Tagesmütter sollen die U3-Quote sichern

Von: Stefan Schaum
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Spielparadies neben dem Wohnzimmer: Marion Knipprath hat ihr Haus ganz auf den Job als Tagesmutter zugeschnitten. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Zwischen Wohnzimmer und „Zwergenland“ liegen nur zwei Schritte. Bei Marion Knipprath gehen Privatbereich und Kinderbetreuung nahtlos ineinander über. Im Grunde lebt die komplette Familie in einem Kindergarten, denn ihr Haus in der Broicher-Siedlung hat die 35-Jährige auf ihren Job zugeschnitten: Tagesmutter. Sie ist gefragt. Mehr denn je.

Denn obwohl die Kommunen die Zahl der U3-Plätze in ihren Kitas redlich aufstocken, dürfte es mit Beginn des Rechtsanspruchs ab dem 1. August kaum ohne Kräfte gehen, die eine Betreuung in den eigenen vier Wänden anbieten.

Fünf Plätze kann Marion Knipprath in ihrem „Zwergenland“ anbieten, das mal ein Wintergarten war und jetzt mit einem warmen Holzfußboden, Spielteppichen und Wickeltisch aussieht wie ein Kindergarten im Mini-Format. Im Grunde ist es ja genau das. „Ich mag die Flexibilität, die der Job mir bietet“, sagt die gelernte Erzieherin.

Sechs Jahre hatte sie in einem Kindergarten gearbeitet, dann kam die erste Tochter, bald darauf die zweite – und dann holte die Mama ihre Arbeit zu sich nach Haus. Die Flexibilität, von der sie spricht, ist dabei relativ. „Man muss superstrukturiert sein, sonst geht‘s nicht.“ Schon morgens um 7 Uhr werden die ersten Kinder zu ihr gebracht, wenn alle da sind, zuckelt die ganze Horde los. Zunächst zum Kindergarten der jüngsten Tochter, danach zur Grundschule. „Auch wenn ich einkaufe oder koche ist die ganze Truppe dabei.“

Sie hat das im Griff, dank Dreier-Buggy und minutiös durchgetaktetem Zeitplan. Um 8.45 Uhr wird gefrühstückt, um 12.45 Uhr steht das Mittagessen auf dem Tisch, danach machen die Kleinen ein Nickerchen, die Bettchen stehen in Marion Knippraths eigenem Schlafzimmer. Zwischendurch: Action, Action, Action – spielen, vorlesen, basteln, malen. „Abends weiß man, was man getan hat“, sagt sie. Wer sie bucht? Nicht bloß Eltern, die in einer Kita keinen U3-Platz bekommen haben.

„Es gibt viele, die sich gezielt für eine Tagesmutter entscheiden, weil die flexiblere Betreuungszeiten haben.“ Kein starres 25-, 35- oder 45-Stunden-Konzept, wie die Kitas. „Bei mir geht‘s schon ab 15 Stunden los.“ Und sollte an einem Tag ein Kind einmal länger betreut werden müssen – kein Problem, sie ist ja in ihrem Kindergarten daheim.

Nachteile gibt es aber auch. Fällt in der Kita eine Erzieherin aus, sind Kolleginnen zur Stelle, zur Not wird das Kind in einer anderen Gruppe betreut. Das geht bei Tagesmüttern nicht. Da bedeutet krank: keine Betreuung!

Die Kommunen hoffen sehr auf die Akzeptanz der Eltern. Rein rechtlich gesehen, gilt der Anspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige als erfüllt, wenn die Kitas zwar voll sind, sich bei einer Tagesmutter im Stadtgebiet aber ein freier Platz findet. So werden sie auch in Alsdorf zu einer Art Puffer. 30 ausgebildete Frauen hat Traudi Kaspar auf der Liste, die die Vermittlung koordiniert.

Derzeit läuft ein weiterer, 168 Stunden dauernder Ausbildungskurs, der pädagogische und entwicklungspsychologische Grundlagen, Ersthilfe und mehr beinhaltet. Kaspar: „Wir rechnen damit, so den Bedarf decken zu können.“ Die Zusagen – oder Absagen – haben die Kitas jüngst verschickt. So wird sich bald zeigen, ob der Puffer tatsächlich dick genug ist.

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