Tote Schwiegermutter „zwischengelagert“: Entlassung

Von: Holger Bubel
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Sarg
Friedhofspfleger hat seine verstorbene Schwiegermutter zur kostenlosen Aufbewahrung in einem Kühlhaus untergebracht. Jetzt wurde ihm gekündigt wegen „vermögenswerter Vorteilsnahme“. Symbolbild: dpa

Alsdorf/Baesweiler. Weil er seine verstorbene Schwiegermutter ohne Anmeldung in einer Leichenhalle seiner Arbeitsstätte zwischengelagert hat, hat ein Mitarbeiter der Grund- und Stadtentwicklungsgesellschaft Alsdorf (GSG-GS) jetzt seine Anstellung verloren.

Nach Informationen unserer Zeitung hat der in Baesweiler lebende Mann einen Leichenbestatter veranlasst, seine tote Schwiegermutter vom Eschweiler Krankenhaus aus nicht nach Baesweiler, wohin sie eigentlich hätte gebracht werden sollen, weil dort der Wohnsitz der Verstorbenen im Haushalt des Beschuldigten war, sondern in eine Alsdorfer Leichenhalle zu überführen. Der in der Friedhofspflege eingesetzte GSG-GS-Mitarbeiter besorgte während der dortigen „Zwischenlagerung“ alle notwendigen Papiere, unter anderem den Totenschein, um die Verstorbene anschließend „mit einem Bulli“ zur Bestattung nach Kroatien, der Heimat der Toten, zu bringen.

In der Alsdorfer Leichenhalle, zu der der in der GSG-GS-Friedhofstruppe eingesetzte Mann freien Zugang hatte, wurde die Leiche der Schwiegermutter eingesargt, auch eine Verabschiedungsfeier soll zelebriert worden sein. Dazu bediente sich der Mann auch der Arbeitskraft anderer GSG-GS-Kollegen. Im Anschluss daran wurde der Sarg zur „offiziellen Beerdigung“ nach Kroatien transportiert. Nach einen anonymen Hinweis, der in der GSG-GS einging, wurde der Mitarbeiter mit dem Sachverhalt konfrontiert und in der Konsequenz fristlos entlassen.

Keine Störung der Totenruhe

Der Vorwurf an den Mitarbeiter lautete nicht etwa, dass er durch sein Vorgehen einen Straftatbestand der Störung der Totenruhe begangen habe (Strafgesetzbuch: § 168 Störung der Totenruhe (1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper ... eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.). „Die Unterbringung der Leiche ansich war kein Straftatbestand“, erklärte Pressedezernent Richter Benedikt Hövelmann vom Arbeitsgericht Aachen auf Anfrage.

Zumal es sich bei der Toten um ein Familienmitglied gehandelt habe. Vielmehr wird dem Mitarbeiter seitens der GSG-GS zur Last gelegt, dass er die Kosten für die Aufbewahrung und Einsargung der Schwiegermutter unter Zuhilfenahme der Kollegen in der Leichenhalle nicht getragen und dadurch einen „vermögenswerten Vorteil zu Lasten des Arbeitgebers“ gezogen habe.

Vor der 5. Kammer des Arbeitsgerichts Aachen wurde der Fall nun behandelt, weil der Mann Widerspruch gegen seine Kündigung eingelegt hatte. Da der Baesweiler wegen seiner Zugehörigkeit zum GSG-GS-Betriebsrat und wegen einer Schwerbehinderung einem besonderen Kündigungsschutz unterlag, mussten sowohl Betriebsrat als auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) der Kündigung zustimmen, was beide auch taten – der LVR durch Verstreichenlassen einer Frist.

Der Gütetermin vor dem Arbeitsgericht ergab, dass dem Mitarbeiter die Kosten für die Benutzung der Leichenhalle in Rechnung gestellt werden, er eine geringe Abfindung erhält, ansonsten die Kündigung jedoch wirksam bleibt. Akzeptieren Kläger (Mitarbeiter) und Beklagte (GSG-GS) diesen Vorschlag nicht, wird die Angelegenheit bei einen Kammertermin verhandelt.

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