Nordkreis - Stimmung beim Straßenwahlkampf: Die häufigste Geste ist Kopfschütteln

Stimmung beim Straßenwahlkampf: Die häufigste Geste ist Kopfschütteln

Von: Thomas Vogel
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Träger politischer Botschafte
Träger politischer Botschaften: der Flyer. Beim Frühlingsfest in Baesweiler ist Piratin Sarah Walker (Mitte) viele losgeworden. Foto: Thomas Vogel

Nordkreis. Wenn Sie von wildfremden Menschen auf der Straße Rosen geschenkt bekommen, die Kugelschreiber-Dichte in Ihren Taschen plötzlich beängstigende Ausmaße annimmt und Sie, um Blumensamen zu bekommen, nicht mehr in den Fachhandel gehen, sondern über öffentliche Plätze flanieren, dann kann das nur eines bedeuten: Die nächste Wahl steht vor der Tür.

Zugegeben - das ist etwas überspitzt dargestellt. Dennoch sind Give-Aways, die wirklich jede Partei im Angebot hat, ein beliebtes Mittel, um potenzielle Wähler an den Stand zu locken. Auch beim Straßenwahlkampf im Nordkreis zur kommenden Landtagswahl ist das zu beobachten. Die Kandidaten und ihre Helfer hoffen natürlich, Passanten nicht nur für die kleinen Geschenke, sondern vor allem das eigene Programm zu begeistern. Aber: „Manche wollen auch einfach nur ein Feuerzeug”, gibt Kai Baumann (Piratenpartei) zu, während im Hintergrund am Infostand beim Frühlingsfest in Baesweiler viele fleißige Hände orangefarbene Luftballons zu Piratensäbeln knoten.

Was aber gehört eigentlich alles zum Straßenwahlkampf? Eine einheitliche Definition über Parteigrenzen hinweg findet sich nicht. Für Christoph Pontzen, der den Wahlkampf im Nordkreis für den FDP-Kandidaten Dr. Werner Pfeil koordiniert, sind Plakatieren, die Arbeit am Infostand und Flyer verteilen ganz klar die Klassiker. Allerdings verschwimmen die Grenzen, „Wahlkampf wird vielfältiger”, fügt er hinzu.

Wachsende Netzkontakte

Der Grund ist das World Wide Web, das als Multiplikator eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Insofern zählen auch die Internetseiten der Kandidaten oder ihre Facebook-Accounts dazu. Die Besucherzahlen dort steigen während des Wahlkampfs deutlich, gibt Christoph Küppers, Sohn und Wahlkampfhelfer der sozialdemokratischen Kandidatin Eva-Maria Voigt-Küppers, zu Protokoll. Der christdemokratische Landtagssitz-Bewerber Hendrik Schmitz hat sogar einen eigenen YouTube-Kanal und twittert.

Dass die neuen Medien nicht mehr nur Jugendliche erreichen, wurde Pirat Baumann zuletzt von einer immerhin 87-jährigen Dame bewiesen, die an den Stand kam und ihm ihre Lieblingsstellen aus seinem Online-Profil zitierte. Grundtenor aber ist, dass der direkte, persönliche Kontakt zu den Menschen der Kern jeden Straßenwahlkampfes ist.

Schutz vor Regen

Des Wahlkampfhelfers bester Freund in den Wochen vor der Landtagswahl ist also nicht selten ein wenige Quadratmeter kleiner Pavillon oder ein Partytisch mit Schirm, der die Teams beim Einsatz auf Wochenmärkten, Festen und in Innenstädten vor Wetterkapriolen schützen soll - denn die politische Botschaft will persönlich unters Volk gebracht sein. Auf Petrus Güte kann gehofft werden, abhängig davon macht sich aber keiner der ehrenamtlich Engagierten.

Nicht jeder der Kandidaten hat ein festes Team, das ihn ständig begleitet. Das Spektrum ist hier recht breit. Sylvia Köhne, die im Wahlkreis III für die Freien Wähler NRW antritt, können alle Mitglieder der Landesvereinigung in der Region unterstützen. Je nach Zeit werden Termine unkompliziert abgesprochen. Ähnlich handhaben es die Piraten. Ihre AG Wahlen ist eine langfristig angelegte Gruppe, deren Mitglieder die Partei in der Städteregion auf die Wahlen vorbereitet hat.

Hendrik Schmitz (CDU) und Werner Pfeil (FDP) hingegen haben im Kern ein festes Team, das sich vornehmlich um die Organisation der Wahlkampftermine kümmert. Vor Ort werden sie zusätzlich von den Parteikollegen aus den Ortsverbänden unterstützt. Ausschließlich mit den Ortsverbänden arbeiten Marika Jungblut (Die Linke) und Grünen-Mann Horst-Dieter Heidenreich, anders als Eva-Maria Voigt-Küppers von der SPD. Sie hat ein festes Team von 40 jungen Leuten, von denen bis zu 10 Helfer gleichzeitig am Infostand mitarbeiten.

Freundliches Lächeln

Die Tage auf der Straße laufen oft nach ähnlichem Muster ab. Morgens: Anreise, Aufbau. Danach erfolgt die „Bewaffnung” mit Flyern, Give-Aways und einem freundlichen Lächeln. Was dann aber kommt, ist kaum vorherzusehen. Von undifferenzierten Beschimpfungen bis zum burschikosen Schulterklopfen kommt im direkten Kontakt zu Passanten alles vor. „Die häufigste Geste ist Kopfschütteln”, erzählt Jungblut. Leute, die nicht angesprochen werden möchten, erkennen die Wahlhelfer oft schon an der Körpersprache. Junge Kollegen werden im Vorfeld häufig von den Erfahrenen eingewiesen, auch Argumentationspapiere werden in einigen Fällen zur Verfügung gestellt.

Die Stimmung in der Bevölkerung erleben die Wahlkämpfer unterschiedlich. Köhne sieht die Politikverdrossenheit der Menschen weiter auf dem Vormarsch, ganz im Gegensatz zu ihren politischen Kontrahenten.

Das Team der SPD wollte sich mit ihrem Infostand vor einer Diskothek in Würselen postieren. Die Betreiber haben sie dann kurzerhand hineingebeten. Was die Wahlhelfer dort erlebt haben, war eine echte Überraschung. Nicht nur, dass viele junge Partygänger an den Stand kamen, um sich zu informieren. Sogar vier Anträge auf Parteimitgliedschaft konnten am Ende der Aktion verzeichnet werden.

Auch die Christdemokraten können während des Straßenwahlkampfes im Nordkreis bereits zwei neue Mitglieder auf der Haben-Seite verbuchen. Grundsätzlich ein gutes Zeichen. Inwieweit Wahlkampf auf der Straße jedoch zum Erfolg oder Misserfolg der Parteien wirklich beiträgt, bleibt am Ende offen - messbar ist es nicht.

Genaue Auflagen sind einzuhalten

Frühestens sechs Wochen vor dem Wahltermin dürfen die Parteien beginnen, Plakate aufzustellen und an Infoständen zu informieren.

Die Ordnungsbehörden erteilen auf Antrag Genehmigungen. Darin ausgeführt ist, bis wann, wo und in welchem Umfang plakatiert werden darf. Auflagen sind zu beachten. So dürfen Wahlplakate nicht an Ampeln, Verkehrszeichen oder im Kreuzungsbereich montiert werden und sie dürfen die Sicht der Verkehrsteilnehmer nicht behindern. Zu Wahllokalen ist ein Mindestabstand einzuhalten.

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