüßig Kunst gemacht. Ganz große sogar.

Nahtlos knüpft der jüngste Auftritt von Götz Alsmann auf Burg Wilhelmstein an seine früheren Triumphe an. Es treffen sich: Eine furios auftretende Combo und ein Publikum, das komplett aus dem Häuschen ist. Nicht mal der Regen trübt das schöne Bild.

Kuschelig im Halbrund

Kuschelig wird es im ausverkauften Halbrund. Eng hocken die Zuschauer in den Sitzreihen vor der Bühne, damit möglichst viele unterm Zeltdach Platz finden. Wer dort nicht unterkommt, spannt den Schirm auf. Und hat einfach Spaß an der Show, denn was der Tausendsassa mit der Haartolle bietet, ist durchweg furios.

„Engel oder Teufel” fragt der Münsteraner im Titel des aktuellen Programms. Die Antwort bleibt er schuldig. Denn er ist beides: Der Beelzebub der Bossa nova, der Serafim des Swing. Sollte in diesem Mann der Teufel stecken, kann die Hölle nicht so übel sein. Zumindest klingt sie dann super.

Im Grunde ist der Schlagerjazz der Truppe hemmungslos nostalgisch, doch wird er derart lässig präsentiert, dass aller Staub im Nu verfliegt. Deutsche Texte aus Wirtschaftswunder-Tagen schmiegen sich an flotte Rhythmen, die Füße wippen und Münder lächeln lassen. Und immer wieder gibt es Szenenapplaus.

Wenn Altfrid Sicking in höllischem Tempo mit vier Klöppeln über sein Vibraphon hinwegfegt, wenn Markus Paßlick in seiner Percussion-Bude grinsend ein exotisches Geräusch-Gimmick hervorkramt oder Rudi Marhold ein Solo aufs Schlagzeug hämmert. Hübsch zusammengehalten wird das von Michael Müllers geschmeidigen Bassläufen.

Wie ein Derwisch

Dabei ist Musik nur die halbe Miete. Denn für den Entertainer Alsmann gehört das gesprochene Wort unbedingt zum Vortrag. Wie ein Derwisch kommt er zwischen den Liedern übers Publikum.

Erzählt herrlichen Unsinn von seiner Zeit im Ponyzirkus von Buffalo Bill und von fiesem Mehltau auf dem Kasseler-Braten, redet sich in Rage, dreht auf, springt umher, steigert das Sprechtempo noch einmal, bevor er auf den Klavierschemel hüpft und die überschüssige Energie in die Tasten drischt. Wild ist das. Meisterlich.

Dass hier Vollblutmusiker zu Werke gehen, ist jederzeit spürbar. Selbst der Ukulele, diesem kleinen Ding aus der Südsee, entlockt er Töne, die die Zuhörer verzaubern. Töne, die wie alles sind an diesem Abend: Irgendwie ulkig, lustvoll gespielt und einfach anrührend. Dabei kleckert Alsmann nicht. Der klotzt.

Satte zweieinhalb Stunden lang bedient er seine Zuhörer, gibt lange Zugaben. In „seiner” Stadt. „Oh, Du mein Würselen” verabschiedet er sich von der vertrauten Kulisse. Und es ist klar: Der kommt wieder. Unbedingt.
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