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StayFriends: Kontaktpflege ja, Fotos bitte nicht

Von: Sarah Thelen
Letzte Aktualisierung:
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Nicht nur Datenschützer äußern Bedenken: Auch die Schulleiter der Region befürchten Eingriffe in die Privatspähre ihrer Schüler, wenn Fotografen des Internet-Netzwerks Stayfriends nicht autorisiert Schulgebäude ablichten. Foto: Sarah Thelen

Nordkreis. Weißt du noch? Unsere übergroßen Schultüten bei der Einschulung? Die Abiturfeier in der alten Aula? An seine Schulzeit erinnert sich wohl jeder anders: der eine gern, der andere mit Wehmut und der dritte kennt auch nach Jahren noch die besten Anekdoten, die die eigene Schulzeit so einzigartig machten.

Doch keine Erinnerung an jahrelanges Pauken kommt ohne den Gedanken an die Menschen aus, mit denen man diese Erfahrungen teilt: den Mitschülern und Lehrern. Doch gemeinsames Erinnern ist schöner als einsames. Und weil sich das Pflegen von Kontakten auch mit den besten Vorsätzen bisweilen schwierig gestaltet, bietet das Internet-Netzwerk StayFriends eine eigene Kontakt-Plattform für ehemalige Schüler und Lehrer in Deutschland.

Wer sich hier anmeldet, dem werden automatisch ein Abschlussjahrgang und StayFriends-Mitglieder derselben Schule und desselben Jahrgangs als Kontakte vorgeschlagen. Einladungen zu Klassentreffen kann man per Mausklick verschicken, Klassenfotos hochladen, ansehen, ausdrucken, Nachrichten verschicken, die eigenen Kontakte darüber informieren, ob man geheiratet, Kinder oder einen Hund bekommen hat oder ob man vielleicht aktuell um die Welt reist - kurz: social networking at its best.

Und zu alledem soll jetzt noch eine weitere Komponente hinzustoßen: StayFriends hat im Sommer damit begonnen, 20.000 Schulgelände und -gebäude in der Bundesrepublik abzulichten. Dabei soll „das Typische eines jeden Schulgebäudes von öffentlichem Grund und Boden aus in drei bis vier Aufnahmen” eingefangen werden, wie es auf der Internet-Seite von StayFriends heißt.

Die Fotos sollen noch in diesem Jahr online gehen, dann „sollen mindestens 80 Prozent der Mitglieder ihre Schule bei StayFriends wiederfinden”. Nicht nur den Mitgliedern, auch der alten Schule will das Netzwerk somit den „gebührenden Platz” einräumen.

Welchen Nutzen die Fotos für die Kontaktpflege leisten, erschließt sich zunächst nicht. Dabei bezeichnet StayFriends selbst diese als das eigentliche Steckenpferd des sozialen Netzwerks: "Mitglieder von StayFriends können Kontakt zu früheren Klassenkameraden, Lehrern und Freunden wiederherstellen, zu denen die Verbindung abgebrochen ist."

Auch im Nordkreis herrscht aufgrund des Foto-Vorhabens eher Skepsis als Begeisterung unter den Schulleitern, auch wenn man hier noch nichts von den Foto-Aktionen mitbekommen hat: „Der Vernetzungsgedanke auch über die Schulzeit hinaus ist sicherlich schön. Um die Kontakte zu meinen Mitschülern zu halten, brauche ich jedoch kein Foto vom Schulgebäude”, findet Werner Schenk, stellvertretender Schulleiter des Alsdorfer Gymnasiums.

Ihm stimmt Reinhard Granz, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums in Herzogenrath, zu: „Schon innerhalb unserer Schulgemeinde behandeln wir die Daten der Schüler äußerst sensibel. Hier wird nicht mehr rausgegeben als absolut nötig ist. Davon, demnächst vielleicht im Internet und damit in einem für uns unüberschaubaren Bereich Fotos von unserer Schule zu finden, bin ich nicht begeistert.”


Ein freiwilliges Angebot sollte auch durchgängig auf Freiwilligkeit beruhen, findet der Schulleiter. Deshalb will Granz auch die Bilder seiner Schule nicht zur Veröffentlichung autorisieren, wenn ihn StayFriends-Mitarbeiter wie angekündigt darum ersuchen sollten. „Mir erschließt sich der Zweck von Bildern eines Gebäudes einfach nicht. Mit Kontaktpflege hat das wenig zu tun.”

Wenig begeistert sind die Nordkreis-Schulleiter vor allem von dem Gedanken, dass StayFriends die Schulen nicht im Vorfeld über die Aktion informiert und nicht offen legt, was genau mit den Bildern geschehen soll. „Solange die Fotografen nicht das Schulgelände betreten, verhalten sie sich zwar rechtlich gesehen zunächst einmal nicht falsch. Dennoch ist fraglich, ob der Datenschutz bei diesem Vorgehen tatsächlich gewährleistet ist”, zeigt sich Wilhelm Merschen, kommissarischer Schulleiter am Gymnasium Baesweiler, skeptisch.

„Wenn ich von solchen Aktionen höre, läuten sofort sämtliche Alarmglocken. Auch wenn wir bisher an unserer Schule keine Probleme dieser Art hatten und auch weder Eltern noch Schüler Bedenken geäußert haben, habe ich dabei ein schlechtes Gefühl.”

StayFriends betont hingegen, dass die Datenschutzrechte in jedem Fall geachtet würden: Für das Fotografieren der Schulen in Bayern etwa habe man absichtlich die Sommerferien gewählt, weil dann „keine Schüler vors Objekiv rennen”.

Im Nordkreis will man in den kommenden Monaten Augen und Ohren offen halten, welche öffentlichen Reaktionen die Bildaktion von StayFriends nach sich zieht. Dass den Schulleitern die Hände gebunden sind, solange die Fotografen sich nicht auf das Schulgelände begeben, vergrößert deren ablehnende Haltung gegenüber dem Netzwerk.

Deshalb wolle man zum Schutz der Privatsphäre der Schüler jetzt verstärkt darauf achten, wer sich dem Schulgelände nähert und etwaige Ablichtungen möglichst unterbinden.
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