Sportler wollen Druck auf Politik erhöhen

Von: ehg
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Uneben und unmodern: Mit dieser Aschenbahn tut sich Friedhelm Pongs schwer, neue Leichtathleten für die DJK Armada zu gewinnen. Foto: Schaum

Würselen. „Ich hatte mit mehr Resonanz gerechnet!” Bitter enttäuscht zeigte sich der Vorsitzende des Würselener Stadtsportverbandes, Günter Kuckelkorn, angesichts des Zuspruchs bei einem besonderen Treffen. Der Verband hatte ins VfR-Heim eingeladen, um über den von der Deutschen Sporthochschule Köln entworfenen Sportentwicklungsplan zu sprechen.

Mit möglichst vielen sollte diskutiert werden. Doch nicht einmal zehn der 47 im SSV vertretenen Vereine hatten Mitglieder entsandt. Willi Grotenrath vom VfR Linden-Neusen teilte den Frust des Vorsitzenden. „Alle, die nicht erschienen sind, haben schlechte Karten. Weil sie sich der Gelegenheit, sich mit ihren Wünschen in die Sportplanung einzubringen, berauben!” Dennoch entwickelte sich eine lebhafte, stets sachlich geführte Diskussion.

Der Leiter der Leichtathletikabteilung der DJK Armada Euchen-Würselen, Friedhelm Pongs, ging mit dem 132 Seiten umfassenden und 60.000 Euro teuren Werk streng ins Gericht. Ihm erschien der Begriff Sport zu weit gefasst zu sein. „Nicht jeder, der gegen einen Ball stoßen kann, ist schon ein Fußballspieler!” Am meisten empörte er sich darüber, dass in der wissenschaftlichen Expertise über die Zukunft des Sports in Würselen die Leichtathletik „nur mit einer Fußnote abgetan worden ist”.

SSV-Ehrenmitglied Peter Kremer stellte die Offenheit des Planes heraus. „Es ist kein Plan allein für die Vereine. Er muss ja auch die Bedürfnisse aller Sportaktiven berücksichtigen, die nicht in Vereinen organisiert sind.” Wer wie die Leichtathleten den Bau einer neue Anlage durchsetzen wolle, brauche dazu eine größere Lobby. Als Beispiel nannte er die Schulen. Damit rannte er bei Helga Sturm vom Weidener Turnverein offene Türen ein. Sie wünschte sich vor allem mit den Offenen Ganztagsschulen eine größere Zusammenarbeit.

Das gelte auch für die Vereine untereinander. Für die DJK Armada konstatierte Pongs: „Die Kooperation mit den Grundschulen funktioniert.” Bei den weiterführenden Schulen hänge es davon ab, wie sich Sportlehrer für eine bestimmte Sportart engagierten. Kremer mahnte an, die Politik und die Verwaltung mit den Bedürfnissen der Vereine möglichst bald zu konfrontieren. „Bevor der Rat im Herbst vielleicht über ihre Köpfe hinweg Nägel mit Köpfen macht.”

Alfred Reiß von der Rhenania Würselen hielt die Vereine an, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie sich künftig angesichts der desolaten städtischen Finanzen mehr als bisher einbringen können. „Es müssen Angebote gemacht werden, die von den Bürgern aller Altersgruppen angenommen werden.” Ehrenmitglied Peter Kremer lenkte den Blick darauf, dass Würselen heute bereits eine sportaktive Stadt sei. Immerhin seien 32 Prozent der Einwohner in Vereinen sportlich eingebunden.

„Wir müssen uns an den Handlungsempfehlungen des vorliegenden Planes orientieren”, gab Dieter Juschka (Würselener Turnverein) die Marschrichtung vor. Der Stadtsportverband müsse sich selbst ertüchtigen. Darin zeigte sich die Runde einig. Auch darin, dass nicht noch mehr Arbeit auf wenige - in die Jahre gekommene - Ehrenamtler abgeladen werden könne. Ohne einen hauptamtlichen Mitarbeiter werde die Position des Stadtsportverbandes nicht gestärkt werden können.

Markus Carduck (VfR Würselen) sah sich durch den Plan in der Forderung seines Vereins nach Kunstrasenplätzen. „Wir brauchen attraktivere Plätze, wenn wir nicht nur überleben, sondern auch weiterkommen wollen. ”Zu bedenken gab er, dass nicht für jede Trendsportart Angebote unterbreitet werden könnten. Er brachte das „Mülheimer Modell” ins Gespräch, nach dem Vereinen per Erbpacht Sportstätten von der Stadt übereignet werden können.

Damit anfreunden konnte sich Ulrich Bergmann (VfR Würselen). „Wenn ein Verein eine Sportstätte übernimmt, wird er Herr im eigenen Laden.” Für ihn bestehe kein Zweifel: „Das Mülheimer Modell ist machbar!” Da die Stadt in den kommenden zehn Jahren nicht über die nötigen finanziellen Mittel für den Neubau von Sportstätten verfügen wird, sollten die vorhandenen besser ausgelastet werden.

In dieser Einschätzung zeigte er sich mit der Hochschule Köln einig. „Damit bestehende Anlagen saniert werden können, muss vom Stadtsportverband Druck auf die Politik und die Verwaltung ausgeübt werden.” Er unterstrich in Bezug auf Kunstrasenplätze: „Auf ihnen kann dreimal so viel trainiert werden wie auf den vorhandenen Schlammlöchern.” Sache des Stadtsportverbandes wird es nun sein, eine Prioritätenliste zu erstellen, nach der der vorliegende Plan umgesetzt werden könnte.
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