Alsdorf - Steine weisen den neuen Weg

Steine weisen den neuen Weg

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
Im heimischen Garten: Alfred M
Im heimischen Garten: Alfred Mevissen bearbeitet diese Stück besonders harten Laaser Marmor. Foto: Stüber

Alsdorf. Der Leistungsdruck ist hoch - und das seit Jahren. Nicht dass Alfred Mevissen ungern Manager in der pharmazeutischen Industrie auf Europa-Ebene ist. Gestalten zu können und kreative Lösungen selbst für knifflige Fragen zu finden, hat was. Aber das hat auch seinen Preis.

„Ich habe gesehen, wie zwei Kollegen in den Burn-out gegangen sind”, kennt der 53-jährige Alsdorfer auch die Schattenseiten des Zwangs, immer erfolgreich sein zu müssen. Als Führungskraft ist es seine Aufgabe, Gewinnmaximierung und Produktivitätssteigerung zu erreichen, ist ihm bewusst. Als Ehemann und Familienvater von drei - mittlerweile - erwachsenen Kindern standen und stehen Wertefragen im Vordergrund, formuliert er Ansprüche an ihn. Mevissen muss den vielfältigen Anforderungen Tribut zollen, auch gesundheitlich. Der Rücken will nicht mehr, wie er soll. Da beschert ihm das Jahr 2004 ein Schlüsselerlebnis. Beruflich hat er viel mit Krebstherapien und -medikamenten zu tun. Und es ist ein Onkologe, der ihn von der eigenen Stressbewältigung, von einem „zweiten Leben” berichtet - als Bildhauer. Diese Begegnung und was seitdem daraus geworden ist, hat Mevissen jetzt in einem Buch zusammengestellt. „Perfekt kann jeder - Steine als Wegweiser zu neuen Perspektiven” lauten Titel und Untertitel. Das Buch ist ab sofort erhältlich. Der Erlös ist wohltätigen Zwecken vorbehalten.

Mit Brüchen umgehen

Zum einen geht es Mevissen mit diesem Buchprojekt darum, das Erlebte aufzuarbeiten und zu ordnen. Zum anderen hofft er, mit dem Erlebten auch anderen Hinweise geben zu können, einen Neuansatz zu finden. „Steine haben mich gelehrt, mit Brüchen umzugehen, Verlust zu verarbeiten und die Kunst des Weglassens bzw. kreativen Wegnehmens zu begreifen”, schreibt der Alsdorfer im Vorwort. „Dieses Buch handelt vom Reiz der Unvollkommenheit in einer Gesellschaft, die perfekte Idealbilder und Lösungen propagiert und dabei vergisst, dass ?perfekt immer nur eine Frage der Perspektive sein kann.” Das Buch solle dazu anregen, die Dinge einmal mehr fließen zu lassen, weniger dem Zwang des Urteilens zu unterliegen oder sich einfach mehr auf die Werte zu konzentrieren, die nicht durch „unsere Leistungsgesellschaft” impliziert werden. Das mit qualitativ hochwertigen Fotos reich bebilderte Buch beschreibt in zwölf kleinen Geschichten zu Skulpturen und Seminaren, die Mevissen seit 2004 gefertigt bzw. organisiert hat, unterschiedliche Aspekte aus diesem Entstehens- und Erkenntnisprozess.

So wird nachgezeichnet, wie Mevissen dem Rat des ihm bekannten Onkologen folgt und zu dem Bildhauer Herbert Leichtle findet, der im Allgäu lebt und arbeitet. Gemeinsam realisieren sie einen Workshop, in dem leitende Kräfte Führungsprinzipien unter dem Einfluss der neuen handwerklichen Erfahrung entwickeln sollen. Was sich kompliziert anhört, läuft locker, aber gewinnbringend für die Teilnehmer ab, wie Mevissen berichtet. Beim „Klopfen von Steinen” können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das Potenzial des Steins zu erkennen und seine Linien zu einem Kunstwerk herauszuarbeiten und nicht blind den eigenen Willen dem Werkstück aufzuzwingen, wird zur wichtigen Erkenntnis. Beeindruckende Erstlingswerke wie zum Beispiel ein Löwe, eine Maske, eine Eule als Wächterin und anderes entstehen in kurzer Zeit. Weitere Seminare folgen, etwa zum Thema „Perspektiven zum Leben mit Krebs”, womit wieder der Bogen zu seiner Arbeit als Manager in der Pharmazeutischen Industrie geschlagen wird. Mevissen findet dabei zu einem weiteren gestaltungsfähigen Material: Holz. Ein Frauentorso wird zur unvollkommenen Schönheit, eine packende Ästhetik entsteht.

In Mevissens Alsdorfer Haus und Garten finden sich eine Reihe interessanter Stein-Skulpturen wie etwa ein breitlippiger „Lothar Matthäus”, ein Kopfloser oder ein Pinguin mit Ei. Es werden sicher weitere hinzukommen. Getreu der Devise, dass Steine uns lehren, sich auf das Wesentliche zu besinnen, uns helfen, die eigenen Ansprüche so zu definieren, dass wir im Einklang damit stehen. „Und so werden Steine zu Wegweisern, die Perspektive zu verändern und für sich persönlich zu ?perfekten Lösungen zu kommen”, schreibt der Buchautor.

Neue Projekte im Blick

Mevissen will nun neben seinem verantwortungsvollen Manager-Job weiterhin zu Hammer und Meißel greifen. Er hat ein 1,3 Tonnen schweres Stück Laaser Marmor besorgt und will das Teil in der Allgäuer Werkstatt bearbeiten. Das Thema: weißes und schwarzes Gold. Der noch zu gestaltende weiße Marmor soll dann in einem Kohlebett, eben dem schwarzen Gold „ruhen”. Viel Arbeit steht bevor. Aber steter und behutsamer Hammerschlag werden schon den unverwechselbaren Charakter des Marmors herausarbeiten. Aber nicht genug damit. Mevissen hat mit seinem Buch über „Steine als Wegweiser zu neuen Perspektiven” Gefallen am Schreiben gefunden. Ein zweites ist bereits geplant. „Das soll was ganz anderes sein”, will er noch nicht zu viel verraten. Nur, dass es um ein weiteres Hobby des vielbeschäftigten und vielfach interessierten Mannes geht: Kochen. Man darf gespannt sein, was er da nun wieder „anrichtet”.

Reinerlös für Krebskranke und Burn-out-Patienten

Das Buch „Perfekt kann jeder” von Alfred Mevissen ist ab heutigem Montag in Buchhandlungen im Nordkreis erhältlich. Es kostet 16 Euro.

Direkt bestellt werden kann es auch beim Autor per Mail a.mevissen@gmx.de oder unter htttp://www.perfektkannjeder.de

Der Reinerlös aus dem Verkauf des Buches, das in einer Auflage von 1000 Stück im Eigenverlag erscheint, wird laut Autor Alfred Mevissen zum einen dem Förderkreis für Krebskranke Kinder e.V. Aachen und zum anderen einer Initiative zugute kommen, die sich Menschen widmet, die unter dem Burnout-Syndrom leiden.

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