Tränen kullern bei der Schließung der Paul-Gerhardt-Kirche

Von: Sigi Malinowski
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Nachdenkliche Gesichter: Die waren häufig zu finden, als am Wochenende der letzte Gottesdienst in der Ofdener Kirche stattfand. Foto: Sigi Malinowski
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Beim anschließenden Pfarrfest gab es dann auch wieder glückliche Gesichter zu sehen. Foto: Sigi Malinowski

Alsdorf. Man braucht keine besondere Beobachtungsgabe, um es zu sehen und zu spüren. Die Menschen sind aufgewühlt. Es herrscht eine unterschwellige Beerdigungsstimmung. Und das, obwohl alles so fein hergerichtet ist. Zum Abschied von der Paul-Gerhardt-Kirche, die auch im Rahmen des 11. Alsdorfer Stadtgesprächs am Mittwoch,11. Dezember, thematisiert wird.

An diesem Morgen kämpfen die Ofdener Christen gegen ihre Traurigkeit wie ein einsamer Paddler in schwerer See. Eben aufgewühlt.

Etwa hundert Menschen sitzen zum letzten Gottesdienst gemeinsam auf den Kirchenbänken. Sie suchen Trost und finden diesen in ihren Liedern. Der ganze Gottesdienst ist ein einziger Gesang. Ähnlich wie auf einer südafrikanischen Beerdigung. Die Lieder haben eine gewisse Fröhlichkeit, und dennoch wird hier etwas für immer beendet.

Die Frauenhilfe der Kirchengemeinde gestaltet den Gottesdienst gemeinsam mit Pfarrerin Elisabeth Peltner. Lieder wechseln sich ab mit biblischen Texten, die Hoffnung ausdrücken sollen. „Gott wohnt nicht in einem Haus, er ist unter uns“, predigen die Frauen gemeinsam.

Daran richtet man sich an diesem Morgen auf. Dazu schallt mächtiger, getragener Posaunenklang aus den Instrumenten des Chores aus Hoengen-Broichweiden. Joachim Peters lässt die Orgel erklingen, die Gemeinde singt inbrünstig. Pfarrerin Peltner spricht, „das wäre schön auf etwas hoffen zu können was das Leben lichter macht und leichter das Herz. Das gebrochen ängstliche“.

So wechseln sich die Frauen in ihren Wortbeiträgen immer wieder ab. Sie suchen nach Hoffnung und bemerken, „Das Volk, das im Finstern wandert sieht ein großes Licht. Sagt Jesaja“.

Eine Stunde dauert die auch vom Kirchenchor mitgestaltete sakrale Feier in der so detailliert und liebevoll geschmückten Kirche. Dann ziehen sie gemeinsam aus. Nicht Hand in Hand, aber dennoch wirkt es so. Um gemeinsam in den Nachmittagsstunden wieder zu kommen.

Denn da wird erneut gesungen. Diesmal tritt die Sopranistin Michelé Rödel auf, begleitet vom Pianisten Joachim Peters. Und dann gibt’s auch noch eine satte Portion Rock mit „Voll Taff“.

Augen frei gewischt

Zwischendurch hat man sich zum letzten Gemeindefest zusammengesetzt und betrachtet zum gemeinsamen Mahl entweder Bücher in der Börse oder die vielen Bilderalben. Da findet die Leiterin der Frauenhilfe, Maria Makowka, doch noch ein Bild des Pfarrers aus jungen Jahren und erklärt Katharina Rose, „sieh mal das ist der Eichenberg als junges Kerlchen“.

Immer wieder kommt es – wie schon zuvor im Gottesdienst –zu dieser einen versteckten Handbewegung. Man wischt sich die Augen frei. Zumal beim Gang durch die Kirche schon zu sehen war, dass bereits Dinge von den Wänden demontiert wurden.

Am 28. Dezember wird die Kirche dann endgültig entwidmet. Aber auch bei diesem Anblick findet Pfarrerin Peltner die passenden Worte für die Gemeinde. „Schlimmer wäre es doch, wenn der Bagger kommen würde und unsere Kirche platt macht“.

Das passiert nicht. Die Kinder werden demnächst Einzug halten. Das ist nun wiederum ein weiteres Zeichen der Hoffnung. Und doch, auch wenn es nicht viele mitbekommen haben. Das christliche Ofden weinte an diesem Sonntag lautlos.

Was halten Sie, liebe Leser, von den anstehenden Veränderungen in Ofden? Was finden Sie gut, was finden Sie schlecht? Was sollte anders laufen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter www.lesermeinung.de.

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