Spannende Begegnung mit jungen Juden

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Auch nach Ende des offiziellen Teils war noch Zeit für Fragen: Isabella im Gespräch mit einem Schüler des Gymnasiums. Foto: Thomas Vogel

Alsdorf. Was wissen Jugendliche über das Judentum? Meistens das, was sie im Unterricht darüber lernen. Das betrifft in aller Regel die Zeit zwischen 1933 und 1945. Das jüdische Leben heutzutage spielt in den Medien kaum eine Rolle. Schade, findet Susanne Benizri und hat sich vorgenommen, etwas dagegen zu unternehmen.

Sie ist Projektkoordinatorin von „Likrat”. Der hebräische Begriff bedeutet übersetzt so viel wie „in Begegnung”. Genau darum geht es bei der von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg im Auftrag des Zentralrat der Juden in Deutschland organisierten Initiative.

Jüdisches Leben heute kennen lernen

Jüdische Jugendliche werden eingeladen, in Schulen über ihren Alltag und ihre Religion im Deutschland des 21. Jahrhunderts zu reden und im Gespräch mit den Schülern Vorurteile auszuräumen und Neugier zu befriedigen. Diese Treffen gab es bisher nur in Baden-Württemberg und Bayern. Das Alsdorfer Gymnasium hat nun als erste Schule in NRW Susanne Benizri zusammen mit zwei jüdischen Jugendlichen eingeladen.

Das Interesse ist groß im Stuhlkreis, den 40 Schülerinnen und Schüler aus Grund- und Leistungskurs Geschichte gebildet haben. Gespannt lauschen sie den einführenden Worten Benizris und der Vorstellung der beiden jugendlichen Gäste. Isabella ist aus Aachen. Die Wurzeln der zierlichen, jungen Jüdin liegen in Lettland. Auch Fillips Familie stammt aus der ehemaligen UdSSR. Der 18-jährige ist in Düsseldorf aufgewachsen. Um seinen Hals trägt er eine Kette mit Davidstern, nach der er auch direkt gefragt wird.

„Die Kette ist für mich Ausdruck eines Gefühls, nicht unbedingt Zeichen meiner Religiosität. Viele Christen tragen ja auch Kreuze, ohne regelmäßig in die Kirche zu gehen”, erklärt er. Die Fragen der Schüler drehen sich oft um das Thema „Religion”, aber natürlich sind sie auch neugierig zu erfahren, was die beiden über Deutschlands Vergangenheit oder den Konflikt zwischen Israel und Palästinensern denken.

Jude wird immer häufiger als Schimpfwort gebraucht

Isabella geht es da wie vielen Jugendlichen, sie ist politisch nicht sehr interessiert, egal ob Deutschland oder Israel. Diskriminierung wegen ihrer Religion habe sie im direkten Kontakt mit Anderen auch noch nicht erfahren. „Was mir aber auffällt ist, das Jude immer häufiger als Schimpfwort gebraucht wird”, äußert sie besorgt. Fillip hingegen ist schon angegriffen worden, weil er Jude ist. „Aber das sind Einzelfälle”, findet er. Da gehe es anderen Minderheiten auch nicht anders. Bezüglich des Holocaust meint er, Jugendlichen und ihren Eltern könne man heutzutage keine Vorwürfe machen, diese trügen daran keine Schuld.

Am meisten erstaunt sind die Alsdorfer Schüler, als sie hören, dass die Religion in jüdischen Familien immer von der Mutter weitergegeben wird. Ist also die Mutter nicht jüdisch, werden es die Kinder auch nicht, selbst wenn der Vater Jude ist. Davon hat niemand von ihnen zuvor etwas gehört.

Das Fazit nach zwei Stunden Begegnung fällt durch die Bank positiv aus. Die Schülerinnen und Schüler sind um Einblicke aus erster Hand in das jüdische Alltagsleben reicher. „Obwohl ich vorher schon Juden kannte, werde ich aus dem Gespräch einiges mitnehmen”, versichert ein Schüler.

Auch für Isabella und Fillip war es ein Erlebnis. Aufgeregt waren sie nicht, und auch nicht verklemmt oder verschlossen. „Und das liegt auch an der hervorragenden Betreuung durch die Leute von Likrat”, sagt Isabella. Das hört Susanne Benizri natürlich gerne. Sie hofft, dass andere Schulen dem Alsdorfer Gymnasium folgen und an dem Angebot Interesse zeigen werden.
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