Alsdorf - Stadtteilgespräch: Geplante Neubaugebiete kontrovers diskutiert

Stadtteilgespräch: Geplante Neubaugebiete kontrovers diskutiert

Von: Sigi Malinowski
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Großes Interesse am Stadtteilgespräch für Ofden und Umgebung: Ins Vereinsheim Am Kiesacker kamen rund 100 diskusionsbereite Einwohner.
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Nein, der erste Eindruck täuscht: Es kam nicht zur Saalschlacht mit Möbeln. Hier hilft Bürgermeister Alfred Sonders nur beim Aufstellen von Stühlen, auf dass möglichst alle Teilnehmer einen Sitzplatz ergattern.

Alsdorf. Kräftiges Stühlerücken ist der Diskussion vorausgegangen. Bevor Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders das Stadtteilgespräch in Ofden eröffnete, packte der starke Mann selbst mit an und schleppte Sitzgelegenheiten heran.

Denn: „Mit so vielen Leuten habe ich selbst nicht gerechnet“, war Sonders angesichts des Interesses der Einwohnerschaft aus Ofden, Schleibach, Duffesheide und Radsberg-Reifeld perplex.

Über 100 diskussionsbereite Einwohner zwängten sich ins Vereinsheim Am Kiesacker. Dort fragte Sonders die Mitbürger, wie schon in den vorangegangen Stadtteilgesprächen: „Wie können wir uns mit Blick auf den demografischen Wandel in den nächsten Jahrzehnten positionieren?“ Die Stadt will von ihren Einwohnern wissen, „was müssen, was sollen, was können wir gemeinsam tun?“ Sonders verband dies mit der Feststellung, „es werden Probleme auf uns zukommen, die wir allein nicht gelöst bekommen“. Die Gesellschaft wird immer älter, der Schuldenstand der Stadt Alsdorf ist „dramatisch“.

Was muss passieren, damit das Wohnen in Ihren Stadtteilen attraktiv bleibt? Dezernent Stephan Spaltner listete einige Zahlen und Fakten auf, die belegten, sowohl die Stadt Alsdorf als auch die betroffenen Siedlungen wie Ofden werden rasant an jüngeren Menschen verlieren und bis 2030 überaltert sein. Dem müsse entgegengewirkt werden. Denn, so zeigte Spaltner auf, „für uns als Stadt wird das nicht ohne Konsequenzen bleiben“. Was kann man als Stadt tun? Einige Projekte nahm der Dezernent in den Fokus. Er verwies darauf, „dass Ofden zwar „dicht bebaut isst, aber über Flächen verfügt“. Hier nannte Spaltner das Gelände des Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW), auf dem 22 Wohneinheiten entstehen könnten. Der Neubau der Realschule und des Gymnasiums am Annapark würde zudem freie Flächen an der Theodor-Seipp-Straße nach sich ziehen. Zudem plane die Evangelische Kirche eine Wohnbebauung in Form von altengerechten Wohnungen. Die Stadt ist sich darüber im klaren, dass man außerdem in Sachen Ganztagsschulen und Kindertagesstätten noch einiges tun müsse.

In Sachen Wiesengelände neben der Evangelischen Kirche und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten wurde schnell deutlich, dass die Ofdener ihre „Festwiese“ (städtisches Gelände) nicht hergeben möchten. Dazu meldeten sich Einwohner zu Wort, die unmissverständlich warnten, „Finger weg von der Festwiese“. Ihnen hielt Sonders („ich bin in jede Richtung schmerzfrei“) entgegen, „dort ist doch seit zehn Jahren kein richtiges Fest mehr gefeiert worden“. Außerdem merkte der Bürgermeister an, dass nach jüngsten Gedankenansätzen dort nur eine Randbebauung stattfinden soll und ein Teil der Wiese erhalten bleibt. Am 14. März wird sich der Fachausschuss mit dem Thema befassen. Sonders: „Bedenken Sie bitte, dass keine Pläne ohne entsprechende Bürgerbeteiligung verabschiedet werden.“ Daran rieben sich verschiedene Einwohner Ofdens. Eine Teilnehmerin hielt der Stadt vor, es würden immer mehr „auswärtige“ Bürger zum Bauen nach Ofden geholt.

Nach Sonders‘ Aussagen („Wir werden als Wohnstandort zunehmend attraktiver“) bauen 60 Prozent Neubürger aus anderen Städten in Alsdorf. Das schwäche das Gemeinschaftsgefühl unter den gebürtigen Ofdenern, hielt die Rednerin der Stadt vor. Begleitet vom Satz, „Ich bin Ofdenerin und darauf bin ich stolz“. Sie monierte, dass auch die Zahl der Geschäfte drastisch zurückgehe. Sonders: „Warum ist das denn so? Weil es strukturelle Defizite gibt. Wo geht das hin, wenn wir nichts tun?“ Dem Vorschlag, beispielsweise einen „Dorvladen“ (Dorv = Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung) zu installieren, begrüßt der Bürgerrmeister: „Wenn Ihr Ofdener das wollt, dann unterstützen wir Euch dabei“.

Mehrfach lobten Anwohner „den Charme, der Ofden umgibt“. Die Erhaltung des Grüns in und um Ofden hat eine große Wertigkeit, wie herauszuhören war. Beklagt wurde dagegen der Zustand der Kinderspielplätze und der Umstand, es gebe zu wenig Mietwohnungen in Ofden. Ein weiterer Redner monierte, „wir werden immer älter und sterben nach und nach aus“. Auch er vermisst Miet- und altengerechte Wohnungen in Ofden. Zum Thema Mietwohnungen beklagte Axel Kästner, „das hat der Rat kaputt gemacht“. Ein in Ofden sesshaft gewordener Bürger lobte, „wir haben hier das Naherholungsgebiet und überhaupt sehr viel Grün. Das muss man unbedingt erhalten“. Allerdings merkte der Redner auch an, „meine zehnjährige Tochter hat durch den Ganztagsschulbetrieb gar keine Zeit mehr, einem Verein beizutreten“. In dieser Hinsicht meinte Alfred Sonders, „wir als Stadt suchen dringend nach einer besseren Verknüpfung zwischen Vereinen und Schulen“. Schließlich gibt es in Alsdorf 400 Vereine.

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