Nordkreis - Trotz Schneefall und Minusgraden: Notunterkünfte im Nordkreis bleiben leer

Trotz Schneefall und Minusgraden: Notunterkünfte im Nordkreis bleiben leer

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Bernd Scheel macht den Weg frei: Die Notunterkunft in Alsdorf soll für Obdachlose stets erreichbar sein.

Nordkreis. Wer dieser Tage seinen Schlafsack im Freien ausbreitet, riskiert weit mehr als eine Gänsehaut. Bei Schnee und Minusgraden geht es für Obdachlose allein um das nackte Überleben. Zwar stehen ihnen auch im Nordkreis zahlreiche Notunterkünfte offen, die Wärme und Schutz bieten. Genutzt werden sie derzeit jedoch nicht.

In den vergangenen Tagen hat keine der vier Kommunen trotz des massiven Schneefalls einen Umherziehenden beherbergt. „Wir haben derzeit zwar einen Obdachlosen, aber der gehört schon zum Inventar”, sagt Bernd Scheel.

Der 49-Jährige ist Hausmeister der Notunterkunft an der Pützdrieschstraße in Alsdorf. Zwölf Wohneinheiten gibt es dort, die heimatlosen Menschen Zuflucht bieten: Asylbewerbern, Vagabunden oder Personen, die der Vermieter vor die Tür gesetzt hat. „Ich bin eigentlich ein ganz normaler Hausmeister - aber mit einer schwierigen Klientel”, sagt Bernd Scheel, „darauf muss man sich schon einstellen können.”

Alkohol- und Drogenprobleme haben etliche im Gepäck, die in Mariadorf anlanden. Bisweilen eilt er selbst tief in der Nacht zu dem vor zehn Jahren kernsanierten Gebäude aus den 60er Jahren, wenn es dort laut wird. „Ich wohne gleich gegenüber, ich hab das immer im Blick. Das ist ein 24-Stunden-Job.”

Seit knapp einem Jahr kümmert er sich um das Haus der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft, deren Angestellter er ist. Seitdem sei es in der Notunterkunft deutlich ruhiger geworden. „Keine eingeworfenen Fenster mehr, keine Einsätze der Polizei.” Das war mal anders. Probleme gab es dabei nicht einmal mit den Untergebrachten selbst. „Aber die bekamen oft Besuch von Bekannten.” Zu einer Art Partybunker sei die Unterkunft zwischenzeitlich mutiert.

So etwas gibt es heute nicht mehr. Dafür sorgen seine ständige Präsenz und eine klare Hausordnung. So gelten ab 22 Uhr Nachtruhe und Besuchsverbot. Wer dagegen verstößt, muss mit Ordnungsgeld rechnen. Das können zwar die wenigsten zahlen, „doch wenn sich Verstöße häufen, droht als letzte Konsequenz Gefängnis”.

Was Bernd Scheel täglich hinlegt, ist im Grunde auch ein Spagat zwischen Hilfe und Härte. Denn wohnlich einrichten soll sich niemand in der Notunterkunft. Dort gibt es nur das Nötigste: eine kleine Küchenzeile, einen Tisch, Stühle, einen Platz zum Schlafen. Das Mobiliar hat schon einige Jahre auf dem Buckel.

Schlüssel für die Räume hat allein Bernd Scheel. „Ich bin aber kein Zimmermädchen. Ich verteile das Bettzeug nur, die Betten müssen selbst gemacht werden.” Gleiches gilt für das Säubern der Räume. „Schließlich soll das hier nur eine vorübergehende Station sein.”

Weitere Informationen:

In Roda ist eine Unterkunft an der Bierstraße eingerichtet. Je 15 Männer und Frauen können dort aufgenommen werden. Auch Feuerwehr und Polizei stellen bei Bedarf den Kontakt her.

Zwei sogenannte Übergangszimmer gibt es in Würselen für Menschen, die plötzlich in Obdachlosigkeit geraten sind oder umherziehen. Drei bis fünf Personen können dort übernachten. Insgesamt stehen in der Kommune 74 Betten in vier Gebäuden für Obdachlose und Asylbewerber zur Verfügung.

Ganze 110 Plätze gibt es in Baesweiler. Die hohe Zahl resultiert daraus, dass die kleinste Kommune im Nordkreis seltener eigene Wohnungen für Asylbewerber anmietet. „Der Winter hat uns in den Unterkünften an der Peterstraße und Am Bauhof keine Neuzugänge beschert”, sagt Ordnungsamtsmitarbeiter Jürgen Schlebach.
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