Würselen - Steinerne Zeitzeugen auf Historischem Friedhof

Steinerne Zeitzeugen auf Historischem Friedhof

Von: ehg
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Die Gedenkplatte auf dem Boden weist den Weg auf den Historischen Friedhof: Dort nahmen zahlreiche Gäste an der Eröffnungsfeier teil. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Bardenberg ist um ein historisches Kleinod reicher. Eröffnet wurde jetzt auf dem städtischen Friedhof an der Oststraße der Historischer Friedhof. Dort freute Bürgermeister Arno Nelles darüber, bei der kleinen Feierstunde zahlreiche Gäste begrüßen zu können.

„Friedhöfe sind mehr als Stätten, an denen wir uns von lieb gewonnenen Wegbegleitern verabschieden. Es sind Stätten der Begegnung, an denen die Erinnerung wachgehalten wird“, bemerkte er. Nicht zuletzt stellten Friedhöfe „ein Stück unserer eigenen Geschichte“ dar. Dank sprach der Bürgermeister allen aus, „die zur Dokumentation unserer Heimatgeschichte beigetragen haben“. Stolz war Nelles darauf, dass sich bei der Realisierung dieses Projektes so viele Bürger ehrenamtlich engagierte hatten. Vornehmlich beim Heimatverein Bardenberg, der unter Federführung von Ex-Geschäftsführer Hubert Pastor die Initiative ergriffen hatte.

Nicht sang- und klanglos

Wie es zur Anlage des Historischen Friedhofs kam, legte Pastor detailliert dar. Den Anstoß dazu hatten die Geschwister Nellessen gegeben. Sie hatten nach dem erneuten Ablaufen der Ruhezeit eines Grabes ihrer Vorfahren dem Heimatverein das Grabmal angeboten, weil sie die alten Zeitzeugen nicht sang- und klanglos beseitigen wollten. Im Zuge der anschließenden Überlegungen sei die Idee zur Anlage des Historischen Friedhofs geboren worden, sagte Pastor. Die Grabwand Nellessen ist das zur Zeit zweitälteste Grabmal und stammt aus dem Jahre 1910.

Neben den Geschwistern Nellessen hatten sich auch „Nutzungsberechtigte“ (Nachfahren) der Familien Schultheis, Meessen, Breuer, Wintgens und Genuit spontan zu konstruktiver Mitarbeit bereit erklärt. Sie stimmten ebenfalls der Versetzung der Grabwände beziehungsweise Grabplatte zu. Die Grabwand Schultheis, Meessen und Breuer ist nach dem Hochkreuz der älteste Zeitzeuge auf dem Friedhof mit der frühesten Beisetzung im Jahre 1893. Die Familie war bei der Eröffnungsfeier durch Maria Breuer, der Enkelin des in diesem Grab zuerst bestatteten Großvaters, vertreten. Dann machte der „spiritus rector“ einen Zeitsprung in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts und lenkte bei der Grabwand Wintgens das Augenmerk auf den stark veränderten Stil der steinernen Dokumente. Die früheste Beisetzung fand 1938 statt. Zwei Enkelinnen repräsentierten die Familie.

Schwieriges Unterfangen

Das schwierigste Unterfangen bei der Realisierung des in Angriff genommenen Projekts war die Umsetzung des alten Hochkreuzes, das am Ende des alten Hauptweges lange im Fokus der Friedhofsbesucher stand, als der Eingang noch an der Landstraße lag. Wie Hubert Pastor erläuterte, war es 1881 zur Eröffnung des Friedhofs der Gemeinde Bardenberg von Baron Carl von Blanckart geschenkt worden, dessen Urenkelin Marie Noel Förster mit ihrem Ehemann zugegen war.

Das größte Hindernis bestand bei der Versetzung der Grabwände, Grabplatten und des Kreuzes darin, dass der gesamte Bardenberger Friedhof unter Denkmalschutz stand. In einem aufwendigen Prozess erreichten die Denkmalschützer der Stadt, dass dieser – mit Ausnahme des Hochkreuzes – aufgehoben wurde. Schließlich sei – so Hubert Pastor – dann doch unter strengen Auflagen der Umsetzung zugestimmt worden. Er sagte auch ein Wort zu den Kriegsgedenksteinen und zu der Grabplatte des Theodor Genuit.

Es seien ereignisbezogene steinerne Zeugen, die Geschichte nacherlebbar machten. Ereignisbezogen ist zum Beispiel die Grabplatte des einzigen Ehrenbürgers der ehemals selbstständigen Gemeinde, Theodor Genuit. Er hatte aufgrund vielfältiger Verdienste im Jahre 1925 die Ehrenbürgerschaft erhalten. Die Zustimmung der Verlegung „seiner“ Grabplatte habe man seinem Urenkel Dr. Saur zu verdanken, der seine Teilnahme an der Feier in letzter Minute absagen musste. Der verbliebene Freiraum wird zum Aufstellen weiterer Grabmale benötigt. Soll doch in Zukunft die Friedhofsgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart nachzuvollziehen sein.

Lobende Worte

Lobende und dankende Worte fand Hubert Pastor für die vielen guten Geister – auch hinter den Kulissen -, die das ohne Zweifel vorzeigbare Projekt realisieren halfen. Auch für die kleinen und großen Spenden, die dem Heimatverein dabei halfen, den Historischen Friedhof „stemmen“, dankte er. Mit Pastor stimmten die zahlreichen Gäste überein: „Ein Mosaikstein Bardenberger Ortsgeschichte ist entstanden, der hoffentlich noch lange in die Zukunft hinein Zeugnis von der Vergangenheit ablegen möge.“ Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung durch den Männergesangverein „Orphea“ unter Leitung von Willi König mit getragenen Liedern.

Im Anschluss an die kleine Feier fand eine Führung statt, bei der Brigitte Klöcker und Toni Drießen vom Friedhofsamt die verschiedenen in Bardenberg derzeit zugelassenen Grabarten erläuterten.

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