Baesweiler - Über 1500 Menschen feiern beim Stadtteilfest

Über 1500 Menschen feiern beim Stadtteilfest

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
Großer Andrang beim Gebäck-
Großer Andrang beim Gebäck- und Kuchenbuffet: Die Herzwaffeln, angeboten von der katholischen Frauengemeinschaft, sind bei den Besuchern sehr beliebt. In der Halle des Hauses Setterich sitzen die Menschen bei angeregten Gesprächen beieinander. Foto: Elisa Zander

Baesweiler. Schnecken aus Hefeteig mit Sesam und Honig, Hartweizen-Ecken gefüllt mit Datteln, Crêpe mit Honig und Nüssen - die Auswahl an marokkanischen Spezialitäten ist groß.

Es wird nicht länger als zwei Stunden dauern, bis das Gebäck-Buffet weitestgehend leer ist. Die Mitglieder des sozialen und kulturellen marokkanischen Vereins in Baesweiler-Setterich und Umgebung haben viele Stunden Vorbereitungen getroffen, um die Besucher an diesem Nachmittag an ihrer Esskultur teilhaben zu lassen.

16 Monate nach Baubeginn ist das Haus Setterich fertig. 1,7 Millionen Euro Baukosten, errichtet mit Fördermitteln von Bund und Land, etwa 20 Ehrenamtliche und unzählige Helfer im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements - das sind die Zahlen, die bei der Eröffnung der Einrichtung im Raum stehen. Denn möglich geworden ist das Projekt im Rahmen der Sozialen Stadt Setterich-Nord insbesondere durch den Einsatz der Settericher Bürger.

Es war ein großes Fest für jene, die das ermöglicht haben, und darüber hinaus. Initiiert vom Stadtteilbüro DRK, dem Stadtteilbeirat, zahlreichen Vereinen, Einrichtungen und Gruppen aus Setterich feierten am vergangenen Freitag viele Menschen die Eröffnung, den Stadtteil und die Gemeinschaft. Denn die ist in den vergangenen Monaten enorm gewachsen und zusammengerückt. Bürgermeister Dr. Willi Linkens empfindet es als „eine wahnsinnig große Chance, aus dem Nebeneinander ein Miteinander zu schaffen”. Über 1500 Menschen, schätzen die DRK-Stadtteilmanagerinnen Ute Fischer und Feride Demirci, besuchen das Fest, nutzen die vielen Angebote. Sechs Stunden Bühnenprogramm, ein Streetsoccer-Turnier, Aktions- und Spielstände sowie eine umfangreiche kulinarische Auswahl wirken wie ein Magnet.

Jung und Alt sitzen unter großen Zelten auf Bierbänken zusammen, lassen sich Waffeln schmecken, die von der katholischen Frauengemeinschaft neben dem Gebäck vom marokkanischen Verein serviert werden. Frauen unterschiedlicher Herkunft nutzen die Zeit, sich auszutauschen, ungezwungen, ohne Vorurteile. Studierte sitzen neben Analphabeten. Die Kinder toben sich derweil auf der Hüpfburg im Außengelände aus. Die Stimmung ist ausgelassen, freundlich, friedlich.

Das spiegelt sich auch in der interreligiösen Segnung wider: Imame der türkischen und marokkanischen Gemeinden und ihre Übersetzer sprechen wie Diakon Udo Haak und Pfarrer Ulrich Schuster gemeinsam mit den Menschen vor der Bühne Gebete für das Haus Setterich. Jeder mit seinem Glaubenshintergrund, aber alle gemeinsam. „Was wir hier tun, ist leider kein Normalzustand”, bedauert Udo Haak und freut sich umso mehr, dass Grenzen und Hindernisse hier nicht mehr zu existieren scheinen.

Die Forderung von Ferhat Kayabasi von der Moschee Wolfsgasse, „jeder soll sich menschlich und symbolisch öffnen”, erhält viel Beifall. Und Ulrich Schuster fügt hinzu: „Wir müssen voreinander Respekt und Toleranz gegenüber jedem und seinem Glauben oder Atheismus haben.” Udo Haak hat Wasser aus dem Haus Setterich mit auf die Bühne gebracht, welches er mit sechs Kindern mit unterschiedlichem Kultur- und Glaubenshintergrund segnet. Die laufen anschließend lachend mit Zweigen wedelnd durch die Besuchermenge und segnen jene.

Viele Nutzungsvorschläge

Zufrieden zeigen sich die Stadtteilmanagerinnen. „Es ist schön, dass jetzt alle zusammenkommen”, findet Feride Demirci. Ute Fischer hat „das Gefühl, dass die Menschen nur darauf gewartet haben, dass hier mal etwas passiert. Es wird in Baesweiler viel geboten, aber nicht speziell in Setterich. Und die längere Fahrt nach Baesweiler hält einige ab.” Es gibt viele Anfragen, das Haus zu nutzen; in den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie die Vorschläge umgesetzt werden können.

Der geschaffene „Treffpunkt für alle ist hervorragend gelungen”, wie Dr. Willi Linkens findet. Er bittet darum, „die große Investition anzunehmen und das Haus mit Leben zu füllen. Es wäre schön, wenn Sie aus Setterich eine lebens- und liebenswerte Gemeinschaft machen.” Ein Wunsch, der beim Blick auf das Treiben auf dem Gelände an der Emil-Mayrisch-Straße bereits in Erfüllung gegangen scheint. Einige Frauen der Aktiven Nachbarschaft Soziale Stadt suchen das Gespräch mit den Besuchern und bekommen nur positive und lobende Worte zu hören. „Es ist das Haus für alle, Menschen jeden Alters und jeglicher Herkunft”, sagt Aysun Okay. „Es ist das Symbol für Setterich.”

Auf insgesamt 565 Quadratmeter Nettogrundfläche befindet sich unter anderem das Büro des Betreibers DRK. Den Mittelpunkt des Hauses bildet die zentrale Halle, um die sich acht Funktionsräume gruppieren. Die Beheizung erfolgt über eine Wärmepumpe.

Voller Energie sind die Kinder und Jugendlichen beim Trommelworkshop von Katharina Richter, bei dem sie ungezwungen miteinander musizieren. Viele Kinder, darunter Meliah Özer und Annika Schneider, stehen beim Dosenwerfen, angeboten vom Wohn- und Pflegeheim Maria Hilf, an, während auf der Bühne die Chöre Setterich St. Andreas, der Stefan-Ludwig-Roth-Chor sowie der Männergesangsverein einige Stücke aus ihrem Repertoire darbieten.

Luftballons steigen wegen eines Wettbewerbs stetig gen Himmel, die Geräte auf den zwei Spielplätzen, ebenfalls eine Anregung der Aktiven Nachbarschaft, werden rege genutzt. „Es ist alles so schön geworden”, freut sich auch Ayten Akin. „Wir fühlen uns hier richtig wohl.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert